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Herr Tausendacht in Hausarrest (zurecht)

Es ist bewölkt in Havanna. Aus der Sala dröhnt der Fernseher, auf der Straße brüllt mal wieder wer. Nur Maschinen und Autos hört man nun weniger. Ich nippe am Kaffe. Er ist stark und süß. Eine Freundin schickt mich per Whatsapp durchs frühmorgendliche London in den Supermarkt. Das Gemüse ist welk und wird zu Wucherpreisen verschachert. Auf dem Rückweg, zwei Nachbarn im Treppenhaus. Hinter den Masken bleiben von ihren Gesichtern nur die Augen: Reptilienpupillen voller kalter Angst.

Herr Tausendacht handels the truth

Herr Tausendacht leiht heute mal dem ehrwürdigen Richard Heinberg das Wort um klarzustellen, warum in der Welt letztendlich gerade alles drunter und drüber geht. Das Ergebnis wird für treue Tausendacht-Leser nicht überraschend sein: 

 

YOU CAN'T HANDLE THE TRUTH

 

Movie buffs will recognize this title as the most memorable line from “A Few Good Men” (1992), spoken by the character Colonel Jessep, played by Jack Nicholson (“You can’t handle the truth!” is #29 in the American Film Institute’s list of 100 top movie quotes).

 

I hereby propose it as the subtext of the recently concluded Republican and Democratic national conventions.

 

 

At this point most people appear to know that something is terribly, terribly wrong in the United States of America. But like the proverbial blind man describing the elephant, Americans tend to characterize the problem according to their economic status, their education and interests, and the way that the problem is impacting their peer group. So we hear that the biggest crisis facing America today is:  ... weiterlesen

 

 

 

 

24.07.

Herr Tausendacht handels the truth

Das blutige Ereignis von München war also ein gänzlich unpolitischer Amoklauf und hatte gar nichts mit Islamismus zu tun? Diese Antwort ist zu einfach. Jene Gewalttat ging letztendlich, genau wie alle vorhergehenden Fälle in Europa und den USA, aus der gleichen gesellschaftlichen Realität hervor:

 

Ich hatte zwar damit gerechnet, dass es bald ein Gegenattentat von Rechts geben würde, allerdings nicht in Gestalt eines Jungen Iraner, der wohl jahrelang darunter gelitten hat, für einen sunnitischen Türken gehalten worden zu sein. In seinem Amoklauf reflektiert sich weniger sein eigener kultureller Hintergrund – wobei unklar ist, ob dieser schiitisch oder gänzlich anders geprägt war, der Zweitname „David“ lässt zumindest aufhorchen – als vielmehr die Spaltung unserer Gesellschaft.

 

Ali David fiel in das Schema des Türken – und dies sowohl von deutscher als auch von Türkischer Seite. Ein Türke aber erfährt nur deutsche Diskriminierung und kann diese in die (auf lange Sicht ebenfalls toxischen) Derivate Nationalstolz und religiösen Überlegenheitswahn umwandeln, Ali David bekam es von beiden Seiten besorgt - und konnte dies nicht.

 

Es schien ihm unmöglich, je ein normales, westliches Leben führen zu können, die hässlichen Projektionen fraßen sich wie Säure in ihn, standen beim Blick in den Spiegel auf seiner Stirn: Scheißkanake, Drecksmoslem. Aber auch: Schweinechrist, Mistschiite, oder womöglich gar Judensau.

 

Wenn auf eine Person permanent ein anderes Bild projiziert wird, als sie von sich selber hat, reagiert sie zunächst passiv und resigniert, wobei sie versucht, ihren Konflikt hinter einem freundlichen Gesicht zu verbergen. So tat es auch Ali David. Die Intensivierung besagter Projektion in den letzten zwei Jahren, bedingt durch Flüchtlingswelle und die jüngsten Attentate, geschah ausgerechnet, als sich Ali David in einem Alter befand, in dem man die Vorstellung von sich selbst endgültig festlegt. So sehr er es versuchte, es gelang ihm nicht. Wieder und wieder verschwand sein Selbstbild unter der Wucht der Fremdprojektionen. Er wurde aggressiv, bedrohte wiederholt Freunde und Bekannte, die sich daraufhin von ihm abwandten - und mit ihnen das kleine Stück Welt, in dem er noch er selbst zu sein vermochte. Dann besorgte er sich eine Glock und fand Erleichterung.

 

Bayer auf Balkon: 

Du Arschloch, du Hundsgemeiner!

 

Ali David: 

Wegen euch wurde ich gemobbt sieben Jahre lang!

 

Bayer auf dem Balkon: 

Sie Wichser da. Sie Arschloch einer!

 

Ali David: 

Und jetzt muss ich ’ne Waffe tragen um euch abzuknallen!

 

Bayer auf dem Balkon: 

Eine Waffe? Weißt du was? Dir gehört der Schädel eingeschmissen. Du Arschloch einer, ey!

 

Ali David

Ich bin doch euer Gast, oder?

 

Bayer auf dem Balkon: 

Das musst du sagen, du Wichser einer!

 

Ali David: 

Wegen Scheiß-Türken!

 

Bayer auf dem Balkon: 

Scheiß Kanacken einer. Ey der hat eine Schusswaffe! Holt jemand her, der hat seine Waffe geladen! Holt die Bullen einer! Hier läuft er umeinander, der Wichser einer!

 

Ali David: 

Ich bin Deutscher! Hört auf zu flennen!

 

Bayer auf dem Balkon: 

Du bist ein Wichser bist du!

 

Ali David:

Lasst mich zufrieden!

 

Bayer auf dem Balkon:

Ein Wichser! Was machst für einen Scheiß?

 

Ali David: 

Mein Vater ist hier geboren worden. Man hat ihn gehasst, in der Hartz IV Gegend. Bin dort zur Schule gegangen.

 

Bayer auf dem Balkon: 

Na und, was machst für’n Scheiß? Dir gehört der Schädel runtergeschlagen, du Arschloch da unten!

 

Ali David: 

Wegen Leute wie Sie war ich ganz viel in Behandlung.

 

Bayer auf dem Balkon: 

Behandlung? Du gehörst in die Psychiatrie, du Arschloch!

 

Ali David: 

Ich hab nichts getan … nur Wort gehalten… halten Sie die Schnauze, Mann!

 

Dann fallen vier Schüsse. Die Leute, auf dem Balkon, von wo aus gefilmt wird, erschrecken. Dort sagt eine Stimme: Das ist ja der Hammer.

 

 

 

 

 

19.07.

Herr Tausendacht

findet Gott

Ich wollte gerade den Witz unters Volk bringen: “Integration schreitet voran, Immigranten machen alle LKW-Führerschein.“ - Da kam die Nachricht von der blutigen Hackattacke in einem Zug bei Frankfurt. In meine Sprachlosigkeit platzte der Ruf des Swami Durchananda: „Allahu Axtba.“ Ja, was konnte man dem noch hinzufügen? „Allahu Kettensäge“? Fast scheint es ja, als würden gerade ein paar fanatische Jungfilmer das Genre des Horrormovies per YouTube-Lifestream neu erfinden. 

 

Was mich allerdings noch mehr befremdete, war das Geschreibe und Gerede von der angeblichen Eigenradikalisierung des Täters. Macht das ein Mensch letztendlich nicht immer selbst? Ist an die allgegenwärtige Propaganda des IS im Internet denn derart schwer heranzukommen? Gab es je eine klare Grenze zwischen psychisch gestört und Terrorist? Mir schwant, all dieses Argumentieren erwächst dem Bemühen, den großen Elefanten im Raum beflissentlich zu übersehen: Den Islam. 

 

Doch halt - liegt nicht alldem lediglich der Deutungsversuch einer radikalen Minderheit zugrunde? Gewiss. Aber der Islam lässt ihn zu. Genau da liegt das Problem. Und prompt kommt hier die nächste Ungeheuerlichkeit zum Vorschein, gleichsam als über dem Elefanten levitierender Pottwal: Allah, eigentlicher Autor dieser heiligen und somit unabänderlichen Schriften; Schöpfer der ganzen Welt. Der wahre Anführer des Terrors ist ein Gott, oder zumindest ein wie eine karzinome Geschwulst aus ihm herauswuchernder Egregor. 

 

Der aufgeklärte Mensch, unwillig, diese Monstrosität in ihrer Gesamtheit zu erfassen, scheitert daran, sie zu interpretieren. Der Westen, mit all seinen hochentwickelten Sicherheitsvorkehrungen und Waffen ist unfähig, es mit einem göttlichen Wesen aufzunehmen. Aber die daraus erwachsende Strategie des Verneinens, mit welcher der christliche Gott erfolgreich ins Exil nach Amerika und die Subsahara getrieben wurde, funktioniert hier nicht – denn was man nicht in sich trägt, kann man von dort auch nicht verstoßen. Und so hebt Allah seine blutige Hand, um, nach Jahrhunderten des Reifens und der unerbittlichen Konditionierung, seinen Anhängern den Weg in den heiligen Krieg zu weisen.

 

 

 

16.07.                                                   Herr Tausendacht kommt nach Boris Johnson

Das britische Blatt "Spectator" verlieh neulich dem jüngst designierten UK-Außenminister Boris Johnson den Sieg bei seinem Erdogan-Poetry-Contest für folgenden Limerick:

 

 

There was a young fellow from Ankara

 

Who was a terrific wankerer

 

Till he sowed his wild oats

 

With the help of a goat

 

But he didn’t even stop to thankera.

 

 

Der von Herrn Tausendacht zu diesem Zwecke eingereichte Reim hingegen war vergleichsweise keusch und kam daher nur auf den zweiten Platz:

 

 

Erdogan likes sheep for kicks

 

especially with big hard pricks

 

while – he confessed –

 

being lovely dressed

 

as a hooker doing all the tricks

 

 

Herr Tausendacht gratuliert Herrn Johnson für seinen poetischen Brexit und wünscht ihm, dass er auch weiterhin den Kanal voll haben und der Ruf seiner Dichtkunst bis in die EU-Nachbarstaaten Schottland und Wales reichen möge.

 

Herrn Erdogan wiederum drücken Boris und Herr Tausendacht die gemeinsam gehegte Hoffnung aus, er möge den Höhepunkt seiner Macht nicht als einsamen Erguss vor laufenden Kameras erleben.

 

Und natürlich ist Herr Tausendacht auf Johnsons Antrittsbesuch bei Erdogan in Ankara gespannt (um welchen er, sollten sich die jüngsten Nachrichten vom Scheitern des Putsches bestätigen, wohl nicht herumkommt). Es wird bestimmt lustig, wenn zwei so humorige Gestalten aufeinandertreffen.

 

 

06. 07. Herr Tausendacht auf Mission

Der Auftrag des Swami war eindeutig: Finde den Mann, klopf an seine Tür und erzähle ihm von unserer Mission. Als Begleiter stellte er mir seinen verflossenen Kater Bennie zur Seite.

So gerüstet, kam ich bei Freunden in den spanischen Pyrenäen an. Nach Schweinerugby und Schafeschleppen auf der kleinen Finca, wurde ich von ihnen zu einer Wohnmobiltour nach Frankreich geladen. Bennie maunzte erfreut. Die Richtung stimmte.

Wir überquerten auf einer schmalen Passstraße die Grenze und fuhren sodann einen Berg zu einer friedlichen Quelle hinauf, wo uns prasselnder Regen empfing. Den Abend verbrachten wir bei Blitz und Donner, Hagel, Räuberrommee, Käse und Wein. Während der Schlaf uns übermannte, schnurrte Benny zufrieden.

Am nächsten Morgen ging es weiter im französischen Katalonien: Entspannte Menschen, die kaum Spanisch sprachen und noch weniger Katalanisch, grüßten uns allenthalben mit freundlichem Lächeln. Und doch, es waren Katalanen, womöglich sogar mehr, als ihre vom Separatismus zerfressenen Volksgenossen auf der anderen Seite der Grenze. Der wahre Katalane ist ein in sich ruhender Mensch.

So kamen wir in die Hauptstadt besagter Provinz, zumindest in ihre Außenbezirke. Denn französische Innenstädte gleichen auch hier einem Labyrinth - besonders, wenn man sie per Wohnmobil zu befahren trachtet.

Ich stieg mit Bennie aus und bevor wir uns zu Fuß auf den Weg machten, wünschten mir meine Freunde skeptisch Glück, denn mehr als den Namen von unserem Mann hatte ich nicht dabei. Mein unsichtbarer Katzengeist verzieh es ihnen, nicht ebenfalls wohlwollend verabschiedet worden zu sein.

Wir hatten zwei Stunden - auf der Farm warteten Schweine und Schafe bereits mit knurrenden Mägen. Nur gut, dass Bennie dieses Problem nicht mehr kannte. Mir hingegen war es in diesem Moment durchaus bewusst, wenn auch in der umgekehrten, den Verdauungsprozess abschließenden, Weise. Wir beschleunigten unsere Schritte.

Als wir die Innenstadt erreichten, wies mich Bennie an, in der nächstbesten Bar Erleichterung zu suchen, was ich auch tat, während er meinen hastig bestellten Expresso bewachte. Dann fragte ich den Wirt nach unserem Mann. Er wohnte genau in der Straße um die Ecke. Eine lange Straße, und das Haus war unbekannt.

Ich fand jedoch nach wenigen Metern ein Internetcafé und machte am Rechner die Hausnummer ausfindig. Das hätte ich natürlich früher tun können, allerdings wäre das mit Sicherheit auf Kosten des heißen Drahtes zu Bennie gegangen.

Bald standen wir vor einem Haus mit zugeklappten Fensterläden. Enttäuscht vermutete ich unseren Mann auf Reisen und drückte nur halbherzig die Klingel. Nichts geschah. Mit hängenden Schultern war ich bereits zurückgetreten, als der Türöffner summte. Ich machte einen Satz nach vorn. Just in diesem Moment war von innen geöffnet worden und im Zwielicht stemmte sich ein kleiner Mann verzweifelt gegen meinen Schwung und versuchte, mir die Tür vor der Nase zuzuschlagen!

Da flüsterte mir Bennie die Lösung ein. Ich hörte auf zu drücken, nahm die Sonnenbrille vom Gesicht, grüßte höflich und begann, von meiner und des Swamis Mission zu berichten. Der Mann - ich erkannte, es war UNSER Mann, obwohl ich ihn mir viel größer vorgestellt hatte (tut macht man das bei Stars nicht immer?) - hatte aufgehört, sich gegen die Tür zu werfen und hörte mir aufmerksam zu.

