Vom Atem des Wassers

Heut will ich der Atem des Wasser sein. Träge sind seine Augen und sagen: Hingabe, bevor sie untertauchen ins weiche Element, vom Licht durchdrungen bis auf den Grund ist das Wasser, worin meine Glieder sich verflüssigen, bis auf den Grund, wo der schlafende Tiger den Traum der Glückseligkeit träumt. Ich sehe noch Blasen aufsteigen aus seinem halb geöffneten Mund, und ein Zittern des Schnurrhaars, bevor ich in den Tag hinaustrete, um den Traum aller Träume zu träumen: Realität. Ich nehme den Putzeimer in die Hand.

Geduld und Verwandlung

 

Bei der grünen Viper sitzen

 

Bis sie weiß wird

 

Bis ihr Flügel wachsen

 

Bis ihr Biss zum Kuss wird

 

Und ihre Knöpfe Augen

 

Die dich anlächeln

 

 

 

Beweg dich nicht

 

Wenn du bei ihr sitzt

 

zeig auf keinen Fall Angst

 

so reglos ihr Ring auch ist

 

nur scheinbar totenstarr

 

Sie könnte zuschnappen

 

 

 

Tu nichts, greif nicht ein

 

Schütz ihr Opfer nicht

 

 Denn wenn sie ihr Gift spritzt

 

ist dein Kampf schon verloren

 

der Kampf des Wartens

 

der Kampf der Verwandlung

 

 

 

Schau sie dir an und urteile nicht

 

über die giftgrüne Viper

 

Sie ist ein gefangener Engel

 

Bedrohter Überrest roher Gewalt

 

aus dem Brunnenloch der Jahrhunderte

 

stumm Gerechtigkeit fordernd

 

Da ist ihr jedes Mittel recht

 

 

 

Lass uns still sein

 

Wenn wir bei der grünen Viper sitzen

 

Lass uns Wein opfern und

 

Schnüre zum Himmel spinnen

 

Bald schon bald

 

Wird sie als lächelnde Lichtgestalt

 

Den Kelch der Wahrheit ausgießen

 

 

 

© Text: Brigitte Hallbauer Bild: www.aaskolnick.com

 

Erwartete Heimkehr

Ein paar Worte an dich, bevor du kommst, denn der fremde Puls, auf dem meine Hand liegt, antwortet nicht und vor dem Lärm, der mich umtobt, kann ich nicht fliehen und dein Durst ist in der Heimatlosigkeit nicht zu stillen, versteh doch, warte noch, hab Geduld.
Immer muss ich Geduld haben, sagst du, immer werde ich aufgeschoben, sagst du, aber versteh doch, es sind die Horatier und es schmerzen die Amputationen der Liebe. Die Horatier werden die blutigen Stumpf der Liebe austrocknen. Das ist ein Trost, dass sie stirbt unter schwindender Aufmerksamkeit, wie oft wünschte ich, es sei anders gewesen, doch ich vertraue und leiste keinen Widerstand.
Nenn es nicht Liebe, sagst du. Und wie recht du hast. Doch gewisse Verwechslungen halten sich hartnäckig, obgleich ich weiß, dass dein Durst anders zu stillen ist. Versteh doch, warte und hab noch Geduld.
Ach ich hab dich gesehen auf deinen Wolkenflügeln. Du hast mich gerührt mit deiner Leichtigkeit, du hast mich mit Tränentau besprüht. Ich sperrte meinen Mund auf; an der Wurzel meines Durstes war es dunkel, und die Labsal deiner Worte prickelte auf meiner Zunge und der Regenbogen hatte weder Anfang noch Ende mit dir.
Nachts will ich nicht schlafen, sondern schauen, was die Feuersäule deiner Gedanken macht, die meine Seelenminen aufspürt und sprengt wie die eisernen Fesseln des Wagenlenkers. Tags gehst du mir in Wolken voran und denkst meine Gedanken bis sie weiß werden und licht.
Bald, bald führ ich dich heim wie ein Nneugeborenes, dünnhäutig und blass. Bald werde ich dich schützen, kleiden und mit meiner Liebe füttern. Bald werde ich mein festlich geschmücktes Haus für dich öffnen. Schau wie es glänzt. Die Spinnweben sind fort und die Lichter angezündet. Sieh doch, wie alles schon lang auf dich wartet mit der Sehnsucht der Katzenmutter nach ihren Kindern, so führ ich dich heim…

 

(c) Text und Bild: Brigitte Hallbauer

Was ist eine Schamanenjurte?

Eine kleine Einführung für die neuen Hotelgäste unter uns. Eine Schamanenjurte ist nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Das Schlafzimmer liegt zum kalten Norden hin, weil es dort drinnen oft sehr heiß hergeht. Eigentlich ist aber die ganze Hütte nichts als ein dicker Bauch, in dem alle Kinderlein Platz haben, die brav sind. Das Klo liegt zum Süden, dertraditionell Mutter Erde zugeordnet, ist, die jeden Scheiß aufnimmt und verarbeitet. Nicht zu verwechseln mit der Schamanen-Mutti, welche dir ordentlich was auf die Löffel gibt, wenn du deinen Scheiß  über ihr auskippst. Apropos Löffel. Der Herd befindet sich in der Mitte, dort werden die glühenden Steine verzaubert, sodass sie alle Sünden der Jurtenbewohner durch den Kamin ins All schicken mit dem Wasserdampf. Aber nur wenn Schwitzhütte ist. Wer an diesem Tag Kaugummi gekaut hat, darf nicht rein. Pippi bleibt also draußen.

Wenn die ganze Hotel-Sippe zusammenkommt, geht das säuberlich getrennt. Männlein zur linken, Weiblein zur rechten Seite der Jurte. Nicht wie im Hotel, wo wo alle sofort ins Freudenzimmer wollen. Ts, diese Bagage. Grade ich eine Gruppe fanatischer Bergwanderer angekommen und möchte natürlich wo kampieren? In der Schamanen-Jurte.

Die Rezeption spendiert ihnen ein Bier und erlaubt ihnen, ihre Zelte im Garten aufzustellen. Die Hotelküche delegiert zwei Aushilfen  dort hin. Die werden den Herrenclub mit Kochtöpfen und Kochlöffeln rhythmisch bespaßen bis zum Zapfenstreich.

So, hoffentlich sind nun wieder alle Gäste zufrieden.

STILLE

Heute treffe ich mich mit der Stille
sie ist nicht an die Nacht gebunden
oft findet sie aber keinen anderen Ort
in der Stille fühle ich Antworten aufsteigen
wie Trost spendende Sterne
und ich lausche dem Raunen des Alls
das über meine Ohren
durch meine Körperbahnen strömt
(c) Brigitte Hallbauer

Zeit und Gesetz

Was ist schon Zeit? Was ist Gesetz?
Die Zeit ist dein Engel
Der auf der Nadelspitze der Ewigkeit tanzt
Zeit ist dein, wenn du den Feind grüßt
Auf der anderen Seite des Atems
Wenn er das Fenster öffnet
Zwischen Einatmen und Ausatmen
Du zögerst den Augenblick gern hinaus
Um deinen Gedanken zu lauschen
Eigenen und fremden im Ahnenblut
Das durch deine Adern rauscht
In stur wiederholten Zyklen
Ach deine Gedanken sind Sterne
Im Strom der Zeit
mit denen du dein Weltall gestaltest
wenn sie zu Worten werden
und diese zu Taten, Gewohnheiten
deinem Charakter
heilig ist die Reinheit des Worts
Und du bist sein Schöpfer
Während du –
einen Augenblick Ewigkeit lang
auf der Nadelspitze der Zeit tanzt
 
(c) Brigitte Hallbauer

Neumond

 Kontraktionen des Fleisches,

 Uferlos brandet Blut

 Auf die dunkle Herztrommel zu.

 Still ist’s zwischen den Räumen.

 Es verebben die letzten Atemzüge des Traums,

 der den Saft in kahle Zweige treibt.

 Sieh wie die Fratzen rollen.

 Sie fallen vom kahlen Geäst

  tote Winterfrucht

 Der Fluss spült sie fort
Zerstört die Gärten von Trost und Freude.

 Es zuckt der Erde aufgerissenes Fleisch,

 bei lebendigem Leib gehäutet

 Berge, Vulkane, ein ansteigender Wald,

 im wütenden Wundbrand erlöschend

 Schlachtopfer der Gier

 Hinrichtung der Todfeindin Frau
Mich dauert kein nahendes Ende mehr.

 Alles was blüht welkt,

 alles was ist, vergeht.

 Was geschützt war, wird schutzlos

 ITS macht palliativ

 

Mondlied

Ich grüße dich Mondin

 

Ich fühle dich, Mondin

 

Zu dir schau ich auf, Mondin

 

Dir singe ich, Mondin

 

Die du am Himmel stehst

 

Die du die Wasser ziehst

 

Die du die Sterne regierst

 

Und die Erde entschleunigst

 

Auf deinem Lichtstrahl reise ich,

 

Nachtlicht der Schlaflosen

 

Trost der Einsamen

 

Heimat der Liebenden

 

Verheißung der Hoffenden

 

Großmutter des Kosmos

 

Mit den vielen Gesichtern

 

Ich danke

 

Danke für die Fülle

 

Danke für die Leere

 

Danke für das Licht

 

Danke für die Dunkelheit

 

Danke für die Freude

 

Danke für den Schmerz

 

Danke für die Geschenke

 

Danke für die Verluste

 

Danke fürs Einatmen

 

Danke fürs Ausatmen

 

Danke fürs Anschwellen

 

Danke fürs Schrumpfen

 

Danke für den Regen

 

Danke für die Sonne

 

Danke für die Kälte

 

Danke für die Wärme

 

Danke für die Klarheit

 

Danke für die Verwirrung

 

Danke für die Zyklen

 

Danke für die Bewegung

 

Danke für die Ordnung

 

Das auf und nieder

 

Das hin und her

 

Das vor und zurück

 

Die Leichtigkeit und die Schwere

 

Das Öffnen und Schließen

 

Das Leben und Sterben

 

 

 

DANKE

 

 

 

© Text und Bild: Brigitte Hallbauer

 

Von Liebe und Tod

Liebe lässt sich nicht kaufen

 

Auf Liebe zu hoffen ist Abwehr

 

Abwehr verleugnet sich selbst

 

Leugnung ist Selbstschutz

 

Selbstschutz gebiert Stillstand

 

Stillstand mündet in Krankheit

 

Krankheit mündet im Tod

 

Der Tod öffnet die Augen:

 

Liebe ist immer schon das gewesen

 

Könige und Königinnen im Bettlergewand

 

Standen wir am Straßenrand des Lebens

 

Hielten den Hut auf

 

Für ein bisschen Liebe

 

Blind für unseren eigenen Reichtum

 

Der Tod öffnet die Augen

 

Der Tod ist ein guter Begleiter

 

Der Tod ist Abwesenheit

 

Der Tod sagt: Das Ende ist gültig

 

Der Tod sagt: Lebe! Und Lebe wohl!!

 

 

 

© Text: Brigitte Hallbauer

 

Seegras…

 

Kind, ich nenne dich Kind,

egal wie viel Jahre

auf deinem Körper geschrieben stehen.

Es liebt dich der Ozean

wenn der blau grüne Wasserengel

mit Unterarmen und Händen

das salzige Seegras über dich breitet

über deine Haut schwingt

in jede Zelle grün-blaues Licht schwemmt

und wie Brandung über dich streicht

im Puls der See…

auf und nieder…

vor und zurück…

 

Reinige, salziges Seegras, reinige …

 

während du träumst ohne zu schlafen

zieht dich der Wasserengel

mit sanften Tentakeln in die Tiefe

wo du dich treiben lässt

wie grünes salziges Seegras

beglückt, ein Tiefenrausch

aus dem du nur zögernd erwachst

und dann wie ein Neugeborenes

dich umblickst, wild entschlosse:

 

„Jetzt Eis Essen und Schaukeln“

 

 

Von Bildern und Worten...