Dann stürzte er ins Haus und kam kurz darauf mit einer von ihm eingespielten Single zurück. Ganz entspannter, zuvorkommender Katalane, entschuldigte ER sich dafür, dass ICH zu einem etwas ungelegenen Zeitpunkt hereingeplatzt sei (wie der Swami später herausfand, feierte er gerade seinen Geburtstag im engsten Kreis), und kredenzte mir die Platte einschließlich seiner Mailadresse.

Es gelang mir noch soeben, ein Selfie von uns beiden zu machen; ein fester Händedruck, und die Tür fiel ins Schloss. Fensterläden zu, Türen zu, alles zu. Katalanische Kleinstadtstraßen können abweisend sein. Aber Bennie und ich freuten uns. Wir hatten unsere Mission erfüllt.

 

 

26.06. Herr Tausendacht sieht die Welt ganz anders

Nun ist also passiert, was Hitler mit seinen ganzen Bomben nicht geschafft hat. England ist zerstört. Und die Kontrolle Europas obliegt Deutschland und seinem Juniorpartner Frankreich. Hinzu kommt, dass es die Engländer per Brexit ganz allein geschafft haben. Tatsächlich?

Es ist ja nun einmal so, dass der Brexit ein direktes Ergebnis der Flüchtlingspolitik Merkels ist. Auch ist gewiss, dass der Beschluss einer Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU und der Beginn der in ihren Folgen damals noch nicht absehbaren arabischen Flüchtlingswelle ungefähr zeitgleich stattfanden. Und ebenfalls sicher ist, dass die Briten Merkel nie besonders genehm waren. Kurzum:

Es ist eine logisch zwingende Annahme, dass Merkel die Engländer mit Hinterlist aus der EU befördert hat, indem sie etwas für die Briten inakzeptables getan hat: Nämlich, deren zumindest immer noch gefühlte Souveränität per Immigrantenstrom zu verhöhnen.

Dies muss man in einem größeren Zusammenhang sehen: Europa kann langfristig nur als Partner Russlands existieren. So verwundert es nicht, dass Bundesaußenminister Steinmeier, direkt nach der dieses Jahr in Dresden stattgefundenen Bilderbergerkonferenz, in welcher er wohl seine Befehle entgegengenommen hat, die Aggressionspolitik der NATO gegenüber Russland kritisierte. Denn die Achse Paris, Berlin, Moskau ist eine Überlebensfrage Europas.

Das angelsächsische Modell der Weltherrschaft per Seemacht ist so urplötzlich vom Ideal der Kontinentalmacht abgelöst worden, die jahrhundertealte Achse Washington-London auf einen Schlag ins zweite Glied gerückt.

Doch nicht allein in Europa mussten die USA derbe Machteinbußen hinnehmen. Fast zeitgleich wurde in Havanna der Frieden in Kolumbien ausgehandelt. Die durch den Bürgerkrieg ausgeübte Kontrolle im lateinamerikanischen Subkontinent wird somit hinfällig. Denn ein befriedetes Kolumbien wird viel stärker im lokal verwurzelten Eigeninteresse handeln (eine Position, die durch die Erweiterung des Panamakanals und die Einbindung Kubas in die regionalen Strukturen noch verstärkt wird).

Im asiatisch-pazifischen Raum stoßen die USA zudem immer mehr auf die vollendeten Tatsachen, die Peking im Südchinesischen Meer schafft und die "demokratischen Befreiungskriege" im Mittleren Osten haben sich lange vor Syrien als Desaster entpuppt. Iran kann daher ungestraft sein Öl in Euro verkaufen, wodurch die Vorherrschaft des dollarbasierten US-Machtsystems weiter unterminiert wird.

Bleibt zu hoffen, dass Donald Trump die US-Wahlen gewinnt. Nicht, weil er so besonders sympathisch oder klug wäre, sondern weil er weniger das klassische Imperium repräsentiert als Hillary Clinton. Trumps isolationistisches Amerika wäre einfacher einzufügen in die heraufziehende EU-BRICS-Struktur als Clintons NATO-TTIP-Version.

Aber wie auch immer - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die Umwälzungen, die gerade stattfinden, nicht reibungslos vonstatten gehen.

Wir leben in spannenden Zeiten (chinesischer Fluch).

 

 

 

 

19.04. 2016  Herr Tausendacht ist Antifaschist

Jetzt hat der bundesweite Rechtsausleger der CSU, auch bekannt als AFD, seine Positionen zum Islam dargelegt. Wie zu erwarten war, schalteten fast sämtliche Medien wie auf Knopfdruck in den Abwehrmodus und es wurde allenthalben von Kreuzzug und Islamophobie geschrieben.

 

Wenn man sich allerdings die Haltung der AFD zum Islam genauer ansieht, dann entwächst sie keiner Phobie – welche ja ein irrational übersteigerter Angstzustand ist – und von einem Kreuzzug kann auch keine Rede sein, denn eine Attacke seitens einer christlichen Wertebasis findet ebenfalls nicht statt.

 

Die Positionen sind vielmehr rational durchdacht und beziehen sich vor allem auf die dem Islam immanenten faschistoiden – und somit eindeutig verfassungsfeindlichen – Strukturen. Zudem ist die grundlegende Haltung Ausländern und Immigranten gegenüber durchaus positiv, denn auch die AFD weiß, dass Deutschland ein hohes Maß an Zuwanderung benötigt, um auch in Zukunft als Staat und Solidargemeinschaft funktionieren zu können.

 

Kurz, anstatt mal wieder mit roter Tinte auf vermeintlich braune Spatzen zu schießen, sollte die Haltung der AFD besser als Diskussionsansatz über den Islam verstanden werden. Denn solange diese Partei die einzige ist, die den Mut besitzt, eine klare Stellung zu diesem heiklen Thema zu beziehen, ist auch nur sie alleine wählbar – gemeinsam übrigens mit der Linkspartei, welche exklusiv die Kriegstreiberei der westlichen Mächte als Ursache des unkontrollierten Flüchtlingsdramas identifiziert hat.

 

 

 

16.04. 2016 Herr Tausendacht gibt Merkel eine Chance

Frau Merkel, das war ja wieder einmal eine spitzenmässige Fehlleistung, wegen eines dämlichen, kindischen Gedichtes (es weiß doch jeder, dass Erdogan Ziegen fickt und Kinderpornos schaut), den deutschen Rechtsstaat und die darin verwurzelte Meinungsfreiheit auszuhebeln. Aber ich will Ihnen hier durch ein kleines Gedicht die Chance geben, doch noch etwas Größe zu zeigen und rechne fest mit keiner Anzeige Ihrerseits.

 

Hochachtungsvoll,

 

Herr Tausendacht

 

 

Die Merkel ist schon drall und alt,

doch steht sie sehr auf Sexgewalt.

Bei Kerzenwachs und Wäscheklammern

darf sie, klatschbumm, ein jeder hammern.

 

Gern lässt sie Araber herein,

voll penetriert fühlt sie sich fein,

auf dass dann lustvoll derer viele

an ihren Titten Tarzan spiele.

 

Sie hängt ihr Fähnlein nach dem Wind,

weil was sie braucht, braucht sie geschwind.

Sie kann nie ohne Schwänze sein,

denn sonst ist‘s arm, das Merkelschwein.

 

Und sind die Gurken mal zu klein,

dann schiebt sie sich was andres rein.

Sie hat dann riesengroßen Spaß

mit einer dicken Ananas.

 

"Bukakkaparties sind so geil!",

schreit sie und geht dann richtig steil,

beim Massenwichsen in Senat,

Parlament und Bundesrat.

 

Mit Peitsche führt sie ihren Haushalt;

dort putzt devot ihr Mann, so alt,

dass er ihr sonst nicht dienen kann

(dafür war er genug nie Mann).

 

Und muss sie mal nach Brüssel reisen,

geht sie ein Kinderherz verspeisen;

in Stöckelschuhen und Dessous,

auf Kellerparties bei Dutrouxs.

 

So dreht sich alles um das Eine,

der Trieb er drängt, sie spreizt die Beine,

längst abgelegt hat sie ihr Hirn,

nur Hohlraum birgt die Merkelstirn.

 

Doch oft lässt sich kein Mann erweichen,

drum treibt sie es auch gern mit Leichen.

Rein demografisch ist‘s gerecht,

denn bald ruht jedes Deutschgemächt.

 

Angela heißt diese Frau,

Kanzlerin und Polit-Sau.

Die Merkel-Raute weist drauf hin:

In ihr steckt eine Teufelin.

 

 

 

 

 


01.04.2016                                Herr Tausendacht                     mal pädagogisch

Da hat Herr Böhmermann, talentierter Satiriker beim ZDF, didaktisch klug, dem türkischen Präsidenten Erdogan mal gezeigt, wo die Grenze der Satire liegt  - indem er sie überschritten hat. Gut gemacht. Nur leider ist besagtes Exempel ja sehr schnell der Eigenzensur des Senders zum Opfer gefallen, wodurch der pädagogische Effekt doch recht schnell verblasst. Daher hier noch einmal Böhmermanns Gedicht, damit Herr Erdogan - und jeder, der es will - seine Schlüsse daraus bezüglich unserer Meinungsfreiheit ziehen kann:

 

 

Sackdoof, feige und verklemmt,

ist Erdogan der Präsident.

 

Sein Gelöt stinkt schlimm nach Döner,

selbst ein Schweinepfurz riecht schöner.

 

Er ist der Mann der Mädchen schlägt,

und dabei Gummimasken trägt.

 

Am liebsten mag er Ziegen ficken,

und Minderheiten unterdrücken,

 

Kurden treten, Christen hauen,

und dabei Kinderpornos schauen.

 

Und selbst Abends heißts statt schlafen,

Fellatio mit hundert Schafen.

 

Ja, Erdogan ist voll und ganz,

ein Präsident mit kleinem Schwanz.

 

Jeden Türken hört man flöten,

die dumme Sau hat Schrumpelklöten,

 

Von Ankara bis Istanbul,

weiß jeder, dieser Mann ist schwul.

 

Pervers, verlaust und zoophil,

Recep Fritzl Priklopil.

 

Sein Kopf so leer, wie seine Eier,

der Star auf jeder Gangbang-Feier.

 

Bis der Schwanz beim pinkeln brennt,

das ist Recep Erdogan, der türkische Präsident.

 

 

 

 


21.02. Herr Tausendacht trumpft auf

Ja, Donald Trump hat South Carolina gewonnen und Herr Tausendacht findet das gut. Nicht, dass der Trump nicht ständig haarsträubenden Schwachsinn produzieren würde. Aber es ist sein Höchstpersönlicher. Und das Tier, das (laut Howard Kunstler) auf seinem Kopf lebt, ist auch eigentlich ganz niedlich. Wohl eine Art Gremlin, das der steinreiche Steinbeißer beim Duschen besser in die Trockenschleuder steckt - weil sonst...

 

Aber besonders ist Donald - obwohl reich wie Dagobert, cholerisch wie sein Disney-Namensvetter - viel sympathischer als die ekelhafte Clinton. Und das ist jetzt keine Gender-Issue. Sie wäre als Mann genauso abstoßend. Das einzig weibliche an ihr ist ja ohnehin das keifende und blutrünstige Gehabe der betrogenen und unerfüllten Ehefrau. Der - überwiegende - Rest ihrer Persönlichkeit besteht, ganz geschlechtsneutral, aus politischem und opportunistischem Kalkül.

 

 

Und somit spricht Herr Tausendacht dem bekloppten Trump-Trumm sein wohlwollendstes Wohlwollen aus. Die Welt wird es schon richten.

 

 

 

Herr Tausendacht mischt Gift an

 Nachdem wir am Playa del Este, oder vielmehr an dem, was El Niño von ihm übrig gelassen hatte, nach heiligen Steinen gesucht und eine ganze Tüte voll davon gefunden hatten, gingen wir entlang der Küstenstraße nach Guanabo hinein.

 

Der einzig belebte Ort in dem heruntergekommenen Feriendomizil der vorrevolutionären kubanischen Mittelklasse war eine mit Plastikschindeln bedeckte offene Bar. Wir setzten uns an den letzten freien Tisch und bestellten Pizza und Bier. Zahlreiche überschminkte Augen taxierten uns und halbsoviele Münder zogen verächtlich an einer Kippe, als wir kein Interesse an Gesellschaft zeigten. Die Bar war ein Nest von schon in den frühen Zwanzigern abgewrackten Flittchen, ihren drittklassigen Zuhältern und noch tiefer gesunkenen Italienern auf der Suche nach einem billigen Fick.

 

"Die einzig Hübsche ist die neben dir", raunte Raffa mir zu.

 

Ich äugte aus den Augenwinkeln und sah ein Mädchen, dass nervös auf seinem Stuhl wippte, die großen, braunen Augen blickten ängstlich suchend. Wie ein verlaufenes, scheues Reh, ging es mir durch den Kopf und mein erster Impuls war, mich zu ihm zu setzen und es zu retten. Aber ich würde dann wohl bald Dinge anstellen, die man mit Rehen eigentlich nicht macht, und die ganze Rettung würde den Bach heruntergehen. Also ließ ich es sein.

 

Wenig später war sie fortgegangen; unrettbar. Dafür setzte sich ein strohblonder älterer Mann mit Segelohren an den Platz, wohl ein Deutscher und aller Wahrscheinlichkeit nach Treckerfahrer aus Kuhschißhagen.

 

"Lass uns gehen, das deprimiert mich hier", sagte Raffa und schob den Teller mit den Pizzaresten von sich.

 

Sofort kam ein Kellner herbeigehuscht und kassierte das gute Stück eilig ein. Auch billige Keramik schien hier hoch im Kurs zu sein.

 

"Ich wede dir jetzt das Gift vorstellen, damit Du was in Guanabo gesehen hast, an das es sich zu erinnern lohnt", erklärte Raffa grinsend.

 

Wir verließen den Ort der Traurigkeit und nahmen eine der sanft ansteigenden Straßen. Bald lag das aufgewühlte Meer mit seinen weißen Brechern beim Blick über die Schulter weit unter uns.

 

Die flachen, ein- bis zweistöckigen Bungalows und Holzhäuschen am Straßenrand strahlten nun trotz blätternder Farbe und Wurmbefalls Ruhe und Frieden aus und man erahnte, wie dieser Ort einmal vor der Zeit des großen Hungers gewesen sein musste und womöglich bald wieder sein würde, wenn man die Huren, Freier und Zuhälter an anderen Orten einquatiert und dem Vefall mit Zement, Farbe und vor Allem Spekulation Einhalt geboten hätte.