Es sind nicht die Worte, es sind die Gefühle hinter den Worten, das, was uns antreibt, sie auszusprechen, achtet nicht auf die Worte. Auch sind es nicht die Bilder, es sind die Gefühle hinter den Bildern, das, was sie entstehen lässt, so wie der Durst in der Wüste, die Halluzination von Wasser treibt und der Hunger die Mauersteine zu Broten werden lässt, so lässt der Schrei unserer Seele nach Gesundung, nach Erlösung, nach Einssein mit Gott, die Wege aufleuchten, die dahinführen. Versuch nicht, sie zu verstehen. Die Bilder und Worte sind zweitrangig. Ja, und die Dualität ist ein Teil unseres Menschseins. Wir müssen nicht ewig in der Höhle der verlorenen Seelen die Spinnweben zerreißen, alles verändert sich ständig, unsere Kleidung, die Farben, die Konsistenz, wir steigen auf und fallen nieder, wir kämpfen und kapitulieren, wir werden an die Hand genommen und im Stich gelassen, doch eine Aufgabe bleibt unausweichlich bis zum Schluss: Die Versöhnung mit der Mutter. Keiner kann ihr ausweichen, der unerbittlichen Notwendigkeit zur Einswerdung mit ihr, mit uns selbst. MAMA. Warum? Warum wurden wir je getrennt? Weil du auf die Welt kommen durftest, Kind, allein deshalb, und jeden Tag neu …

Im Fluss sein...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In unserer Unvollkommenheit

 

sind wir vollkommen

 

Im Ausleben unserer Stärken

 

verlieren unsere Schwächen an Bedeutung

 

 

 

Was zu uns gehört

 

kommt zu uns

 

wenn wir in Liebe sind

 

wenn wir auch unser Teuerstes

 

Jederzeit loszulassen bereit sind

 

 

 

Denn es kehrt wieder,

 

was wir verloren glaubten

 

und es bleibt fort, was uns hemmt

 

zur rechten Zeit am rechten Ort

 

 

 

Wer sich hingibt

 

muss nichts festhalten

 

wer loslässt

 

um nichts mehr kämpfen

 

 

 

Wer keine Ansprüche hat,

 

besitzt ohne zu besitzen

 

wer nichts erwartet,

 

fischt seine Geschenke aus dem Strom

 

 

 

lasst uns die Hände öffnen

 

und die Fülle empfangen

 

die uns umgibt

 

 

 

Denn wer durstig ist

 

fragt nicht nach dem Namen des Wassers

 

 

©Text und Bild: Brigitte Hallbauer

 

Mein Herz hat einen Reißzahn...

... das macht mich traurig. Ich steh im Schatten meiner Liebe und kann nicht erwarten, bis sie abhaut. Das macht mich traurig.
Es schreit der Hunger in mir und ich weiß nicht, wie ich ihn stillen soll. Das macht mich traurig. Was wenn ich einfach jetzt nur hier sitze und schaue, wie die Sonne ihre Bahn zieht?
 
Und dann spricht das Kind: „Sie haben mich allein gelassen, ignoriert und gestraft. Sie haben mir Schmerzen zugefügt, bis ich aufgehört habe, zu schreien. Jetzt räche ich mich. Ich hol mir, was ich will, koste es was es wolle. Und wenn sie es mir freiwillig nicht geben, dann…“
 
Die Antwort ist Liebe. Sie macht weich, was hart ist. Sie stärkt, was schwach ist. Sie verwandelt, was wachsen will. Sie wärmt, was kalt ist. Sie beleuchtet, was im Dunkeln liegt. Sie vertreibt die Nebel und bringt Klarheit. Die Liebe spricht zu mir. Ich spreche mit der Liebe. ich schreibe ihre Namen ins Wasser, das uns umgibt und sage:
 
„Du kannst die Liebe nicht erzwingen, Kind. Du wiederholst nur den Schmerz. Um der Liebe willen lass los! Du kriegst, was du brauchst. Du wirst gehört, wenn du sprichst. Du wirst satt, wenn du hungrig bist. Das verspreche ich dir. Glaube mir! Und ich weiß, hier verlange ich viel von dir.
Sieh doch: Du badest in Liebe und weißt es nicht. Du atmest Liebe, und fühlst es nicht. Du begegnest der Liebe auf Schritt und Tritt, und suchst doch nach ihr. Sie riecht nach Orangen, Fichtennadeln und Zimt. Öffne die Augen. Öffne dein Herz.
 
Ich trage dich auf den Armen des Wassers, mein Kind, und nähre dich mit den Gaben der Erde. Gib mir deinen Schmerz. Ich streichle dich mit den Flügeln des Windes, und wärme dich mit dem Feuer meines Herzens. Lehn dich an meine Brust. Ich bin das Wasser, aus dem du geboren wirst, und worin dir jetzt eine Haut wächst. Halt dich fest an mir, bis sie fertig ist. Ich bin die Quelle deines Atems, Heilerin deiner Wunden. Ich trage die Fackel der Freude zu dir. Werde stark in mir.
Du bist ich
Ich bin du
Wir sind Eins, solange das Endliche sich mit dem Unendlichen vereinigt im Tempel unseres Körpers. Ich fordere, dass deine Seele satt wird mein Kind. Möge meine Liebe deinen Hunger stillen. Mögen meine Arme die Angst auflösen, aus der der Reißzahn deines Herzens gemacht ist.
 
Wir danken dem Wasser. Du hast uns gereinigt. Wir danken dem Himmel, du hast uns die Freundschaft der Wolken geschenkt. Wir danken den Pflanzen, ihr habt uns getröstet. Wir danken dem Wind, du hast uns gestreichelt. Wir danken der Sonne, du hast dein Licht in unseren Atem gegossen und jede Zelle damit erhellt, sodass die Dunkelheit floh, als sei sie nie gewesen.
 
Amama*
 
(*Hawaiianisch „so sei es“)
 
© Text und Bild: Brigitte Hallbauer
 
 
 

Erleuchtung...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer Worte hat für das Leid, überwindet den Groll.

Wer umarmen kann ohne besitzen zu wollen, liebt ohne zu leiden.
Wer fühlt und sagt: „ich fühle nicht“, misshandelt sich selbst.
Unersättlichkeit ist eine Blume der Lüge
Gier wirft sein Neonlicht auf das verleugnete Gut.
Besitz und Besessenheit können Angst nicht heilen.
Abhängigkeit ist ein Kind des Selbsthasses.

Wer zerschneidet die Fesseln mit dem Schwert der Klarheit?
Wer wirf das Licht der Liebe auf den Sumpf?
Wer führt das Kind aus der Dunkelheit?
Wer öffnet die Türzur Schönheit des Jetzt?