 

Wir kamen zu einem kleinen Häuschen, dessen Tür offen stand. In dem winzigen Wohnzimmer dahinter saß eine noch viel kleinere Frau in einem großen, aus dem Leim gehenden Sessel und winkte Raffa fröhlich zu. Wir traten ein, ein Wangenküsschen zur Begrüßung, und setzten uns auf die freien Drahtstühle, während im Fernseher Musikclips von einer Video-CD dröhnten.

 

Die Frau fuhr sich durch die hennarot gefärbte Krause und begann ohne große Umschweife Edu ihr letztes Beziehungsrodeo zu berichten welches damit geendet hatte, dass sie ihrem Liebhaber den Laufpass gegeben hatte, da dessen Frau ein Kind bekam. Denn dem Mann auf Kosten des Kindes auf der Tasche zu liegen, war nicht ihr Ding.

 

Eine noble Geste, lag doch eine gänzlich selbstlose Beziehung aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten wohl nicht im Bereich des Möglichen. Dazu muss man wissen, dass der Kubaner nicht wie der Europäer eine Beziehung nach der anderen lebt, sondern im Schnitt vier davon parallel, wobei in jeder einzelnen sorgsam die Illusion gewahrt wird, es sei die einzige.

 

Diese poligame Monogamie oder monogame Poligamie bietet sich natürlich auch als Lebensgrundlage an, da ja von jedem Partner nur eine Kleinigkeit erwartet wir, welcher sich sodann als die einzig wahre andere Hälfte fühlen darf. (Mathemathische, moralische und finanzielle Pferdefüße dieser Milchmädchenrechnung klammere ich hier einfach mal aus.)

 

Wie auch immer, das quirlige kleine Gift verspürte plötzlich den Drang, mir ihre Tattoos zu zeigen und schob den Saum der roten Frotteetrainingshose herunter. In ihre Leisten krallten sich penibel gestochene Raubvogelklauen, und das sorgsam rasierte Schambein krönte ein eingekreistes "A".

 

"Da herrscht also Anarchie bei Dir?", fragte ich offenherzig.

 

"Beinahe", lachte sie schelmisch. "Beinahe."

 

"Und jetzt rate mal, wie alt sie ist", ermunterte mich Raffa.

 

Sie blickte mich geradewegs und ausdruckslos an, wohl um die kleinen Fältchen in ihrem Gesicht zu glätten.

 

"Fünfunddreißig", schätzte ich höflich.

 

"Daneben!", lachte sie. "Sechsundvierzig!"

 

Jetzt war ich wirklich etwas baff. Das dürfte wohl der sauberen Meeresluft geschuldet sein.

 

Mein erstaunter Blick musste sie zu mehr animiert haben. "Und alles echt!", erklärte sie, während sie stolz mit ihren Händchen über ihre kleinen Hüften und ihren flachen Bauch fuhr, um dann bei ihren beachtlichen Brüsten zu enden. Plötzlich sprang sie aus ihrem Sessel, baute sich vor mir auf und drückte das Kreuz durch.

 

"Los, probier mal!"

 

Ihr Brüste schienen mich direkt durch das Frottee ihres Trainingsanzugs anzustarren.

 

"Im Ernst?"

 

"Na los, mach schon!"

 

Ich hob meine Hände und legte sie auf ihre Brüste. Sie waren weich und zugleich fest aber weit entfernt von jenem Siebziger-Jahre-Milchtütengefühl, das einem Silikonbrüste vermitteln. Ihre Nippel schwollen an. Bei mir schwoll auch etwas an und ich zog vorsichtshalber meine Hände zurück.

 

"Sie sind perfekt", sagte ich mit aufrichtiger Bewunderung.

 

Wir unterhielten uns noch eine Weile, während in der Ferne das Meer rauschte und den Strand auffraß. Dann brachen Raffa und ich auf.

 

Das Gift verabschiedete sich fröhlich: "Die Freunde von Raffa sind auch meine Freunde. Du bist hier immer herzlich willkommen, schau einfach vorbei, wann immer Du willst, wir kochen und trinken was und natürlich kannst du auch hier schlafen."

 

Ich dankte ihr für die großzügige Einladung. Während ich mit Raffa zur Landstraße schlenderte um ein Sammeltaxi nach Havanna zu nehmen, dachte ich darüber nach, wann ich wohl wieder hier vorbeikäme. Es lag ganz bei mir.

Herr Tausendacht lässt es rumpeln

Die Nachrichten, die man so aus der Ferne über die Heimat empfängt, sind gar sonderlich. In meiner Heimatstadt gehen die Frauen, soweit ich das vernehme, nachts nur noch ungern vor die Tür, dabei liefen sie doch durch die bessere Domstadt, nämlich Kurköln. Aber die mittlerweile drei, fein säuberlich nach Ethnien getrennten Flüchtlingsheime, machen auch dem liberal gesinnten Teil der Bevölkerung zu Schaffen. Angst und Misstrauen gehen um. Fehlt eigentlich nur noch der Anstoß, um den Stein der Ewiggestrigen ins Rollen zu bringen. Einen kleinen Schub hat es da neulich wieder gegeben: Plötzlich hingen an diversen Orten des öffentlichen Raumes kleine, aus Stroh gefertigte Puppen. Schnell hatte der Volkskörper die vermeintlichen Urheber der nach seinem Ebenbilde geformten Restbotanik ausgemacht: Die Afrikaner! In dem ihnen eigenst zugeteilten Refugiat gingen sie dem Voodoozauber nach! Und trügen ihn nun auch in die Straßen der altehrwürdigen deutschen Regierungsstadt! Doch keine Angst! Als Experte in animistischen Bräuchen des schwarzen Kontinentes kann ich per Ferndiagnose versichern, dass es sich bei dem Gehänge um einen Spaß, womöglich sogar um einen liebenswert gemeinten, oder gar um angewandelte Kunst handelt. Mit großer Wahrscheinlichkeit entstammt der kreative Erguss einem Beamtensöhnchen. Die Mekmale: Weggeworfener Zigarrettenstummel mit Marihuanaresten, in der Luft der Nachklang von Major Lazer und das nächtliche Rumpeln eines Longboards auf Kopfsteinpflaster. Aber die Stadt starrt in eine andere Richtung und das nahende Rumpeln wird in den ängstlich überreizten Ohren zum Schlag der Buschtrommeln.

 

 

 

Herr Tausendacht im Auge des Sturms

Seit zwei Wochen regnet es ununterbrochen, und das im Sonnenmonat Januar. Draußen im Atlantik hat sich der erste Hurrikan des Jahres gebilder, vier Monate vor der Saison. Am Nordpol war es vor zwei Wochen wärmer als in Kalifornien - mitten im Winter. Kein Wunder, dass David Bowie sich das nicht mehr länger hat anschauen wollen. Nur Ozzy Osborne gefällt's, der streunte neulich hier durch den Parque Lennon, lobte die Beatles und sah gesund und munter aus. Was soll man dazu noch sagen?

 

 

 

Herr Tausendacht liest Granma

Die kubanische Parteizeitung Granma ist eine höchst interessante Lektüre. Man erfähr dort wenig darüber, was man wissen will und sehr viel über Dinge, die einen eigentlich gar nicht interessieren. So wird man zum lebendigen Fortsatz der Partei und teilt deren Denken und Fühlen.

Ich habe heute folgendes gelernt:

Der zweite Sekretär des Zentrakommitees hat die Entwicklung der Zuckerrohrernte in Mayabeque vor Ort besichtigt. Er war sehr zufrieden.

Die Ausgabe der Granma für jüngere Jahrgänge, Juventud Rebelde, erscheint anlässlich des Neujahrstages in einer Sonderausgabe in Farbe.

Die Sandinisten grüssen den 57. Jahrestag der Revolution (besagter Neujahrstag).

Das Wetter grüsst ihn ebenfalls mit Sonnenschein.

In Deutschland hat man einen Roboter mit der Intelligenz einer Biene gebaut (wobei nicht klar wird, ob das nun bewundernswert oder eher ernüchternd ist).

Lemmy Kilmister ist mit siebzig Jahren verstorben. Metallica: "Du bist einer der Hauptgründe, weshalb diese Band existiert. Wir werden Dir ewig dankbar sein für Deine Inspiration." Ozzy Osborne: "Ich habe einen meiner besten Freunde verloren. Wir sehen uns wieder auf der anderen Seite." Gene Simmons (Kiss): "Lemmy, lass den Himmel erzittern!"

Granma ruft die Bevölkerung dazu auf, heute zu Ehren des Verstorbenen extralaut Motörhead zu hören.

 

 

 

 

Herr Tausendacht dankt KUBA

02.12. HERR TAUSENDACHT DANKT KUBA

Zu vorgerückter Stunde gab es von Rosario mein kubanisches Leibgericht, schwarze pürrierte Bohnen. Dann fünf Stunden Schlaf, und auf zum Flughafen von Barcelona. Die frühmorgendliche Busfahrt setzte auch mein Gedärm in Bewegung, Bohnen verlangen Routine und diese war mir unter der deutschen Küche abhanden gekommen.

Zwischen dem Einchecken und den langen Wegen des Terminals gab es daher auch gelegentliche Runden auf das diesmal nicht ganz so stille Örtchen. Mit dem Ergebnis, dass bei meinem Eintreffen am Gate das Besteigen des Flugzeuges so gut wie abgeschlossen war.

Mein Sitz erwartete mich geduldig, nur das Gepäckfach darüber war bereits randvoll. Wie auch alle anderen Fächer im Umkreis. Eine Stewardess näherte sich und sagte mit professioneller Freundlichkeit auf Englisch:

"Ihr Rucksack kann unten mitreisen."

Das ging eigentlich gar nicht. Ein Bildschaffender würde zwar seine Lebensgefährtin im Fahrwerksschacht mitreisen lassen, nie aber seine Kamera im Frachtraum.

"This is not possible", sagte ich entsetzt. "It's my equipment."

"We are not obliged to transport your luggage", erwiderte die Stewardess mit brutaler Freundlichkeit.

Ich sah mich bereits mit meinem Rucksack aus dem Flieger marschieren, da fiel mir ein - ich hatte ja zur Zeit gar keine Gefährtin. Und somit auch kein moralisches Dilemma mit Fahrwerksschächten. Mit einem ergebenen Lächeln hielt ich ihr den Rucksack hin:

"Please take care."

Die Stewardess zögerte einem Augenblick und beharrte sodann mit ihrer extremen Liebenswürdigkeit:

"We are really not obliged."

Unerschütterlich erwiederte ich ihre Herzenswärme: "All I say is, please take care."

So ging es eine Weile hin und her, ich bot ihr freimütig den Rucksack an, sie wies freundlichst darauf hin, dass sie nicht dazu verpflichtet sei. Ich begann mich allmählich zu fragen, was zu Teufel sie denn nun eigentlich wolle. Da nahm sie endlich den Rucksack an sich. Auf wundersame Weise hatte ein Steward in einem Fach weiter vorne noch eine Nische für ihn entdeckt.

Na also, ging ja doch, stellte ich freudig überrascht fest.

Als das Flugzeug abgehoben war und ich mich allmählich entspannte, dämmerte es mir: Ich hatte die ganze Zeit mit unerschütterlicher Freundlichkeit "take care" gesagt anstatt "be careful". Also fordernd, "kümmern Sie sich drum", und nicht, wie beabsichtigt, "seien Sie vorsichtig." Der Grund war, dass ich die ganze Zeit auf Spanisch gedacht hatte und "tenga cuidado" unbewusst in das nich zutreffende, aber ähnlich klingende "take care" übersetzt hatte.

Die Moral von der Geschicht:

Beharre immer mit unerschütterlicher Freundlichkeit auf Deinen Standpunkt.

Selbst nach dem Genuss Schwarzer Bohnen.

Irgendwann, irgendwo im Niemandsland des Himmels, kam noch einmal die Stewardess lächelnd vorbei: "We were not obliged."

Ich lächelte zurück: "I know. But thanks to Cuba it did work."

 

 

 

 

19.11. Herr Tausendacht ist erleichtert

Wir traten durch die Sicherheitsschleuse und die Beamten, die mit verschränkten Armen in der Wache herumstanden, starrten uns ausdruckslos an.

 

„Ja bitte?“, fragte der, der als einziger hinter einem Schreibtisch saß.

 

„Die Sache ist die“, begann Don D. mit verbindlichem Ton und lehnte sich auf den Tresen, der uns von den Beamten trennte. „Wir kommen gerade aus dem Ruhrgebiet wobei wir auf der Fahrt über die Ereignisse der letzten Tage sprachen. Es gab hier doch diesen Algerier, der die Anschläge in Paris angekündigt hat.“

 

„Ah ja, diesen Spinner“, schnarrte der Beamte und ließ sich gelangweilt in seinen Beamtenstuhl zurücksinken.

 

„Zweifellos ein Spinner“, gab ich ihm eilig Recht. „Aber die Medien haben weltweit seine Drohung hinausposaunt, dass, sollte man ihn, wie es ja geschehen ist, verhaften, der nächste Anschlag hier in Arnsberg stattfände. Man kann also sicher sein, dass auch die harten Jungs das mitbekommen haben.“

 

„Und deshalb ist es durchaus möglich“, fuhr Don D. fort, „dass einer von denen gerade darüber nachdenkt, diesem Prahlhans den Gefallen zu tun, seine Drohung wahr werden zu lassen. Und die in der nächsten Zeit größte Zahl an ungläubigen Biertrinkern in der Gegend wird man am Samstag auf dem Ruinenfest im Knappensaal antreffen.“

 

Eine Hand des Beamten verschwand unter der Schreibtischplatte und man meinte, ein Sackkratzen zu vernehmen, während der Rest der Truppe breitbeinig um ihn herumstand und uns mit vermeintlich drohenden Blicken zu löchern suchte.

 

„Wir haben keinerlei Informationen über bevorstehende Anschläge“, kam schließlich gedehnt vom Sitzenden.

 

„Hatte man in Paris auch nicht“, warf ich ein. „Und wenn ich eine Bombe hochgehen lassen würde, dann im engen Gewölbe des Knappensaals.

 

„Wie gesagt, uns liegen keinerlei Hinweise über so etwas vor“, wiederholte der Beamte und lächelte herablassend als Zeichen, dass die Unterhaltung nun zu Ende sei. Kratz, kratz, machte es.

 

„Mit Sicherheit haben Sie Recht“, sagte Don D., hob die Ellenbogen vom Tresen und richtete sich zum Gehen auf. „Uns waren unsere Gedanken nur unerträglich. Man stelle sich vor, wir hätten sie nicht mit der Polizei geteilt und es würde etwas passieren. Wir müssten unser ganzes Leben die Schuld mit uns herumtragen.“

 

„Aber nun liegt die Verantwortung ja bei Ihnen“, fügte ich liebenswürdig hinzu.

 

 Das Lächeln des Beamten gefror zur Maske. Wir winkten ein freundliches auf Wiedersehen und schritten hinaus in den trüben Novembertag. In meinem Handy summte der Nachrichtenticker: Der Drahtzieher von Paris, Abdelhamid Abaaoud, war des öfteren hier in NRW gewesen. Es nieselte, Wolken hingen wie Blei. Aber wir waren erleichtert.

 

 

17.11. HERR TAUSENDACHT SIEHT SCHWARZ

Ich habe gerade im Spiegel Online gelesen, wie betroffen all die "wahren" Muslime in Paris ob der Attentate sind. Islam sei Nächstenliebe und Toleranz, der Koran wäre von Terroristen missbraucht worden, geben sie mit aufrichtig betroffener Mine kund (den Fotos nach).

 

Kein einziger der ach so fortschrittlichen Mohammed-Anhänger hat jedoch die offensichtliche Lösung des Problems angesprochen: Eine Koranreform. Denn was der Islamische Staat und seine Anhänger so treiben, ist durch dieses Buch genauso gerechtfertigt wie die Betroffenheit der in die westliche Welt integrierten muslimischen Gemeinden.

 

Können denn all die Gelehrten in ihrer Gottesnähe sich nicht auf eine Reform des Korans einigen? Eine schlichte Neuinterpretation gewisser kriegerischer Praktiken, wie sie vor tausend Jahren vielleicht im Überlebenskampf in kargen Wüsten sinnvoll gewesen sein mögen, würde vollauf reichen.

 

Oder liegt dieses Unvermögen etwa darin, dass jegliche Änderung des Korans bereits ein Sakrileg ist? Können die Muslime nicht, weil sie nicht wollen, und wollen sie nicht, weil sie nicht dürfen?

 

Dann kann mir der Islam gestohlen bleiben. Bei allem Respekt der Religionsfreiheit gegenüber. Aber diese Weltreligion stellt sich dann auf eine Stufe mit Scientology und der Aum-Sekte. Wer will denn damit was zu tun haben?

 

 

 

31. 10. Herr Tausendacht sieht braun.

Jene Menschen handelten aus blankem Zorn und Hass, kommentierte eine Bekannte in ihrer Funktion einer grünen Stadtabgeordneten die jüngsten Ausfälle von Pegida-Demonstranten gegen eine Fernsehreporterin.


Sie irrt, die Ursache ist Angst. Denn Angst durchläuft immer drei Stadien: Demut, verbales Aufbegehren und zuletzt körperliche Gewalt. Wir befinden und also bereits auf halbem Weg in die Katastrophe.


Denn unsere Gesellschaft besteht zu einem großen, womöglich sogar überwiegenden Teil aus potentiellen Brandstiftern in Form von Biedermännern. Über Jahrzehnte sind sie mit Bier, Lohnerhöhungen, Thomas Gottschalk und dem Gewicht der historischen Erblast ruhiggestellt worden, ihr Haupt in Demut geneigt. Doch nun fangen sie furchtsam an zu knurren.


Hier nun ein kleiner Angsttest, bei dem jeder prüfen kann, ob er womöglich doch nicht ganz heimisch ist in jener aufgeklärten humanistischen Welt, auf die wir uns so selbstgefällig konditioniert haben:


In Deutschland lebten, vor der gegenwärtigen Immigrationswelle, rund viereinhalb Millionen Moslems. Deren Altersdurchschnitt betrug 30 Jahre, der Männeranteil lag leicht über der Hälfte. Man kann schätzen, dass *1.200.000 dieser Muslime männlich und zwischen 18 und 34 Jahren alt waren.


Hinzu kommt dieses Jahr rund eine Million Flüchtlinge, überwiegend aus dem Mittleren und Nahen Osten. Drei Viertel davon sind Männer, von denen wiederum gut sechzig Prozent in die Altersgruppe von 18 bis 34 Jahre fallen. In Zahlen sind das 450.000.


Wir werden also Weihnachten in diesem Land mit weit über anderthalb Millionen moslemischen Männer im Alter zwischen 18 und 34 feiern. Nun hat ja auch die deutsche Bevölkerungspyramide die Form eines Weihnachtsbaums mit einem langen, dünnen Stamm am jungen Ende, wodurch die Zahl der deutschen Männer dieser Altersgruppe, abzüglich derjenigen mit muslimischem Migrationshintergrund, um sie nicht doppelt zu rechnen, lediglich bei knapp sieben Millionen liegt.


Allerdings sind Immigranten und Einheimische nicht gleichmässig über die Republik verteilt. In meinem NRW lebt rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung, aber ein Drittel der Muslime. Somit kommen hier (ich gehe davon aus, dass sich der Verteilungstrend bei den gegenwärtigen Flüchtlingen fortsetzt) auf 1.400.000 männliche Vertreter der Urbevölkerung im Alter von 18 bis 34, 550.000 junge Muslime.


Während die Zahl der Einheimischen leicht rückläufig ist, ist es durchaus möglich, dass die jungen muslimischen Männer bereits in drei Jahren die Millionengrenze erreichen. Und wenn dieses Jahrzehnt zu Ende geht, könnten sie, den Fortgang der Einwanderungswelle vorausgesetzt, in NRW in jener Generation gleichauf sein. All dies Männer im wehrfähigen und sexuell aktivsten Alter, die um eine kleinere Zahl Frauen konkurrieren müssen - hunderttausende werden fehlen, um das Begehren auch nur theoretisch stillen zu können.


Die sozial schwachen sind oftmals bereits jetzt in der Minderheit, denn Flüchtlinge und Immigranten rangeln mit ihnen auf der sozialen Leiter um die untersten Sprossen. Und genau hier bekommt unser bundesdeutscher Kleinbürger Angst, dass man ihn an den Fersen packt. Darum knurrt er und beginnt zu treten. Denn ein Auge haben unsere Biedermänner immer auf den Abgrund der Armut geheftet. Er war und ist ihnen sehr nah.


Unter verkrampftem Bemühen um politische Korrektheit, wird nun ein großer Teil unserer Bevölkerung vom öffentlichen politischen Diskurs ausgeschlossen. Mit dem Ergebnis, dass durch diese Marginalisierung bald ganze Heerscharen zu den rechten Bauernfängern überlaufen werden.


In meiner kleinen bösen Stadt trommelt bereits schwer der Ehemann einer AFD-Mitbegründerin und freut sich auf den Tag der Fackelzüge. Es wäre auch undenkbar gewesen, dass dieser Ort bei jener seltsamen Partei seine Finger nicht mit drin gehabt hätte.

 

Also, ihr lieben Politiker, seid einmal nicht so rückgratlos opportunistisch wie Ihr es in der Regel zu sein pflegt, sondern macht endlich eine Politik, die alle Meinungen berücksichtigt, auch die in dumpfer Angst geformten.

 

Über Jahrzehnte hinweg wurde in diesem Land Politik auf dem Spielfeld eines Grundkonsenses betrieben. Es gab Fouls und Rote Karten, aber die Regeln wurden doch allgemein anerkannt. Es geht darum, dieses Spielfeld, diesen Grundkonsens, zu erhalten, eben um human handeln zu können.


Sonst wird dieses Land zerbrechen.

 

 

*Die Zahl der bereits hier lebenden jungen Moslems im Alter von 18-34 musste ich, aufgrund eines Recherchefehlers, von 2.000.000 um 800.000 nach unten korrigieren, was jedoch erstaunlich wenig Einfluss auf die Dynamik de Zahlen gehabt hat. Der grundsätzliche Trend trifft zu.

 

Zur gegenwärtigen Zahl der Muslime in Deutschland gibt es nur sehr wage Angaben, die oft genannten 5% bzw. vier Millionen stammen aus dem Jahr 2009. Eine Extrapolation des Wachstumstrends der islamischen Bevölkerung ergab eine gegenwärtige Zahl von rund 4.500.000. 

 

Als Grundlage der Schätzung dienten Zahlen der Deutschen Islamkonferenz, des Statistischen Bundesamtes, der Citizen Times (ein Organ der Stresemann Stiftung) und gegenwärtige Prognosen der diesjährigen Flüchtlingszahlen, wobei ich die mittlerweile eher konservative Ziffer von 1.000.000 gewählt habe.



 


06. 10. Herr Tausendacht bei den Göttern

 Hat doch der werte Papst Franziskus neulich behauptet, Christen und Moslems beteten den selben Gott an. Das tun sie nicht.


Zunächst einmal mein Gottesbegriff. Ein Gott ist und war meiner Ansicht nach immer eine von mehr als einer Person imaginierte Entität. Durch das Teilen einer Vorstellung entsteht diese ausserhalb der individuellen Imagination in der allgemein zugänglichen Zwischenwelt des kollektiven Bewusstseins.


Dass dies mehr als nur eine geteilte Halluzination ist, zeigt allein schon die Energie, die diesen zwischenmenschlichen Kreationen zueigen ist. Die gegenwärtig so furchteinflössende Kraft Allahs, manifestiert in den Taten seiner feurigsten Gläubigen, ist nur eines vieler möglicher Beispiele. Oft liegt dieser Energie auch verstärkend zugrunde, dass Götter mit universellen Naturkräften und mit einst lebenden wirkensstarken Menschen assoziiert werden.


Gemein ist allen Göttern, seit den Urgestalten der Schamanen, über Gilgamesch, Ra, Zeus, Jupiter und Tor bis hin zu den monotheistischen Giganten der Gegenwart (Elvis eingeschlossen), dass sie durch die kollektive Vorstellung ihrer Anhänger entstanden und oftmals schon durch bloßes Vergessen wieder vergangen sind. Göttliche Lebensspannen besitzen eine Halbwertszeit gemessen an der Zahl ihrer Gläubigen und der Intensität der durch diese ausgeübten Vergötterung.


Wie alles im dualistischen Weltbild sind Götter letztendlich vergänglich und dies betrifft auch den Christengott und Allah. „Du sollst keine Götter neben mir haben“, steht in der Bibel, wodurch jene anderen Götter eben nicht geleugnet, sonder lediglich nicht der Anbetung für würdig befunden werden. Das sehr weitreichende Feld des Christengottes umschließt zudem die Kompetenzbereiche vieler heidnischer Götter und erschafft so die Illusion eines einzig existierenden Gottes. Etwas, das nicht einmal in der Bibel behauptet wird.


Aber auch der christliche Gott kann nicht allein existieren, er bedarf des Teufels, welcher all die Bereiche abdeckt, die nach biblischer Definition Sünde sind. Um den Teufel als eigene, real existierende Entität zu verstehen, muss man nicht einmal den Satanismus bemühen. Es reicht die hier zu Anfang genannte Gottesdefinition.


Genau in dieser Gott-Teufel-Dualität liegt auch der Unterschied zwischen Christengott und Allah. Während der neutestamentarische Gott liebend und verzeihend ist und dem Teufel Zorn, Hass und Gewalt überlässt, schließt Allah diese Bereiche weitgehend ein und gesteht dem Teufel lediglich das Feld religiösen Ungehorsams und Unglaubens zu. Allah ist somit, um es aus christlicher Perspektive auszudrücken, schlichtweg teuflischer. Eine Eigenschaft, die er auch in gewissem Maße mit dem nicht durch das Neue Testament reformierten jüdischen Jahwe teilt, der gelegentlich in alttestamentarischen Zornesausbrüchen, Strafandrohungen und Rachebekundungen schwelgt.


Nun stammen aber alle drei Götter aus dem Mittleren Osten und ihnen und ihren Anhängern ist letztendlich ein gewisser, Andersgläubige ausschließender, Überlegenheitswahn gemein. Wieviel sinnlicher und verzeihender ist doch die Pachamama der Andenvölker Amerikas, deren allumfassender Uterus die irreführende Dualität an den Rand des Universums drängt.


Doch allein der Buddhismus kommt ohne jegliches Gottesbild aus, welches letztendlich immer trennend, trugbildend und vergänglich ist. Die hieraus erwachsende Eigenverantwortung des Menschen, oft als beängstigend empfunden, wird jedoch durch etwas ausgeglichen, was umso kostbarer scheint: Teil einer Welt zu sein, in der alles göttlich ist.


Die Crux ist nur, der Mensch glaubt nicht, um die Welt zu verstehen, sondern, um sich im Unverstehen derselbigen zurechtzufinden. Daher gibt es trotz Aufklärung noch das Christentum und trotz allumfassender spiritueller Belehrungen den Tunnelblick des Islam, in dem jedes Hinterfragen bereits Sünde – und somit des Teufels ist.


Wie gut, da in einer Welt zu leben, in der man Gedanken wie diese öffentlich kundtun darf. Und wie schnell ist sie wieder verloren. Denn die Götter ruhen nicht.

 


26. 09. Herr Tausendacht kocht.

Gerade durch die Ganzkörperdurchleuchtung am Flughafen. Erscheint auf dem Bildschirm ein gelbes Quadrat in meinem Schritt. "Ich muss mal eben... " Sagt der Bulle und packt mir, ohne eine Antwort abzuwarten, mit seinen gummibehandschuhten Griffeln zwischen die Beine. Zum Glück nur kurz - ich war schon dabei, das in der Gesäßtasche versteckte Keramikmesser zu zücken. Deutsche Flughafenpolente hat einfach kein Benehmen.

 

 

13.09. Herr Tausendacht blickt tief.

Am Folgeabend einer musikalisch skurril durchmischten Nacht  saß ich mit dem Bewegungsmelder in einer Kreuzberger Kneipe bei einem Glas Rum.

 

 "In einem oder spätestens zwei Jahren kommt ein großes Ding", sagte er mit Überzeugung. "Die meisten Musiker sitzen gerade über ihren Sachen und nichts davon will so richtig funktionieren. Das war immer so, bevor was losging."