Die Füße im Wasser fragst du das Meer: Gib mir Klarheit.
Du drehst dich um und steigst auf den Berg
Von ferne schon ruft dich ein strahlendes Licht:
Ein Leuchtturm, mächtig und hoch.

Du öffnest die Tür und gehst hinein.
Du wirst leicht und rein im Licht.
Du badest darin und staunst wie ein Kind
du gehst in die Knie und trinkst das Licht,
fühlst die Freude, mit der es in jede Körperzelle dringt.

Nur wer weiß, dass jedes Leid selbst erzeugt ist,
kann es auch wieder heilen.

Text und Foto: Brigitte Hallbauer

Alles was ich brauche...

 Unter der warmen Glocke des Mittags sitzen und auf den Regen warten. Dabei in der Fremde sein, ungeschützt dem Lärm ausgeliefert. Dem Schwatzen der Gäste am Nebentisch, dem Getöse vorbeifahrender Autos, bellenden Hunden, der Musik aus der Bar, Tellergeklapper, Kindergeplapper, ein Telefon, Gesprächsinhalte, die mich nichts angehen, während ich mit mächtig Schlagseite nach der passenden Haltung suche auf meinem Stuhl, wie eine Katze, die sich lange Zeit nimmt, die komfortabelste Position zu finden. Warum bin ich hier und nicht zu Hause?


Und schließlich: Das fordernde Gaffen der Szene-Menschen, die Aufmachung der Cafés und die Schwüle setzen mir derartig zu, dass kein Wort, kein ephemerer Genuss, kein Gang über den Friedhof mir Wohlbefinden verspräche. Der Regen lässt warten.


Ich wünschte, die Farbe meines Atems wäre Lila und brächte ebensolche Worte hervor. Ich wünschte, die Kissen wären weich und die Düfte angenehm und die Stille eine wohltuende Größe, worin sich der Fluss meiner Gedanken ergießen könnte, der ein dürftiges Rinnsal ist, an den Rand der tobenden Welt gequetscht in der Wüste der Stadt, eingekesselt von Schmutz und Beton, seiner grün-blauen Aura beraubt. Diese hat ihr überhaupt jemand Anderes verliehen. Doch ich trage sie gern seither, so wie ich den Rhythmus der Sätze genieße, egal, woher sie einströmen, ich meine, wer weiß das noch zu unterscheiden: Was ist von mir? Was von den Anderen? War ich nicht das Auto, das eben vorbeifuhr? Schob ich nicht einen Kinderwagen durchs Einkaufszentrum? Oder war ich das Kind, das schrie? Spreche ich spanisch? Arbeite ich in einer Bar?


Alles was ich zum Leben brauche, ist ein Herz, das im Rhythmus der Liebe pocht, das keine Schranken kennt von Urteil, Abwehr und Stolz. Ein Herz, das keine Worte braucht, um anzuziehen, was gehalten werden will, das zu rufen, was lernwillig ist und das anzusprechen, was sich vorbereitet auf ein baldiges Ende.


Ales beginnt mit dem Atem.


Alles endet mit dem Atem.


Mit dem letzten Atemzug endet es und kein Weihwasser dieser Welt kann ihn zurückholen. Ich bin bereit.


Mein Herz ist getröstet, bereinigt, geöffnet und wieder zugenäht nach dem Eingriff in den Hospitälern der Stille. Ich rede nicht vom Schmerz. Er ist unbedeutend, da die Liebe überwog, auch wenn sich der Magen dabei umdrehte.


Die Süße des Friedens tut wohl. Der Genuss der Demut wiegt viele Zuckerstücke und ebenso süß ist die Einfachheit, in der die Welt vor mir liegt, innen wie außen. Alles umgibt mich organisch mit dem schwappenden Fruchtwasser der Luft, die ich atme. Hin und wieder wechsle ich die Stellung. Wie man sich bettet so liegt man. Mut wird belohnt. Der Lohn ist Klarheit, die keine Hilfsmittel braucht. Freude steht in den Zellen des Wassers geschrieben mit feenhaftem Klang: FREUDE. Auch Komödien beginnen im Streit und enden im Frieden. Das Wasser schlägt seine Wellen an die Ufer der Tage, durch die ich schwimme, die Augen mal zu den Toten, mal in den Himmel gerichtet. Ja, ich lebe noch. Und gleich werde ich wieder eine neue Erfahrung machen. Es bedeutet mir aber nicht mehr viel.


Jetzt fallen die ersten Tropfen…

 

 

Text und Foto: Brigitte Hallbauer

 

 

 

Ein Atemzug lang Ewigkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Hände spannen einen Regenbogen

 

Zwischen deiner Stirn und deinen Sohlen

 

Die Schlangen in deinem Körper

 

Hören auf sich zu winden

 

Dein Atem verbindet sich mit meinem

 

Für eine kurze Zeit der Entgrenzung

 

Bin ich Mutter und sage

 

Nimm von dem Trost,

 

der dich stärkt

 

von der Wärme

 

die dich nährt

 

mein Atem streicht über dich hinweg

 

mit den sanften Pfoten

 

einer zufriedenen Katze

 

Es gibt keine Grenze zwischen dir und mir

 

Zwischen mir und der Welt

 

Zwischen Himmel und Erde

 

Alles ist Eins und so ist es gut

 

 

 

©  Text und Bild: Brigitte Hallbauer

 

 

 

Die äußere Welt ignoriert - die innere Welt nährt

Die äußere Welt ignoriert - die innere Welt nährt.
 
Hab mein Lächeln verloren und Krieg im Kopf. Meine Freundlichkeit ist mir abhanden gekommen. Auch suche ich vergeblich nach der Freude. In der Wüste der Straßen hab ich mich verirrt und "meine Angelegenheiten geordnet". Nun bin ich müde geworden.
Eifer ist die Maske der Schuld. Ehrgeiz nährt sich von Gefühlen der Wertlosigkeit und Gier ist das Feigenblatt der nackten Angst. Der rettende Engel, steigt vom Himmel herab und spricht zu mir:
Gib acht, in welchem Laden du kaufst. Du hast die Wahl. Lass dich nicht gängeln von den dunklen Kräften der Seele.
Wer in den Spiegel der Seele schaut, wird sich selbst erkennen. Wer in die Welt schaut, wird verloren gehen.
Wenn dein eigenes Licht leuchtet, kannst du das Licht in Anderen entzünden. Welchen Namen gibst du dir selbst? Wer bist du? Der Tag, an dem du dich selbst erkennst, siehst du auch in Anderen keine Fehler mehr. Wenn du von der Quelle der Freude trinkst, wirst du deinen Sonnenwagen an kraftstrotzenden Pferden übers Firmament deines Tages steuern mit Leidenschaft für jeden nächsten Atemzug.
Ich warte nicht mehr. Der HImmel hat sich geteilt. Der Engel bin ich.
 