 

Der Bewegungsmelder verstand was vom Thema. Er war lange genug dabei. Ich nippte nachdenklich an meinem Glas und stellte mir hoffnungslos an ihren Rechnern verrannte Kreative vor. Dann das unermüdliche nächtliche Trommeln in den abgelegenen Buchten Spaniens. Als Antithese. "Es wird was analoges sein."

 

"Nee, glaub ich nicht." Der Bewegungsmelder schüttelte den Kopf.

 

 "Aber die Möglichkeiten elektronischer Klänge sind doch durch."

 

"Ach was, da kommt immer was neues."

 

Da war ich anderer Meinung. Es existierten nur soundsoviele Kombinationsmöglichkeiten von Klängen und Rhythmen. Auch andere Künste und Ausdrucksformen konnten sich nur noch wiederholen. Das Einzigartige und Authentische entstand lediglich durch einen individuell beseelten Ausdruck. Wenn überhaupt. Die Postmoderne ließ, ein alter Hut, nur noch das Spiel der Versatzstücke zu. Revolution war gestern.

 

Der Bewegungsmelder jedoch bestand darauf. Technische Umwälzungen wie der Sampler würden das musikalische Geschehen immer wieder aufs Neue  aufmischen.

 

Das sich etwas anbahnte, glaubte ich ihm mit seinem feinen Gespür für, na, Bewegungen. Die Art und Weise jedoch  blieb mir mehr als schleierhaft.

 

Heute auf der Rückfahrt von Berlin, allein auf der spärlich befahrenen frühsonntäglichen Autobahn, fügten sich die losen Enden dann zusammen:

 

Die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Musik. Jeder Stil, jedes Lied, sofort konsumierbar als Musikdatei. Unser Geschmack, omnipräsent in der Tasche. Eine App vernetzt uns, ein Algorithmus bestimmt den perfekten Song. Ein Programm als DJ. Smartphones messen unseren Tanz, unseren Puls. Unmittelbare Bedürfnisbefriedigung, die Vollendung des Kapitalismus. Menschen, deren einziges Talent in ihrer besonderen Aura besteht, als Zeremonienmeister. Als Stars. Die Masse im Club, synchronisiert in einer sich unendlich steigernden Feedbackschleife. Dezentral wie Ibizas Trommeln. Die Dystopie: Ein unkontrollierbarer Mob zieht plündernd durch die Straßen. Menschen stürzen sich Lemmingen gleich in Abgründe. Drogen, die Neuronen für immer neu verschalten. Ein Führer.

 

 

 

20.07. Herr Tausendacht fragt


Wie schafft man es an einem Ort zu leben, an dem einen ständig alle ins offene Herz pissen?

 

Herr Tausendacht in Havanna

Herr Tausendacht in Havanna Am späten Nachmittag schieben sich schweren Regenwolken gegen den blauen Himmel über dem Meer. Gewinnen sie, geht ein sintflutartiger Guss hernieder. Seit Tagen hat sich die Meerseite behauptet, auf der Zunge liegt der Geschmack von Staub. Die Menschen schwitzen und warten auf Obama und den Pabst, während die Sonne untergeht. Dann glimmen in den noch vom Tage heißen Straßen die Lichter der neuen Bars auf.




27. 05. Herr Tausendacht holt nach

Nach längerer Abwesenheit ist sich Herr Tausendacht recht unschlüssig über das anzugehende Thema:

 

Podemos gewinnt - fast - in Spanien

Griechenland ist - mal wieder - endgültig pleite

Die Arktis taut - mal wieder - rekordverdächtig

Rosberg gewinnt - nicht - in Monaco

ISIS hat maximale Ausdehnung erreicht - bis auf Saudi Arabien

Saudi Arabien bombt im Yemen, um sich auf ISIS einzuschießen

Alle wollen nach Kuba - ich auch

Fußball überlasse ich dem Swami

Der Eurovision Songkontest interessiert sowieso niemanden

genauso wenig, wie, dass wir Peak Oil erreicht haben - genau ... : jetzt!

Und wieviele Enden hat eine Currywurst?

 

 

20.04.

Herr Tausendacht feiert Führers Geburtstag  (Wir tun es nicht)


Es ist ein besonderer Ort, an den ich heute, am 20. April, geführt werde. Der Eingang wirkt wie der einer Schwulensauna, nur geheimniskrämerischer. Wir winken in eine Kamera und die Tür öffnet sich. Drinnen sitzen überwiegend Männer mit kurz geschorenen Haaren, der Beat hämmert schwer durch die rauchgeschwängerte Luft. Wer einen von den an der Decke schwebenden Ballos klaubt, bekommt Freibier. Ich klaube fleissig. Irgendwann beginne ich mich zu fragen, warum die ballone grün sind, warum die kahlen Männer alle Hipsterbärte tragen, die vereinzelten Frauen so mild lächeln und der Rauch so süßlich riecht. Zunächst wird alles bunter, dann wird alles klarer: Ich befinde mich, als biertrinkender Passivraucher, in einem der Kifferclubs Barcelonas. Die Welt ist gut, alle Menschen sind Freunde. Des Führers Geburtstag ist ein gutes Datum.

 


Achtung: durch die Schlamperei einer Heiligkeit wird dieser Text jetzt erst veröffentlicht:

08.04.
Herr Tausendacht fordert

Offener Brief an die Regierung der Bundesrepublik Deutschland.

Sehr geehrte Damen und Herren,

nicht genug damit, dass meine Eltern von Hitler schwer verstört in die Nachkriegszeit gehen mussten und damit meine Lebensqualität extrem beeinträchtigt haben, ich wurde zu meiner Geburt auch noch gänzlich gegen meinen Willen zum Bürger der Bundesrepublik Deutschland, dem Nachfolgestaat des faschistischen Unrechtsregimes, erklärt. Ich bin somit eindeutig Opfer des Nationalsozialismus und fordere daher von der Bundesregierung die von meinen Anwälten festgelegt Entschädigungs-summe von 4.712.932€ ein.




17.04.

Herr Tausendacht und Buenos Aires 

Alberto schickt mir ein Foto aus Buenos Aires. Ich antworte umgehend mit einem von der Gran Vía, und wir stellen fest, dass es in Barcelona genauso aussieht wie in Argentiniens Hauptstadt.

"Die Welt ist eine Erbse", schreibe ich.

"Una claría embrujada", kontert Alberto, was auf Deutsch "verhexter Raubwels" heisst.

Ich komme nicht dazu Alberto zu fragen, was die tiefere Bedeutung davon ist, denn unsere Konversation wechselt zu Mulattinnen und bei denen sprechen wir dieselbe Sprache.

 

 

 

04. 04.
Herr Tausendacht liest Herrndorf

Ja, ich lese Herrndorf erst jetzt. Als er sein Plüschgewitter in die Tasten schlug, war ich auf und davon gezogen, um solch ein Zeug zu vergessen. Jetzt haben mich die unerträglichen Erinnerungen wieder eingeholt, durchwoben von Herrndorfs Parallelvergangenheit. Zum Glück glänzt sie mit Humor. Das macht es erträglich.

Dann eile ich aufs Klo, es fühlt sich an wie Durchfall doch es sind nur Blähungen vom Kohl. Dazwischen klatschen die Küttel in die Schüssel. Während ich so dasitze fällt mir ein, dass ich bereits ein Jahr älter bin als Herrndorf je geworden ist.

 

 

 

02.04.

 


Herrn Tausendacht ist's sonnig

 

Teddy fläzt sich in der Sonne, die weiße Tolle in den Augen, die Zunge im grünen Gras. Nur die Gans hört man nicht mehr. Das letzte Eis hatte sie erwischt und man fand sie tiefgefroren, den langen Hals noch immer trotzig gegen die Kälte gereckt, in ihrem Nest. Eine Tiefkühlgans vom Mutter Naturs Gnaden, mit Meerblick. Aber wen kümmert's? Die Gans gewiss nicht mehr. Teddy, der katalonische Bettvorlege, wedelt mit dem Schwanz, denn eine Katze kommt herbei und schmiegt sich an sein weiches Fell. Hier grüßen sich Katz und Hund, und Wolf und Schaf sagen sich gute Nacht. In welcher Sprache? Spanisch? Katalonisch-patriotisch? Nein, auf deutsch, was Teddy sogleich mit einem herzerweichenden "Huuunnngeeer!" unterstreicht und dafür von Frauchen etwas Leberwurst erhält. Weit darüber am Firmament, ein Flugzeug. Iberia? Ryanair? Germanwings? Herrn Tausendacht ist's sonnig.



 

11.03.

 

Mutter Tausendacht dreht Gauck um

 

Der Bundespräsident war zu Besuch in der Stadt. Stolz flanierte er, umgeben von Leibwächtern und lokalem Gefolge, über die alte Hauptstraße, auch die Gute Stube genannt. 

 

Meine Mutter wohnte dem Spektakel am Fenster ihres Hauses bei, doch plötzlich juckte es sie, schon beim diesjährigen Karnevalsumzug hatte sie nichts in den gutbürgerlichen Höhen halten können. Mag sein, dass allein schon deshalb des Spiegels Wahl-O-Mat ihr regelmässig die Linkspartei zu empfehlen pflegte.

 

Ungeachtet dessen fühlte sie sich vom präsidialen Rotverächter derart angezogen, dass sie, nicht, ohne sich zuvor mit ihrer Fotokamera bewaffnet zu haben, die Treppe hinabeilte und im Flur eilig den Rollator ergriff. Kaum hatte sie die Haustür hinter sich geschlossen, stieß sie auf ein Hindernis. Ein Polizeiwagen lauerte in der schmalen Zufahrt auf Terroristen; unmöglich, mit der Gehhilfe an ihm vorbeizukommen.

 

Doch, dachte meine Mutter, wofür hatte der Herrgott ihr zwei noch halbwegs funktionierende Beine gegeben? Also humpelte sie an den Ordnungshütern vorüber, wobei sie sich geschickt auf die blank polierte Kühlerhaube des Streifenwagens stützte und fand so den Weg auf die Straße, wo sich der Bundespräsident nebst Hofstaat bereits fast auf ihrer Höhe befand.

 

Eine am Straßenrand die Staatsmächtigen bestaunende Nachbarin lieh meiner werten Mutter eine stützende Hand und so bewegten sie sich im Gespann weiter auf den Nabel unserer demokratischen Gesellschafts-ordnung zu, bis sie diesem und den ihn ergeben umschwänzelnden Pulk zum Greifen nahe waren. Dann zückte meine Mutter ihre Kamera. 

 

Doch war ihr ein fast zwei Meter hoher und beinahe ebenso breiter Koloss im Wege. "Herr Bürgermeister", sagte sie, "Sie sind zu groß für mich!" Sie griff den guten Mann resolut am Arm und zerrte ihn aus ihrem Blickfeld.

 

Die Wächter des erstaunlich kleinen Präsidentenleibes fuhren herum. Ihre argwöhnischen Augen blitzten gefährlich, die Hände zuckten unter die offen getragenen Jackets. Fast sah es für den wohlwollenden Betrachter aus, als erlitten sie alle gleichzeitig eine Herzattacke. 

 

"Herr Präsident!", rief meine Mutter unerschrocken und ließ es sich nicht nehmen, dem allerobersten Deutschen auf die nicht so hohe Schulter zu tippen. "Ich möchte ein Foto von Ihnen machen!"

 

Da passierte es. Der Gauck, ganz galanter Nobelmann, eine Blume der Unschuld und Hoffnung in der Hand, drehte sich um und lächelte charmant. Der Auslöser klickte unter den verstörten Blicken von Bürgermeister und Leibwächtern, gefolgt vom Applaus des einfachen Volkes, welches der Szene in demütig bemessener Distanz am Straßenrande beigewohnt hatte.

25.02.

 

Anekdote Tausendacht

 

Der Schriftsteller entzieht sich gerne der eigenen Beobachtung. In seinem Werk hat er sich hinter seinen Charakteren, den Helden und Bösewichten, den Unterdrückten, Bedrückten, Verhärmten und Befreiten versteckt, gerne auch in erster Person Singular. So läuten Hank Chinaski die Glocken in Havanna. Ein alter Mann; Meer oder weniger.

 

Doch wo bleibt die Anekdote? Wo die originelle Beobachtung des eigenen Lebens? Joyce in der Ulysses? Schon eher, wenn auch vom Format für den hiesigen Zweck ziemlich ungeeignet. Dann doch eher die grantig-humorigen Beobachtungen eines Harry Rowohlt. Ja, die sitzen. Der Mann hat Herz und Schreibhand am rechten Fleck.

 

Und ich? Mit einem Roman unterm Arm, dem zweiten auf der Festplatte und dem dritten im Kopf? Wo hört der notorische Rumtreiber auf und fängt der Schriftsteller an? Welche Anekdote kann ich zum Besten geben, ohne das Thema zu verfehlen? Selbst Hunter S. Thompsons Rum Diary hätte hier ja nichts verloren, war er in dem für sein Werk gewählten Zeitraum doch Journalist und nicht Literat; ganz zu schweigen von späteren Büchern, in denen er eher als Antiautor in Erscheinung tritt.

 

Kuriose Begebenheiten auf Lesungen? Fehlanzeige. Interna beim Verlag? Geheimsache. Auf Literaten verfallene Groupies? Der Swami gibt Euch meine e-Mail. Hanebüchne Begebenheiten bei Trinkexzessen im Schreibwahn? Habe ich vergessen. Am lustigsten geht es noch auf der Berlinale zu, wenn man als armer Autor seine Visitenkarten verteilt und alle Welt, aus Vorsicht, man könne einen bedeutenden Magnaten brüskieren, ein Lächeln ausrollt wie einen roten Teppich. Nicht, dass ich das nicht auch getan hätte.

 

Zurück zum Thema: Da fällt mir ein, Enno Stahl hat mich wohl für einige Zeilen vor rund zwanzig Jahren in einer Chronik verwurstet. Ist das nun eine Anekdote über mich? Vielleicht. Aber gewiss nicht von mir. Die permanente ironische Selbstreflexion des Literaten im Alltag ist, fällt mir nun ein, eine besondere Qualität meines guten alten Freundes Alberto Guerra Naranjo, seines Zeichens einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller Kubas:

 

»In meiner Jugend brachte eines Tages ein Lastwagen einen Filmprojektor in meine Schule in Marianao und man zeigte uns Moderne Zeiten von Chaplin. Danach ging der Lastwagen zu Bruch und man konnte weder Projektor noch Film fortschaffen. Kurzerhand lernten wir den Projektor selber zu bedienen und in Gesellschaft meiner Freunde sah ich mir Moderne Zeiten rund 500 Mal an. Seitdem wollte ich Kunst machen, denn nach solch einer Erfahrung hat man keine andere Wahl mehr. Chaplin hat mir die menschlichen Geheimnisse die ein Kunstwerk in sich birgt wie kein anderer offenbart. Er zeigte mir, wie die Choreographie von Humor und Schmerz unvergessliche Effekte hervorruft, und ich beschloss, Regisseur zu werden. Aber seit Marianao sah ich den Weg des Kinos als einen sehr schwierigen an und zog es vor, meine eigenen Geschichten mit Worten zu erschaffen, bis meine Zeit gekommen wäre.«

 

 

06.02.

 

Herr Tausendacht spürt es tut sich was

 

Der alte Türke klopft mir freundlich auf die Schulter, als er mir den Weg erklärt. Im Bus lächelt mir das arabische Mädchen verheissungsvoll unter ihrem Kopftuch zu. Der Marokkaner nuckelt im Bahnabteil an einer Flasche Bier und erntet die anerkennenden Blicke der grölenden Fußballfans. 

 

Es scheint, als wären wir alle in den letzten Monaten etwas enger zusammengerückt, als hätte sich etwas getan hierzulande, wenn auch ganz anders, als es müffelnde Pegida-Anhänger und ach so politisch korrekt Betroffene angestrebt haben. Die Änderung kommt, so sieht es aus, direkt aus der Tiefe der Herzen, gleichermassen gespeist von Angst wie Mitgefühl und der Erkenntnis, das Leben in die eigenen Hände nehmen zu müssen.

 

12.01.

 

Herr Tausendacht will Freiheit

 

Gestern hat mir ein guter Freund allen Ernstes weiss machen wollen, der Humor des Französischen Satiremagazins Charlie Hebdo sei für die Islamische Welt derart beleidigend gewesen, dass man den Tod der zwölf Redakteure billigend in Kauf nehmen müsse. Nun, als freie Willensentscheidung angesichts eines realen Risikos mag dies zutreffen. In Frankfurter Kreisen soll es ja auch Satiriker geben, die dem Märtyrertod in eigener Sache entgegenlechzen.

 

Eine Rechtfertigung der Attentate ist es nicht. Genau so wie man einer Frau, die einen kurzen Rock getragen hat nicht vorwerfen kann, irgendwie doch selbst Schuld an ihrer Vergewaltigung gewesen zu sein. Was man ihr bestenfalls vorwerfen kann, wenn sie in solch einem Aufzug nachts um drei durch ein aufgrund seiner sexuellen Belästigung verrufenes Viertel geht, ist Verantwortungslosigkeit.

 

Ebenso befreit die Freiheit der Satire nicht von der Verantwortung der aus ihr erwachsenden Konsequenzen. Umso wichtiger ist aber, dass diese Freiheit gewahrt bleibt. Der Satire muss nicht nur alles erlaubt sein, sie muss auch geschmacklos, abstossend und beleidigend sein dürfen. Denn über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten und er steht somit ausserhalb der unsere Freiheiten garantierenden Gesetzgebung. Und wer in Europa mordet, aus welchem Grunde auch immer, verstößt nun eimal gegen diese. Wer also so tiefgläubig ist, dass er irgendein religiöses Werk über die Verfassung stellt und mit ihm Gewalt rechtfertigt, hat somit in unserem Kontinent schlichtweg nichts verloren, sei er nun Jude, Christ, Moslem, Buddhist oder Voodoopriester.

 

Ich kann nur allen Moslems raten, nicht in die sich immer weiter öffnende Falle der Spaltung zu tappen und sich der Radikalisierung zu verweigern. Die Französische Regierung hat seit Jahren islamistische Fanatiker in Lybien und Syrien mit Waffen versorgt, die Ereignisse in Paris kann man daher auch als geduldeten, wenn nicht sogar erwünschten Blowback dieser Politik ansehen. Polarisierung und Spaltung ist nun einmal ein gegenwärtig in Europa weit verbreitetes politisches Mittel, sei es in der Ukraine oder der "Stadt des Lichts".

 

Es ist in diesem Zusammenhang, man muss es hier anmerken, schon seltsam, dass professionell agierende Attentäter im gestohlenen Fluchtfahrzeug einen Personalausweis zurücklassen, als wären sie beim Gebet gen Mekka zu oft auf den löchrigen Asphalt der Banlieus geknallt. Dass sie daraufhin ihre polizeiliche Verfolgung nicht überlebt haben, war ja beinahe schon zu erwarten. Schließlich hat sich dann auch noch Polizeikommissar Helric Fredou, einer der mit der Untersuchung der Attentate beauftragten Beamten, fünf Stunden vor Veröffentlichung seines Berichtes im Kommissariat von Limoges mit einem Kopfschuss aus der Dienstwaffe selbst gerichtet, was zusätzlich ein seltsames Licht auf die Vorfälle wirft.

 

Aber wie auch immer, die Redakteure sind tot, es leben die Redakteure! Freiheit ohne Spaltung, nur so kann es weitergehen.

 

 

 

26.12.


Herr Tausendacht christlich-abendländisch


Nun haben die Medien ihre dicken Geschütze hervorgeholt und ballern aus vollen Rohren auf die Pegida-Demonstranten - und schliessen somit, Umfragen zufolge, rund ein Drittel der Bevölkerung von einem sachlichen Diskurs aus. "Lügenpresse" wird in Dresden skandiert und von vielen hierzulande gedacht, ein Kollateralschaden halt, wenn man mit Kanonen auf kleinbürgerliche Spatzen schiesst. Schade eigentlich, denn eine klare, überzeugende Stellungnahme im Sinne der Aufklärung wäre nun von Nöten. Statt dessen trifft rechtskonservativ verbrämtes Christendenken auf im Hinterhof brütenden Islamismus und mediale Arroganz ohne eigenes Konzept.


Es geht natürlich nicht um das Jüdisch-Christliche Abendland, sondern um das Europa der Aufklärung, das Europa, das es geschafft hat, sich jenseits der Religionen universelle Menschenrechte auf die Fahne zu schreiben. Es ist nun einmal so, dass die Bibel sich über weite Strecken genau so haarsträubend gebärdet wie Talmud und Koran. Was kein Wunder ist, berufen sich diese Religionen doch über weite Teile auf die gleichen Quellen und stammen aus der gleichen Region. Das Jüdisch-Christliche Abendland ist letztendlich nichts weiter als das Ergebnis einer zweitausendjährigen spirituellen Eroberung durch den Nahen Osten.


Es sollte daher klar sein, dass es in jedem Land Europas nur ein Buch gibt, dem sich alle anderen Schriften unterzuordnen haben: Die jeweilige Verfassung. Diese universellen Gesetzbücher sind es, die das Europa der Gegenwart ausmachen. Ihr Entstehen war von Irrtümern begleitet, ihre Seiten wurden auch mit Blut geschrieben, sie sind reumütig aus der Asche des zweiten Weltkrieges auferstanden, sie sind Menschenwerk und daher unvollkommen. Aber sie sind das Beste, was wir haben. Es hat lange gedauert, bis die Kirche sich ihnen zähneknirschend untergeordnet hat, die moslemischen Gemeinden haben diesen Prozess noch lange nicht abgeschlossen - und genau deshalb besitzt der Islam zur Zeit ein grosses Potential für radikale Tendenzen.


Bibel, Koran und Talmud müssen sich erklärtermaßen den Verfassungen und den darin garantierten Menschenrechten, den bürgerlichen Freiheiten und den daraus erwachsenden Pflichten unterordnen, oder ein klar und gerecht geregeltes Zusammenleben ist in unserer Gesellschaft nicht möglich. Zu den genannten religiösen Büchern müssen sich in ihrer Unterordnung selbstverständlich alle weiteren Werke gesellen, die den Anspruch einer absoluten Welterklärung erheben, die Verfehlungen der Aufklärung nach Rechts und Links eingeschlossen.


Eine weitere Beobachtung: Ich habe in diesen Tagen das Vergnügen gehabt, mit ein paar aus moslemischen Ländern stammenden Menschen zusammenzuarbeiten. Unter ihnen ein Türke, ein Tunesier und ein Azerbaidschaner. Sie mussten untereinander Deutsch sprechen um sich zu verständigen und plötzlich waren wir alle Teil einer produktiven Gemeinschaft. Die Sprache ist das wichtigste integrative Element. Wir müssen daher darauf achten, dass Hinzugewanderte Deutsch lernen, das ist unsere beste Garantie für eine Klassen, Ethnien und Religionen übergreifende Gesellschaft, deren Regeln von Jedermann verstanden und akzeptiert werden.


Wir sollten dem mit gutem Beispiel vorangehen und auch in Europa endlich unsere Lingua Franca klar definieren und beherrschen. Damit uns der Kontinent nicht, wie ein zu schnell aus dem Ofen gezogener Kuchen, in eine breiige Masse zusammenfällt, deren einzig schmackhafter Teil ausgerechnet der braune Rand ist. Denn ein funktionierendes Europa, der Respekt für die Verfassungen der einzelnen Mitgliedsländer und eine gelungene Integration von Einwanderern sind untrennbar miteinander verbunden.


Man darf Pegida nicht bekämpfen, indem man einen großen Bevölkerungsteil an den rechten Rand drängt und damit eine politische Zeitbombe schafft - man kann die Situation nur lösen, indem man das bessere Konzept anbietet. Das ist natürlich viel Arbeit. Aber haben wir eine Wahl?




14.12.

 

Heute gebe ich mal einen Witz meines Vaters zum Besten, den auch der ehemalige WDR-Chef Dieter Thoma so amüsant gefunden hat, dass er ihn veröffentlichte. Möge mein Vater heute die Engel zum Lachen bringen und die hübschesten auf dem Schoss sitzen haben.

 

Aus: Dieter Thoma. Das Wesen des Witzes IV: Verführung zum Witzigsein 

 

Rudolf Wentrup heißt mein alter Schulfreund, der mir beim letzten Klassentreffen die folgende Geschichte erzählt hat:

 

Ein Polizeiwagen stoppt einen Autofahrer, ein Beamter steigt aus, der Autofahrer dreht die Scheibe herunter.

      »Sie haben eben bei Rot eine Ampel überfahren«, sagt der

   Polizist.

     »Habe ich das?«, fragt der Angehaltene und kichert etwas. Das Gesicht des Polizeibeamten wird ernster. »Zeigen Sie mal Ihren Führerschein!«

   »Den habe ich schon seit einem halbem Jahr nicht mehr.«

   »Dann die Wagenpapiere!«

   »Die habe ich verloren.«

   »Machen Sie mal Ihren Kofferraum auf!«

   »Das kann ich nicht.«

   »Warum können Sie das nicht?«

   »Da liegt eine Leiche drin.«

   Fassungslos zieht der Polizist den Autoschlüssel aus dem Schloss und geht zu seinem Wagen. Während er seine Dienstwaffe entsichert, kommt der andere Polizist  herüber und fragt: »Sie haben also keinen Führerschein?«

   »Doch, hier, bitte schön«, antwortet der Autofahrer und reicht seine Fahrerlaubnis  heraus.

   Erstaunt sieht sich der Beamte den Ausweis an. »Und die Wagenpapiere?«

   »Hier, bitte sehr«, sagt der Autofahrer und reicht sie heraus.

   »In Ordnung. Öffnen Sie den Kofferraum«, fordert jetzt der Polizist.

   Der Autofahrer steigt beflissen aus und macht den Kofferraum auf. Er ist leer.

   »Aber hier drin soll doch eine Leiche liegen!«

   »Was soll da sein?«

   »Eine Leiche, sagt mein Kollege.«

   »So ein Quatsch«, klagt der Autofahrer. »Der hat ja auch behauptet, dass ich bei  Rot über eine Ampel gefahren bin!«

 

 

 

06.12. Herr Tausendacht teilt (mal wieder)


Eigentlich wollte ich darüber schreiben, wie ich meinen alten Freund und Zenbuddhisten Menne beim Konzert der Bollock Brothers traf und mir dabei der Tatbestand durch den Kopf gegangen war, dass in jenem Moment der selbe Betrachter durch seine, meine und Jock McDonalds Augen blickte, wobei Jock McDonald haargenau so aussah wie unser alter Bekannter Schocke, der sich mittlerweile derart um Kopf und Krage gekifft hat, dass er sich nicht mehr an mich erinnern kann - aber beim geistigen Vorformulieren des Textes überkam mich eine Einsicht die zu teilen mir ein größeres Bedürfnis ist:


Gott ist nicht wahnsinnig sondern voll grenzenlosen Humors!




28.11.

 

Herr Tausendacht gibt Erdogan recht

 

Der Türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan behauptet neuerdings, weitreisende Handelsfahrer des Moslemischen Reiches hätten Amerika Jahrhunderte vor Christoph Columbus entdeckt. Und es stimmt!

 

Der Beweis steht noch heute an der Küste Kubas, nur wenige Kilometer von der idyllischen Hafenstadt Cienfuegos entfernt, genau dort, wo er bereits von Columbus beschrieben wurde: 

 

Eine altehrwürdige Moschee, die dort auf geheimnisvolle Weise die Jahrtausende überdauert hat. Leider sind die Minarette 1991 bei einem Hurrikan eingestürzt aber noch immer strahlt der gewaltige Bau die unerschütterliche Macht des muselmanischen Glaubens aus. 

Böse Zungen giften zwar es handle sich bei dem Gebäude um ein ehemaliges Sovietisches Kernkraftwerk, aber der bewanderte Mensch weiss natürlich, dass jenes ungläubige Slavenvolk mit seinem sträflichen Wodkakonsum nicht zu solchen Leistungen in der Lage gewesen wäre, schon gar nicht in Kuba, bei sündigem Verzehr von Schweinefleisch unter dem teuflischen Einfluss von Hitze, Rum und unkeuschen Weibern.

 

Und sogar im Koran steht geschrieben:

 

Oh fernes Eiland, geformt wie der Krummdolch des Propheten, sonnengesegnet und grün wie das Delta des Nils, wo die Minarette in den Himmel spriessen wie Zuckerrohr. Hier will Allah den Nabel seines Reiches sehen, den ganzen Erdkreis umfassend und darüber hinaus.

 

Wer könnte da noch Zweifel hegen?

 

(In meinem nächsten Artikel erkläre ich, warum Ausserirdische eindeutig Moslems sind)


 

 

11.11.