Bild  und Text: Brigitte Hallbauer

Wer schreibt mir...

... wenn ich in der Zukunft wohne?
Wo ich hart an den kommenden Tagen wirke aber
Warum bin ich hier?
 
Aufregend ist, wie rasch ein Moment vorbei ist.
Wie schnell dieser Zug fährt
Und wie viel Gold durch meine Finger rinnt
In Gestalt von Momenten
 
Tatsachen ignorieren gibt Ärger
Ignoranz und Unglück – sie suchen und finden einander
Erfolgt liebt die Vorbereitung
 
Wer seinen Reichtum erkennt
Dreht den Schlüssel im Schloss
zum Frieden
 
Sag nicht: vielleicht oder irgendwann
Sag: Ich weiß, denn
jetzt ist der Augenblick der Macht
 
© Text und Bild: Brigitte Hallbauer

Weißt du...

... ich gehe meine Atemzüge entlang und zähle die Berge auf dem Rückgrat der Erde. Weißt du denn, sagt mir der Herzschlag der Bäume, das Pulsieren des Regens, der Rhythmus des Rabenschreis…

 

Weißt du, dass du längst unterwegs bist, wenn die Trommel deine Stimme zerstückelt und du über die Knochen der Erde gehst, die Füße im schwarzen Sand? So allein auf dem Weg zum Blutmond am Himmel, dass deine Tränen zu singen beginnen zum Klappern der Steine. Der Meeresgrund hat sie gepresst und geschliffen aus den Rippen der Erde, während du über die schwarze Witwe stiegst, ihre struppigen Beine hinauf zu ihren siebenäugigen Hügeln. Hart traf dich ihr Dämonenblick, den Tod der Liebe im Visier. Weißt du denn, wie weit es noch ist? Und weißt du, dass lachende Mädchen dich aus dem Götterhimmel durch ihre Kaleidoskope betrachten? Was mühst du dich ab, rufen sie, gehst am Rückgrat der Erde entlang bis ans Ende der Welt, wofür? Das Licht, dass dich blendet, rührt von den Spiegelscherben an ihren Gewändern. Das Klirren, das dir die Ohren betäubt, rührt von den Splittern, aus denen ihr Stoff gewebt ist. Blau, Rot und Weiß wie Schellen zur Trommel. Sie tanzen, als du den letzten Berg erreichst am Ende der Welt. Dort wartet Liebe auf dich. Weißt du, was das ist? Erkennst du sie? Sieh ihre Wangengrübchen, den listigen Blick, fahr mit den Händen durchs lockige Haar, schmeck ihren Kuss. Einmal im Jahr trefft euch hier. Der Weg ist beschwerlich, doch der Lohn ist süß. Ich sehe doch, wie aufrecht und stark zu zurück kehrst zu mir.

 

Weißt du es? Sieh mir in die Augen. Weißt du es?

 

 

 

Gnade oder der Atem des Grases...

 Alles was geschieht, geschieht durch Gnade. Die angenehmen wie auch die unangenehmen Dinge. Ich habe das Licht gesehen und bin eingetreten in meine Kraft. Es ist Gnade. Ich hab meinen Schatten umarmt und ihm gesagt, dass er da sein darf ohne Verurteilung, ohne Strafe. Es ist Gnade. Ich habe Erfolge gefeiert, die mich betrunken machten von Arroganz. Und doch war es Gnade. Ich habe Niederlagen eingesteckt, von denen ich mich lange nicht erholte. Es ist Gnade. Ich habe gestrebt, gerungen und gekämpft, meine Schatten hinter mir zu lassen, doch es ist mir immer nur das Heute geblieben mit all den kleinen und großen Entscheidungen, die ich darin traf, ob ich zweifelte, oder überzeugt war, ob ich wusste, wo es lang geht oder im Dunkeln tappte. Alles was geschieht, geschieht aus Gnade. Alles was nicht geschieht, und wenn ich es noch so sehr will, geschieht nicht - aus Gnade, denn die Zeit ist noch nicht reif. Alles was mir geschenkt wurde, die Erleuchtungen, die Durchbrüche, beglückende Wachstumsschübe und überraschende Ereignisse, die einschlugen wie der Blitz und mein Leben veränderten, all das geschah aus Gnade.

 

Ich habe nichts dergleichen mit meinem freien Willen erreicht, ich habe gebetet, ich habe gefordert, ich habe mein Herz sprechen lassen. Die Antwort war Gnade, wie auch immer sie ausfiel.

 

Was ist das, Gnade? Ist es der Dialog meines Herzens mit der Schöpfung, die mich durchströmt in Gestalt meines Atems? Ist es meine Fähigkeit zu sehen, hören, fühlen und zu schmecken? Ist es meine Fähigkeit zu bewundern, Entscheidungen zu treffen, mich zu irren? Ist es meine Fähigkeit zu berühren und mich berühren zu lassen?

 

Oder reicht es, am Leben zu sein, am seidenen Faden des Atems, so fragil so unfassbar stark und schön, sanft und nährend, zärtlich und mit Botschaften gespickt, die mich zum Staunen bringen, zum Lachen, zum Weinen oder zum Nachdenken. Und jeder Atemzug erinnert mich daran, dass ich selbst nicht entscheide, ob ich lebe oder sterbe, es kann jederzeit passieren und mein Licht erlischt.  Wie abhängig ich doch bin, aus Wasser gemacht wie der Ozean zu meinen Füßen, und am seidenen Faden des Atems die Luft trinkend, von den Bäumen erneuert, von der Nacht transformiert, immer intakt, wie lange noch? ... Sodass ich verdammt privilegiert bin, am Leben zu sein.