 

Herr Tausendacht antwortet

 

 


Ehrenwertester Don Dionello

 

Bei Euren Zeilen, den gar schnellen

dünkt mir Ihr habt die Pimpernellen

 

ein böses Leiden voller Frust,

Wie Lustseuche ganz ohne Lust.

 

Drum möcht' ich Euch den Rate geben

den Ihr ergebenst Euch ankleben

 

und vor die Netzhaut schrauben mögt:

Geht Euren Weg wenn Sturm auch fegt

 

gar Richtung Düsseldorf am Rhein

kann's einmal nicht Colonia sein

 

hin wo der Ottomane lockt

und es mit hartem Schnaps verbockt

 

Denn wer mit Muselmanen säuft

auch barfuss nach Canossa läuft.

 

Und das sag ich, stolzer Kurkölner

kaum glauben mag ich's von mir selber!

 

Mein bester Dinotorius,

für Eure Mutter einen Gruß,

 

die nun ganz seicht hinübergeht

ins Jenseits welches dafür steht

 

was allen Menschenkindern dräut,

nur anders die Geschwindigkeit.

 

Mög er sein Los mit Fassung tragen,

denn wenn zwei Augen, die meist ragen

 

aus einem Schädel darauf blicken

wird klar - es ist zum Mäuseficken!!!

 

Auch Nephilime sind gegangen,

und zudem Gnome, Elfen, Schlangen.

 

Und lasst den M. den Knarsch doch machen,

hat er ja sonst nicht viel zu lachen

 

wenn Valerie französisch küsst,

seine Rosette kreischt gar wüst:

 

"Nun schieb auch noch die Zunge rein,

du schäbiges Franzosenschwein!!!"

 

 

 

Gehabt Euch wohl, von hier bis Dortmund

 

Euer

 

Don Tausendacht

(Denn hier in Katalonien

sind alle Herren Donien!)


 

 

09.11.

 

Herr Tausendacht erteilt das Wort

 

 

Hallo Tausendacht,

 

ja hier ist die Hölle los, hier ist die Hölle los, hier ist die Hölle wirklich los - trall lall lall lall la la... Tusch! Ja ich werde mich nun auch anpassen und einfach mit schwachsinnig werden, dann kann ich mein Umfeld besser ertragen - tsching bumm. Und Heiner, noch einen Tusch - tätä. Jawoll, so stramm den Arsch zusammen und Kopf in den Nacken - Prost.

 

Uaaahhaaahaaarrrr, Du hast die Haare schön, Du hast die Haare schön, Du hast die Haare wirklich schön. Ja, so ohne Hirn ist das Leben wirklich schön, trall lall lall lall la la... Tusch! Den Rinderpümmel auf den Teller und im Sorpetal wird es heller - Uahhaahaarrrr.

 

Einer geht noch - einer geht noch rein, jaaa ha ha ha ha ha... Fällt der Bauer tot vom Traktor, dann stand in der Nähe ein Reaktor - Heiner, noch nen' Tusch. Klingelingeling, klingelingeling - hier kommt der Eiermann, schaut Euch nur seine dicken Eier an... Jaaa ha ha ha ha ha. Willst Du im Sauerland mal so richtig poppen, musst Du der Kuh auf den Hintern kloppen - aber bitte erst nach dem Akt. Ja der Kopf tut weh und die Füße stinken, höchste Zeit ein Bier zu trinken. Li la lu, schaut mir alle dabei zu... Ist der Sack erst länger als der Schwanz, verzichtet man auf Sex dann besser ganz... Heiner, noch nen' Tusch.

 

Ich bin der lila Laune Bär - mit mir ist das Leben gar nicht schwer. Jaaa ha ha ha ha ha...! Potz Blitz - ja so fühle ich mich im Moment. Muß mich zusammen nehmen, um nicht schon vor 12:00 Uhr Mittags ein Bier zu trinken - Prosit in die Runde.


Ja, einen zünftigen Gruß auch in die Berge Spaniens, damit dort die Kehle nicht auch vertrocknet - mein Lieber. Ja, ich hatte heute Morgen die scheißen dumme Schlampe vom Gesundheitsdienst der Stadt in meinem Büro zu empfangen - täta, Tusch... Sie war so geil uninteressiert, was mich direkt schwer erregt hat - so eine geile Sau. Hätte ihr so gerne ihren Birkenstockschlappen in den Arsch geschoben, damit da auch mal wieder Licht drankommt - uaaahhaaahaaarrrr.

 

Danach hätten wir dann ihre Wollsocken geraucht und uns zu den anderen Kiffern gelegt - wow. Na, das wäre doch mal eine lila Welle gewesen. Ja gestern war großes Aufräumen bei meiner Mutter angesagt - die Pflegeschlampe ist ja morgen da. Nu hat die liebe Mutter leider vergessen, wo die Mülltonnen sind und hat den Haushaltsmüll in ihre Handtaschen gefüllt - und in den Schrank gestellt. Ja wie geil ist das denn - uaaahhaaahaaarrrr. Tusch, tsching bumm.

 

Ja, auch ihre Kleidung wurde nach dem Tragen in Säcke gefüllt und weggestellt, ja, Knoten rein und weg ist die Wäsche - dum die dum. Ja, sind denn alle noch da? Der Kasper ist nun wieder da ( warum hat der Kasper denn keinen Unterkörper - na damit man seine dicken Eier nicht sehen kann... ).

 

War vor einer Stunde bei Deiner Mutter und habe köstlich mit ihr abgelästert - da konnte ich alle meine Rentnerwitze loswerden... Und Tusch, Heiner. Die Margot säuft nun mit den Polen im Keller Schnaps, was dem Heiner stiehlt seinen Schatz - da geht die Bombe hoch, da geht die Bombe hoch, da geht die Bombe wirklich hoch. Ja ja ha ha ha ha...

 

Und der Pub ist nun fast fertig, weshalb das Volk bald wieder froh - ja so. Und erstrahlt im hellen Glanze, bis die reinigende Kraft der Flammen bald wieder von schwermütigen Besuchern verdorben ist. Ja Du hast die Haare schön...


Ach ich muss jetzt zum Arbeitsamt ( tschuldigung - Job Center ) und mich vor den Pissern rechtfertigen - die Beamtenschweine. Ja, zwei Amtstermine am Tag..., uUaaahhaaahaaarrrr. Ja, und in Panama, ja, und in Panama, ja, da ist ja auch dann alles schön... Und Tusch.

 

Bin nun raus und auf der Strada nach Neheim - der abgerissenen Drecksreststadt.

 

Mit verficktem Gruß,

 

König Kurt de Klumpus

 

 

 

29.10.

 

Dem Herrn seine Kapitalismuskritik

 

Ja, der gute alte Kapitalismus, obwohl ein wenig obsolet, hat er die Welt doch voran gebracht - wenn böse Zungen auch behaupten, dass lediglich an den Rand des Abgrundes. Aber einigen wir uns der Einfachheit halber einmal darauf, dass der Kapitalismus in seiner Reinform durchaus gut funktioniert. Die Nachfrage regelt das Angebot und die Notwendigkeit erzeugt das Organ - wenn Letzteres auch aus der Feder eins französischen Evolutionstheoretikers stammt.

 

Doch der Kapitalismus hat zwei grundlegende Schwächen, die ihm den Garaus zu machen drohen. Da wäre zunächst einmal die bereits von Herrn Marx beschriebene, und seitdem immer wieder zu beobachtende, zunehmende Monopolisierung in Zeiten der Krise. Nun hat Herr Marx ja dagegen etwas unglücklich den Kommunismus erfunden, dessen Reinform wiederum gut durch ein Maisfeld mit exakt gleicher Stängellänge und nordkoreanischer Ertragsdichte dargestellt werden kann.

 

Dem Grundgedanke der schädlichen Monopolisierung jedoch tut dies keinen Abbruch. Um der Analogie des Pflanzenwuchs zu folgen, könnte man sich den fortgeschrittenen Kapitalismus als derart von Baumgiganten überschatteten Urwald vorstellen, dass an seinen Grund kein Lichtstrahl mehr fällt und sämtliche Keime im ausgelaugten Boden verdorren. Nun beherbergt ein Urwald allerdings in vielerlei Nischen zahlloses Leben und man könnte geneigt sein anzunehmen, dass der Kapitalismus, nur mit diesem Makel behaftet, durchaus überlebensfähig sein könnte. Da jedoch präsentiert sich das Problem Nummer 2:

 

Die optimale Welt des Kapitalismus ist eine Scheibe. Hier kann er fröhlich wachsen und sich grenzenlos ausdehnen, denn Wachstum ist im Kapitalismus immanent, ohne dieses gäbe es keine Kredite, Zinsen und Rendite, kurz, der Kapitalismus regelte sich ziemlich schnell in einen dem Kommunismus ähnlichen Notverwaltungszustand runter. Nun ist die Welt aber keine Scheibe, sondern eine Kugel. Diese hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie ist begrenzt. Und dies gerät in Konflikt mit dem Kapitalismus, der aus seiner Natur heraus exponentiell wachsen muss. Selbst bei einem äusserst bescheidenen weltweiten Wachstum von 2% jährlich würde sich die Weltwirtschaft alle 35 Jahre verdoppeln.

 

So geraten wir gegenwärtig recht hurtig in die Zwickmühle der Ressourcengrenzen von Boden, Wasser und Rohstoffen, allen voran Energie. Sind Ressourcen nicht mehr billig zu haben, stagniert das Wachstum und der Kapitalismus wird zu einem hungrigen, gereizten Tier das sich sträubt, in den unvermeidlichen Käfig der Notverwaltung gesperrt zu werden. Daher ist Peak Oil auch grundlegender als Islamismus, man muss verstehen, dass die Mullahs ihre Macht aus ihrer Kontrolle über das Öl ziehen und einem bereits angezählten Gegner gegenüberstehen. So etwas macht natürlich Hunger auf den Endsieg Allahs.

 

Wenn wir also unser relativ freies und einigermassen gut funktionierendes Wirtschaftssystem - und womöglich unsere gesamte, mit ähnlichen Attributen ausgestattete Gesellschaft - aufrechterhalten wollen, müssen wir an diesen zwei Punkten ansetzten: Ein wachsames Auge bei der Entwicklung von Monopolen haben und demokratische Mechanismen nutzen oder entwickeln um diese zu kontrollieren. Des weiteren müssen wir dringend energetisch unabhängig werden von Regionen zweifelhaften Rufes. Nur dann haben wir eine Chance, dass der Kapitalismus auch auf einer Kugel funktioniert und die Notwendigkeit all die Organe erzeugt, die uns dafür noch fehlen.

 

 

27.10.

 

Herr Tausendacht wird ernst

 

Jetzt hat die extreme Rechte also endlich ein Thema gefunden, das die "schweigende Mehrheit" des Landes wohl hinter vorgehaltener Hand gutheisst. Salafisten jagen. Und hinter all der ach so politisch korrekten Maskerade von Tagesschau bis CNN bekommen die Hools und ihre Gönner auch noch kriegspropagandistische Unterstützung: Nur ein toter Islamist ist ein guter Islamist - denn ohne diese Losung kann der Krieg gegen ISIS (ja, es ist nun mal ein solcher) nicht gewonnen werden. Und schon wird an der Heimatfront ebenfalls gekämpft, so schnell geht das, wenn auch ganz anders als in Kanada.

 

Wohin das führt?

 

 

Zum grossen Schlagabtausch zwischen Abend- und Morgenland, fürchte ich. Wenn wir jetzt nicht aufpassen wird da etwas losgetreten, vor dem es kein Zurück gibt, ob uns die gegenwärtige Politik nun passt oder nicht. Das wäre, im wirklichen Wortsinn und nicht bloß rhetorisch, fatal. 

 

 

21.10.

 

Herr Tausendacht über den Sinn des Lebens


Die Katzen bekommen Hundefutter. Jawohl. Eine große Dose täglich, für fünf hungrige Mäuler. Ist halt billiger als die kleinen Katzenportionen, bei identischem Inhalt und gleicher Qualität, direkt aus den Abfallcontainern der Schlachthöfe. Auch die Fliegen mögen es. Wenn ich abends die zweite Ration in die kleinen Schälchen verteile, haben die Fliegendamen bereits beflissentlich ihre Eier am Rand der immer noch zur Hälfte mit sämiger, entfernt nach Gulasch riechender Masse gefüllten Dose abgelegt. Strahlend weiß und in Reih und Glied kleben dort die Larven wie fröhliche Miniaturskulpturen irgendwo zwischen HR Giger und Tony Cragg. Man spürt förmlich die Lust, welche die Insekten beim Gebären verspürt haben müssen. Können Fliegen einen Orgasmus haben? Die Männchen zweifellos beim Begatten, warum sollten sie sich sonst die ganze Mühe machen, aber die Weibchen werden erst beim Eierlegen belohnt, dessen bin ich mir sicher. Heute waren sie besonders fleissig gewesen und schwammen obendrein noch tot im braunen Saft. Gewiss mit Absicht. Ihr Lebenssinn war erfüllt, nichts konnte ihre Lust noch steigern, es sei denn der süße Freitod in diesem Schlaraffenland der Köstlichkeiten.

 

 

12.10.

 

Herr Tausendacht hört's gunthern

 

 

der Gunther, ach, der Gunther, 


der holt sich fröhlich einen runter


Gestatten, sagt er, ich bin Sachs


und liebe Champus, Koks und Lachs


zudem, das ist doch sonnenklar,


wichs ich mich nur bei Kaviar




Zuvor fahr ich die Harley aus


ich rase los in Saus und Braus


am Po klebt mir Brigitte galant


so cruisen wir durchs Franzenland


doch fällt so schwer das Penetrieren


zwecks Deutschfranzosengenerieren




Selbst wenn ich die Bardot geschwängert


Mein Leben hätt' es nicht verlängert


nun hab ich kein Organ mehr stehn'


allein es schwillt ein Grenzproblem


Die Front,  sie ist jetzt national


Merci Le Pen - und hart wie Stahl!

 


 

30.09.

 

Herr Tausendacht über Geschichte


Meine kleine und unerträgliche Heimatstadt Arnsberg, im Grunde rechtskonservativ bräunlich, verhält sich dank ihrer provinziellen Engstirnigkeit doch immer mal wieder lobenswert grassroot-anarchistisch. Schliesslich muss das interne Schisma zwischen Katholiken und Protestanten, also zwischen inzestuös degenerierter Urbevölkerung und aufgepfropftem Preussischen Beamtentum, ja auch mal zu etwas gut sein.


Arnsbergs erste historische Leistung der Neuzeit war eindeutig das Strafmandat, welches hiesige Beamte während der WM 1996 Diego Maradona auf der A 44 wegen zu schnellen Fahrens verpassten. Dabei wurde vollkommen ausser Acht gelassen, dass Herr Maradona wenige Jahre zuvor bei seinem Kokain-Entzug auf Kuba von Fidel Castro persönlich in die hohe Kunst des Vodoo eingeführt worden war. Der berühmte Revolutionär wiederum hatte die Weihen eines Hohepriesters im Angolakrieg erhalten, im Blut eines Elefanten badend, wodurch seine Kubanische Sippenherrschaft bis zum heutigen Tage zementiert wurde. Der geneigte Leser möge diese Praktiken bitte nicht als fotogene Folklore abtun, es werden dabei grössere Kräfte in Bewegung gesetzt, als zum Beispiel der junge Milarepa in seiner impulsiven Freizeitzaubereri je angewendet hat. Das Ergebnis des auf das Arnsberger Knöllchen folgenden Argentinischen Zornesausbruchs jedenfalls, Deutschlands bescheidener 3. WM-Platz, ist noch in unser aller Gedächtnis.


Gegenwärtig, in der gedehnten Prä-Kriegsphase des Einsatzes gegen die islamistischen Horden der ISIS, in welcher sich Frau Von der Leyen gerne als geschwächte, brustamputierte Amazone mit leerem Raketendildo hinstellt den kein Hubschrauber mehr hochkriegt, so die Notwendigkeit signalisierend, dringend für die bröckelnde Infrastruktur benötigte Gelder in die Rüstung umzuleiten, latscht das Arnsberger Beamtentum zum Glück geradezu zielstrebig in ein Näpfchen voll ranzigen Frittenfetts des nationalen Dönerbudenkollektivs und versaut die allgemeine Aufbruchsstimmung in den heiligen Kampf mit einem postmilitaristischen Trauma: dem »Abu-Ghuraib von NRW«. Wer sonst auch hätte eine derart schlampige und vulgäre Sicherheitsfirma zum »Schutz« von Immigranten unter Vertrag nehmen können als der hiesige Apparat, immerhin flächenmässig der grösste im Bundesland.


Es ist wohl an der Zeit, aus Dank für die wunderbare hiesige Geschichtslegasthenie, um das Wort »Schreibung« zu vermeiden, dem lokalen Karnevalsverein beizutreten. Schützenverein und Heimatbund müssen sich allerdings noch etwas gedulden um meine Mitgliedschaft zu erheischen, stehen sie sich doch mit ihrer Ernsthaftigkeit einfach noch zu sehr selbst im Weg. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denn eines Tages, da bin ich mir sicher, fliesst die Ruhr gen Winterberg.

 

 


25.09.

 

Herr Tausendacht über Isis


 

Da stand ich also in dem aus chaotischer Stilvielfalt zusammengesetzten Bauwerk, vor der Wand des zehneckigen Kuppelbaus aus Römischer Zeit, der noch heute den Grundriss definiert. In einer der im Krieg zerbombten Säulen hat man einen Stein gefunden, der der Ägyptischen Göttin der Geburt, Wiedergeburt und Magie geweiht worden war, Isis. Einer ebenfalls gefundenen Münze zu Folge liess sich der Einbau des Steins auf bereits christliche Zeit datieren.

 

Nur wenige Generationen zuvor waren an dieser Stelle Christen noch blutig verfolgt worden, die Weigerung, an diesem Gemetzel teilzunehmen, bezahlte der Legionär Gereon damit, dass sein Kopf vom Rumpf getrennt wurde, etwas, was ja bekanntlich auch heutzutage noch in Isis Nähe geschieht. Besagte Weigerung brachte Gereon, oder was von ihm übrig war, den Titel eines Heiligen ein und er wurde Namensgeber der hier später geweihten Kirche.

 

Während seiner Umformung von Legionär in Heiligen kam sein Blut mit einer der Säulen in Kontakt, der heutigen Blutsäule. Der Legende nach kann sie nur derjenige ohne schädliche Folgen berühren, der reinen Herzens ist. Napoleon wollte sie dereinst in Paris habe, ob, um sich zu prüfen, ist unbekannt. Doch die Säule ging beim Transport zu Bruch und da Franzosen ja bekanntlich nichts von halben Sachen halten, wurde sie, nun unfreiwillig gekürzt wie der für ihre Eigenschaften verantwortliche Gereon, erneut in den geweihten Gemäuern aufgestellt.

 

Vorsichtig streckte ich die Hand aus und berührte den kalten Stein. Mein Gaumen begann zu kribbeln und eine Verbindung in den endlosen Raums stellte sich ein. Doch spürte ich weder Schrecken noch Schmerz, war Gereon, wie alle wahren Märtyrer, doch voller Mitgefühl für seine Henker gestorben. Nur die unbarmherzige Wahrheit der Vergänglichkeit aller Dinge war präsent, hier, unmittelbar neben dem Fundort des Weihesteins der Göttin. Denn Isis herrscht nicht nur über das Leben, sondern auch über den Tod.

 

 

09.09.

 

Ein besonderer Tag     

 

»Haben Sie mal zehn Cent für mich?«, fragte der junge Mann die alte Frau. Er zog entschuldigend sein Handy hervor. »Es ist leer, ich müsste aber mal dringend telefonieren.«

 

Die alte Frau sah ihn, auf ihren Rollator gestützt, misstrauisch an. Er war Anfang zwanzig, braungebrannt, das Haar zu einem peniblen Undercut geschnitten, die Tapered Jeans endeten in weissen Turnschuhen der Marke Nike, am Oberkörper trug er eine himmelblaue Sportjacke von Adidas. Er machte einen gepflegten Eindruck. Das war die Hauptsache. Sie zog ihr Portemonnaie hervor und war dabei es zu öffnen, als der Mann es ihr aus der Hand riss und davonrannte.

 

Als wäre der Rollator eine motorisierte Beschleunigungshilfe, setzet ihm die Frau, immerhin schon über achtzig, nach dabei »Hilfe! Ich bin bestohlen worden!«, schreiend.

 

Ein Nachbar, der sich gerade in seinem Auto befand, nahm die Verfolgung auf und konnte sehen, wie der Täter weiter unten im Tal in einem Haus verschwand. Wie sich herausstellte, in seiner eigenen Wohnung, die der Vermieter, langjähriger Getränkelieferant der alten Dame, bald darauf für die Polizei mit seinem Nachschlüssel öffnete, die im Inneren Täter wie Beute in Gewahrsam nahm.

 

In der Zwischenzeit war ich über die Ereignisse in Kenntnis gesetzt worden, als ich auf die Strasse getreten war um einen guten Freund zu treffen, der, nach einer beruflichen Niederlage, einen kleinen Spaziergang nötig hatte. Nun stand ich bei der alten Dame, meiner Mutter, die sich zitternd an ihrem Rollator festhielt, während eine kleine blonde Polizistin konfus die umherstehenden Zeugen und Schaulustigen herumkommandierte. Bald fand sich auch mein guter Freund, der mir entgegengegangen war, ein. Seine Nerven lagen blank.

 

»Nun regen Sie sich mal nicht so auf und erzählen eins nach dem anderen«, herrschte genau in diesem Moment die Polizistin meine Mutter an, die daraufhin sprachlos in Tränen ausbrach.

 

Die Knöchel an den geballten Fäusten meines guten Freundes wurden kalkweiss und ich fragte mich, ob ich nun mit ansehen würde, wie die vorlaute Bullette eine wohlverdiente Tracht Prügel bekäme. Vorsorglich holte ich eine Flaschen Bier aus dem Keller und positionierte meinen Freund in einer ruhigen Einfahrt.

 

Als dem Protokoll Genüge getan war, Polizei und Schaulustige sich verzogen hatten und mein Mutter einigermassen beruhigt in ihre Wohnung zurückgekehrt war, holte ich noch mehr Bier aus dem Keller und begann mit meinem guten Freund endlich den anvisierten Spaziergang.

 

Auf einer Bank mit Blick auf den Segelflugplatz machten wir Rast und entkronten unsere Flaschen, während ein kleiner grüner Traktor die Landebahn mähte.

 

»So etwas ist mir in meinem ganzen Berufsleben noch nicht passiert.« Mein Freund war zutiefst verstört. Er hatte sich solche Mühe gegeben, aber der Kunde hatte seine Entwürfe mit einer verächtlichen Geste vom Tisch gewischt. Schweigend sahen wir dem Traktorfahrer bei seiner Arbeit zu. Wir hörten auch zu.

 

»Er sollte mal hochschalten, in dem Gang, in dem er jetzt ist, könnte er glatt ein Kuh über die Piste schleifen«, knurrte mein Freund und steckte sich den Finger der freien Hand ins Ohr, während er einen Schluck aus der Flasche nahm.

 

Ich versuchte, ihn mit einer Geschichte aufzuheitern, die mir ein wohlbekannter altehrwürdiger Bürger höchstpersönlich erzählt hatte. Dieser war nämlich angeklagt worden, in das Gartenhäuschen eines hiesigen Ex-Pfarrers eingebrochen und daraus Viagra entwendet zu haben. Er hatte es mir keineswegs beschämt, schon gar nicht schuldbewusst, sondern eher stolz erzählt, was viel über sein Alter aussagt, welches eben schon recht jenseits aller fleischlichen Versuchungen liegt. Grund für die Anschuldigung war wohl die Beschwerde eines Nachbarn, der sich durch die leidenschaftliche Hingabe des Ex-Pfarrers zur Freikörperkultur visuell belästigt gefühlt hatte. Unklar ist allerdings, ob das später verschwundene Viagra für eine besonders herausragende Anstössigkeit gesorgt hatte. Jedenfalls versuchte unser altehrwürdiger Bürger in dieser Situation zu vermitteln, wollte jedoch keinesfalls dem Ex-Pfarrers den Namen des Beschwerdeführers preisgeben, woraufhin der ehemalige Mann Gottes wohl auf Rache gesonnen und den alten Herrn des Vandalismus und des Diebstahls von Erektionshilfen beschuldigt hatte.

 

»Ein alter Hut«, brummte mein Freund übellaunig. »Darüber habe ich mit dem Alten schon vor einem halben Jahr gelacht.«

 

Ich zuckte mit den Achseln. Da musste ich wohl mal wieder für längere Zeit auf Reisen gewesen sein. Wir tranken schweigend und sahen und hörten dem Traktor beim Mähne zu. Endlich war die Landebahn geschoren, der Motor verstummt, das Bier hatte uns entspannt und die Stimmung meines Freundes wagte gerade eine leichte Aufwärtsbewegung, als ein Fahrrad hinter und bremste. Es war ein alter Bekannter, seine Augen waren gläsern, in der Plastiktüte am Lenker klapperten leere Bierflaschen. Stumm reichte er uns seine wie eine überdimensionale Maulwurfsklaue geformte Hand.

 

»Na, kommst Du aus dem Garten?«, fragte ich ihn.

 

Er blickte mich stumpf an, ich bin mir sicher, dass sein Lippen versuchten, ein Wort zu formen, es reichte jedoch nur zu einem tiefen Grunzen. Dann stürzte er kopfüber vom Rad, rollte über unsere Bank, nutzte die davor stehende Mülltonne für einen weiteren Überschlag und kam im hohen Grass zu Liegen. Mein Freund sprang auf.

 

»Ich muss hier weg!«, rief er und fügte mit zitternder Stimme hinzu: »Das ist einfach zu viel.«

 

Ich nickte, brachte ein ersticktes »Hmmmh« hervor bei dem Versuch nicht lauthals loszuprusten und stand ebenfalls auf. Unser Bekannter nahm benommen Platz auf der Bank, die eben noch die unsere gewesen war, ich opferte ihm mein letztes volles Bier, wünschte ihm einen guten Tag, und machte mich mit meinem Freund davon.

 

Keine hundert Meter weiter zündeten unsere blankliegenden Nerven wie Feuerwerkskörper und wir begannen vor Lachen zu brüllen. Was für ein Tag, es konnte nur noch besser werden. Zum ersten Mal seit Wochen hatte sich die Sonne für längere Zeit herausgewagt und die Menschen schienen wahnsinnig geworden zu sein.

 

Wir fanden unser Refugium an einem Tisch des Windsor Pubs mit Blick auf den spärlichen Verkehr des Neumarkts. Das Bier lief aus grossen Gläsern durch unsere Kehlen, während in einer Ecke eine Krähe auf die Gelegenheit wartete, die dort herumstehenden Müllsäcke zu plündern.

 

»Irgendwas wird heute noch passieren«, sagte mein guter Freund. »Ich spüre es genau.«

 

Ein schöner, alter, ozeanblauer Lancia Fluvia bog auf den Neumarkt und begann seine Rundreise auf der wie ein grosser, eckiger Kreisverkehr um den Platz führenden Strasse. Als das Coupé vor uns vorüberfuhr, applaudierten wir anerkennend und erhielten im Gegenzug vom Fahrersitz her das strahlende Lächeln einer bildhübschen Mulattin geschenkt.

 

Nichts weiter mehr geschah an diesem Tag, die Sonne ging unter, Frieden und Stille lagen über der Stadt, kein weiteres Verbrechen wurde verübt, kein Betrunkener torkelte durch die Gassen. Nur an meinem Fuss juckte es ein wenig.

 

Am nächste Tag, ich duschte mir gerade den Schlaf vom Körper, entdeckte ich die Ursache des andauernden Juckreizes. Das augurieren meines Freundes war in Erfüllung gegangen, es war doch noch etwas passiert gestern. Eine Zecke steckte in meinem Fuss und spreizte vor Freude alle Beine von sich wie ein Fallschirmspringer. Sie musste sich am Segelflugplatz in meinen Schuh gestürzt haben. Beim Versuch sie zu entfernen blieb ihr Kopf in meiner Haut stecken, der Fuss schwoll rot und dick. Den Nachmittag verbrachte ich bei meiner Hausärztin, die mir fröhlich mitteilte, dass ich, sollte ich an Borreliose erkranken, eine neunzigprozentige Heilungschance hätte.

 

»Na«, dachte ich. »Immerhin besser als Russisches Roulette.«

 

 Der Tag war dabei, eindeutig betulicher zu verlaufen, als der vorhergehende.