 

Was gibt es da noch zu rennen? Worum sorge ich mich noch? Das Fest ist in vollem Gange und das Gras wächst von alleine, denn auch das Gras hat seinen eigenen Atem.

 

 

© Brigitte Hallbauer

 

 

Gier ist...

…wenn Angst, Hass und Neid sich gegen uns verbünden. Sie gibt uns Vitalität und saugt uns die Kraft aus. „Ich mach dich satt“, sagt die Gier, und wir glauben ihr. Doch die Ergebnisse sagen das Gegenteil. Wir fühlen uns leer und erschöpft nach einem Kaufrausch, einem Alkoholexzess, einer Fressorgie oder einer bindungslosen Affäre.
Ehrgeiz ist eine Maske der Gier. Hast du schon mal ein materielles Ziel angestrebt und dich leer gefühlt, als du es erreicht hast? Hast du schon mal eine Prüfung bestanden und dich gewundert, warum sich danach nicht die erhoffte Erfüllung nicht einstellt? Hast du dich dann verbissen und ohne Pause auf das nächste Ziel geworfen?
 
Selbst der Verzicht kann nur mühsam die lauernde Gier verhüllen. Hast du schon mal gefastet und dabei ständig an Essen gedacht? Hast du nonstop gearbeitet und deine Bedürfnisse nach Schlaf, Sonne und Spiel unterdrückt? Meidest du nahe Beziehungen und schaust auf andere herab, die sie leben?
 
Gier ist die Eiterbeule verdrängter Bedürfnisse. Gier wächst auf dem Nährboden der Lüge. Sie ist ein Unkraut, das den eigenen Seelengarten verwüstet. Ihre Blüte heißt Angst und ihre Saat heißt Hass. Ihre Wurzel heißt Unbewusstheit. Gier kann zum Selbstläufer werden, der sich gegen deinen Willen perpetuiert und dir alles nehmen kann: Deine Würde, deine Liebsten, dein Ansehen.
 
Gier wird uns allenthalben in den Medien verkauft. Sie kommt in glänzender Verpackung daher. Werbung macht uns den Mund wässrig, Lüsternheit wird uns als Liebe verkauft, Bilder gaukeln uns Träume vor, die nicht die unseren sind. Wir messen unser Selbstbild daran und fühlen uns minderwertig und falsch. Wir alle sind besiedelt davon.
 
Gier ist ein gefangenes Kind. Sie mauert unser Herz in Isolation ein. Gier ist heilbar. Sei ehrlich, das befreit. Lass dich nicht ablenken, das holt dich ins Jetzt. Fühl deinen Hunger. Er bringt dich an deine Quelle. Sie ist in deinem Inneren.
 
Heilung ist möglich. Lass dich berühren.
 
 

Katzenguru...

Die Katze ist ein unvergleichliches Beispiel wenn es um Fürsorge, Wohlbefinden, Entspannung und Genuss geht. Sie nimmt nichts an, das ihr nicht zusagt. Sie findet zielgenau, was ihr gut tut und verschwendet keine Zeit. Von ihr ist die Kunst des Schlafens zu erlernen, der Selbstpflege und der selbstvergessenen Spiels, aber auch der bedingungslosen Liebe und Fürsorglichkeit. Meine Katze kennt genau die Körperzone, die mir grade wehtut und bietet mir genau da Körperkontakt an. sie ist eine Heilerin. Sie weiß um die nährende Kraft der Berührung als Antidepressivum, Sedativum und Selbstbewusstseinstraining.
Die Katze ist für mich eine wesentliche Inspirationsquelle für die Kunst der Lomi Lomi Massage, der Heilbehandlung, welche aus der Kraft der bewussten und empathischen Berührung schöpft.

mehr unter www.lomiforlife.jimdo.com

 

 

 

Schönheit...

... ist Nahrung für die Seele. Schönheit buhlt nicht um Aufmerksamket. Schönheit ist. Schönheit zieht an wie der Duft einer Blume. Schönheit ist der Atem des Friedens und wirft selbst auf härteste Realist/inn/en ein göttliches Licht. Schönheit haftet der Ruch des Kitschigen an, des Überholten und des Zurückgebliebenen. Schönheit ist nicht populär. Schönheit kann unabsichtlich kränken und ein Licht auf den übelsten Schmerz werfen, den eine Seele in sich verborgen hält und taub macht durch pausenlose Aktivität. Schönheit lässt verstummen, sie braucht keine Worte. Man sagt, sie sei der Liebe verwandt, doch steht Schönheit ganz für sich selbst. Sie ist im Herzen eines jeden Menschen verankert und äußert sich als Gefühl der Bewunderung, der Ehrfurcht, bei ganz Mutigen: Der Anbetung. Schönheit kümmert sich nicht um Gut oder Schlecht, Richtig oder Falsch. Schönheit kann in den Augen einer Bestie liegen, im Blick des Mörders und in der perfiden List der Intrigantin. Schönheit liegt im Blick der Eule, im Flug des Reihers, in der Gelenkigkeit und Konzentration der Katze. Wenn das Instrument der Seele gut gestimmt ist, lässt Schönheit die Saiten schwingen und bringt Harmonie hervor. Schönheit wird gern verleugnet oder weg erklärt. Aber das macht nichts. Sie ist was sie ist. Eine menschliche Fähigkeit, Bewunderung zu empfinden, sich beeindrucken zu lassen wie ein Kind, das alterslos ist. Schönheit ist ewig und doch nur durch unsere Endlichkeit erfahrbar: Unseren Körper mit all seinen Sinnen. Drum lasst uns dieses Instrument stimmen, immer wieder und immer wieder, denn Schönheit ist Nahrung für die Seele. Und Nahrung ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Brot und Butter ergeben sich dann von selbst...

Malachit 2

Süß ist der Zuckerguss des Zorns. Der wirft den ersten Stein, Kaskaden von Wüstworten über den Feind ergießend. Der Stein an sich ist unschuldig. Kühl und weich schmiegt er sich in meine Hand. Seine Schwere und kupferne Kraft verbindet mich mit dieser großen dicken Frau, die tief im Erdinneren in dieser grünen Steinhöhle sitzt und ihr schlohweißes Haupt steht in Flammen über ihren riesigen Brüsten. Wie viele Kinder hat sie daran schon in ihre Kraft gesäugt? Wie viele gebrochene Herzen hat sie geheilt und wie vielen Köpfen hat sie die Hitze der Verwirrung genommen mit einem groben Strich übers Haar, begleitet von einem wenig schmeichelhaften Spitznamen, so wie Mütter im Wochenbett sie vergeben: Dumpfbacke, Nudel-Dick, törichtes Balg. Wie viele Tränen haben sich über ihr großes Herz ergossen? Sie hat sie weg gewischt wie lästige Fliegen. Ihre Liebe muss sich nicht beweisen. Ihre Liebe braucht keinen Zuckerguss. Ihre Liebe richtet die Grenze auf zur Würdelosigkeit des Daseins. Hast du dich wieder einwickeln lassen von Schmeichelworten? Bist wieder reingefallen auf falschen Glanz?


Sie ist ich. Mein Zorn hat mich zu ihr geführt. Die starke Frau in mir. Hin und wieder besuche ich sie und spreche mit ihr. Sie sagt nicht immer, was sie weiß. Ich kann ihr an den Kopf werfen, was ich will. Sie ist unverwundbar und wirft mich in meine volle Verantwortung. Ich habe aufgehört sie zu bekämpfen. Ich habe gelernt zu hören was sie sagt, auch wenn es ohne Worte ist. Ich habe gelernt ihr zu vertrauen. Sie ist mein Rückgrat und sie stellt die Wachposten an meinen Grenzen auf. Sie sorgt für Gerechtigkeit und schlichtet, wenn nötig. Licht und Dunkel vermischen sich nicht. Ich darf mich entscheiden, jeden Tag neu. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur Konsequenzen.

 

 

 

Einen Anker finden

 Jetzt wirft mein Herz seinen Anker im Jetzt. Mein Herz hört auf umherzuirren und nach einem Halt zu suchen, nach einer Heimat, einem Ort der Zugehörigkeit. Mein Herz ist heimgekehrt. Verloren war nur das Augenlicht des Herzens, verloren und wiedergefunden jeden Tag neu.

 

Traumverloren wache ich bei meinem Atem, der Trost und Frieden spendet mit seinen Gezeiten. Auf seinen Luftkissen schaukelt er mich. Aus seinen gewundenen Flüssen angle ich mir meine Antworten, wie ich sie brauche. Zum Beispiel warum das Schwanenkind faucht, als ich seinen Hals aus der Schlinge ziehe. Oder warum die Härchen auf meiner Haut sich aufstellen an manchen Stellen im Wald. Warum die Mücken keine Ruhe geben vor meinem Gesicht. Voodoo oder Wetterlage… Durch eine Kruste von Schmutz und Misshandlung dringe ich zu meinem Atem vor und kehre heim. Sehenden Herzens ziehe ich die Nabelschnur meines Atems aus der Erde, reinige sie, lasse Luft einströmen, tief und rein.

 

Wie viel Zeit ist vergangen? Zwölf Stunden oder nur ein Augenblick? Jedenfalls ist die ganze Zeit Wasser über mich hinweg geflossen. Hingegeben an den Augen-Blick schau ich mir die vorüberziehenden Landschaften an, trete ein und erkunde sie, neugierig wie ein Kind, an der Hand meines Atems.

 

Nichts ist aufregender als die Wirklichkeit, wenn sie ihre Tore öffnet in alle Richtungen. Was ist oben? Was ist unten? Ich bin jetzt hier, durchzogen und durchflossen von der Wirklichkeit, wie ich sie geschaffen habe, weil ich lebe. Hier setzt sich Zerbrochenes wieder zusammen, hier richtet sich der Hals des Schwanenkindes auf und heilt. Es wird stark und wächst heran zu einer weißen Majestät zwischen den Seerosen. Dort kehrt es zu seiner Familie zurück.

 

15 Minuten Stille ist Danke sagen und noch einmal Danke und immer wieder …

 

 

 

Mitleid...

… ist die Kehrseite der Verachtung. Verachtung ist die Kehrseite des Hochmuts. Hochmut verbirgt Schuldgefühle. Schuldgefühle sind die Opfermaske des Hasses. Hass verzeiht nicht. Hass verfolgt und nimmt Rache. Ist Mitleid die Kehrseite des Hasses? Ist Mitleid die Geste der Überlegenen, die den vermeintlich Schwachen die Mündigkeit nimmt? Ist Mitleid nicht eigentlich eine Form der Demütigung?

 

Oder ist Mitleid die gefährliche Falle, in die Gutmütige tappen, die allzu hilfsbereit, sich der Ausbeutung durch Abhängige zur Verfügung stellen? Gern teilen Opfer Schuldgefühle aus, manipulieren und steuern ein Heer mitleidiger Helfer mit ihrem Leid und die treibende Kraft ist doch der Hass auf beiden Seiten.

 

Lasst uns aufhören Spiele zu spielen. Lasst uns den Mut haben, nein zu sagen und gewisse Schuldgefühle auszuhalten, die darauf folgen. Ein freundliches aber bestimmtes Nein kann durchaus Existenzängste auslösen, wenn wir uns abhängig fühlen. Doch sind wir wirklich abhängig?

 

Alles wovon ich wirklich abhängig bin ist mein Gewissen, mein Bauchgefühl, das mir deutlich sagt, wenn ich auf der falschen Fährte bin, dir zuliebe. Irgendwer leidet immer, wenn ich mit Klarheit meinen Weg gehe. Irgendwer neidet immer und irgendwer freut sich auch immer ganz besonders mit mir und für mich.

 

Die letzteren sind dann meine wahren Freunde…

 

 

 

Widerstand

 Was ist Widerstand? Er entsteht, wenn ich zur Tür hinausrenne und mein Mantel sich in der Klinke verhakt. Ich bleibe stehen und frage: „Was willst du von mir?“, sage „lass mich in Ruhe, ich muss weg, siehst du denn nicht dass ich in Eile bin?“ Ich befreie meinen Mantel, sage „Unverschämtheit“ und stürze die Treppen runter. Dabei fällt mir der Schlüsselbund runter. Ich fluche. Spätestens, als ich ausrutsche und zu stürzen drohe, fange ich an zu fragen: „Okay, ich hab verstanden, du lässt mich nicht. Sag mir also, was du brauchst, um zu gehorchen.“ Und dann spricht der Widerstand. Ich verrate euch   nicht, was er neulich gesagt hat. Ich bin mir sicher, Euer Widerstand liefert Euch seine eigenen Antworten.

 

Jedenfalls ist von Bedeutung und keinesfalls egal, was ich mag und was ich nicht mag. Leider übergehe ich das oft, weil ich glaube, äußeren Anforderungen genügen zu müssen. Aber das stimmt nicht. Gut dass es den Widerstand gibt. Oft dauert es lange, bis er mich kleinkriegt. Aber irgendwann krieg ich immer die Kurve. Ich fange an mich zu entspannen. Ich höre mir zu. Ich diskutiere mit dem Widerstand, verhandele, mache Angebote, biete Kompromisse an.

 

Meist erzählt der Widerstand mit dann von seiner Angst, beschwert sich darüber, dass ich ihn nicht ernst nehme, warnt mich vor Gefahren und manchmal hält er mich gefangen in Grenzen, die mir zu eng sind. In jedem Fall malt er tiefe Furchen auf meine Stirn, hält mich nachts mit knirschenden Zähnen wach oder sucht mich mit Kopfschmerzen heim der kleine Racker.

 

Mit Vorliebe, und wenn ich ihn zu lang ignoriert hab, wirft der Widerstand seine Leidenschaft auf aussichtslose Unterfangen. Bist zu schon mal einem Trugbild nachgerannt und hast dein Pulver für etwas verschossen, das nicht in dein Leben gehört? Am Ende hat dein Widerstand es immer gewusst.

 

 

 

Orakel

Mit Scherben im Mund kannst du nicht essen von den Früchten in deinem Garten. Du willst Antworten von mir? Ich mal dir die Frösche in den Sand. Sieh – in alle Richtungen hüpfen sie davon in Pfütze und See. Hör, was sie zu sagen haben vor dem Regen. Lass die Fledermäuse schwirren in der Nacht, wenn du in deinem Garten an den Wurzeln der Liebe sitzt und hab keine Angst. Lass die Küsse kommen wie sie fallen. Aber zuerst spuck die Scherben aus. Du brauchst sie nicht mehr. Oder willst du bis in dein Grab Splitter sprechen?

 

Das Herz trifft keine Entscheidungen. Der Verstand will Überschriften verkaufen. Wer noch Zeit zu verlieren hat, der glaubt. Wer am Ende ist, weiß.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Malachit 1

 

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Der Zuckerguss über dem Zorn verlangt nach einem grünen Stein. Es ist nicht der Stein, der kreuzte nur zufällig den Weg des Zorns, der Kaskaden von Wüstworten über sein Ziel ergießt. Der Stein an sich ist unschuldig. Kühl und weich schmiegt er sich in meine Hand. Seine Schwere und sein tiefgrüner Trost verbindet mich mit dieser großen dicken Frau, die irgendwo tief im Erdinneren in einer grünen Steinhöhle sitzt und ihr weises Haupt wiegt über ihren riesigen Brüsten. Will nicht wissen, wie viele Kinder sie daran schon in ihre Kraft gesäugt hat, wie viele gebrochene Herzen sie geheilt hat und wie vielen Köpfen sie ihre Verwirrung nahm mit einem herzhaften Lachen, mit einem groben Streicheln über ihr Haar, oder einem wenig schmeichelhaften „du törichtes Kind“, bis der Tumult sich in Tränen ergoss. Du fühlst dich etwas beschämt in ihrer Nähe, die voll Liebe ist, einer Liebe, die sich nicht beweisen muss, die keinen Zuckerguss braucht. Nie.

 

Mein Zorn wird die Umstände nicht meinem Willen beugen. Mein Zorn wird nicht ändern, dass meine Umgebung mich nicht respektierte. Mein Zorn ändert nicht, dass ich sehen kann, wie sehr sie sich vor meiner Kraft fürchten. Ihre einzige Waffe war Erniedrigung. Ich werde niemand die Vorwürfe an den Kopf werfen, die in mir sind. Ich verschwende kein Wort. Ihr verdient sie nicht. Ich übernehme die volle Verantwortung für alles was war, dass ihr euch vergessen und meinen Garten zertrampelt habt. Ich räume ein paar ausgerissenen zarte Pflänzchen beiseite und freu mich an dem, was übrig blieb.Der grüne Stein wird mich immer daran erinnern, dass ich nichts verloren habe in diesem Kampf, dass dies nichts als Wachstumsschmerzen sind. Der grüne Stein aus dem Palast meiner Mutter wird mich daran erinnern. Wie eine Trophäe trage ich ihn.

 

 

 

Wasser

hab mein Gebet ins Wasser gesprochen und in den Himmel gehaucht. Dort hat es sich verwandelt , ist wieder zur Erde gekommen. Hab dieses Wasser getrunken. Nun füllt es meinen Körper mit meinem Gebet. in allen Zellen stillt es meinen Durst. Ich wisch meine Lippen. Nun gibt mir das Wasser die Antwort. Aus meinen Augen drückt es die Worte in mein Taschentuch: Alles wonach du suchst, ist doch längst hier. Ich wisch meine Augen und danke dem Wasser.

 

 

 

 

 

 

Welcome to my Tipi

Our hotel guests lack spiritual competence. This has been proved over and over over the last 700 centuries. Hotels are widely known as profane places in the deserts of the cities, void of any human warmth or wisdom. Therefore we have successfully established HOTEL HARAKIRI. This exceptional Hotel offers a wide range of spiritual advice in all kinds of rooms and suites, suitable for people from all walks of life. HOTEL HARAKIRI one more time practices their mission statement "WER VORNEWEG GEHT LÄUFT NICHT HINTERHER". Therefore our directorial staff has decided to implement a shaman´s tipi in the garden. WELCOME WELCOME. The great spirit be with you. Read and rejoice in the great spirit of mother earth and ride with us on the wave of the trend: Refugees are out. Shamanism is in. The Hotel Harakiri Shamanism in particular, created by our late brother benjamin is training  paying customers for enlightenment with a 100% success rate.

 

Those who can´t pay for it may keep doing their volunteer work for the refugees of the world. May the great spirit bless you. May your ancestors be merciful ...

 

Chief Rolling Murmel