Daphne Elfenbein über den Frühling und die Liebe...

 

Es wird in diesen Tagen, wo blühende Bäume verführerisch duften und die Vögel in ihren Nestern vögeln auch unter den Menschen allerhand von Liebe gesäuselt und gefiedelt. Zarte Stimmen und sanfte Worte geistern durch die virtuelle Welt. Draußen auf der Straße unterhalten sich Hundebesitzer vor dem Kiosk über die steigenden Wasserpreise, Mieten, die bösen Nachbarn und so weiter.

 

Daphne Elfenbein backt Kuchen und tut keine Rasierklingen rein. Nein. Nüsse und Rosinen mengt sie in den Teig wie es sich gehört, nach so einem veganen Rezept aus dem Internet. Dies tut sie Einklang mit einer begeisterten Veganerinnengemeinde weltweit, die wissen, wo es lang geht mit den Werten.

 

Fragte sie doch neulich ein interessierter Mitmensch, wie sie es denn mit der Liebe halte. So was fragt man eigentlich reife Damen nicht. Aber na gut. Nach einiger Bedenkzeit über dieses – ähem - Thema kam sie zu folgendem Ergebnis, das sie der lieben Hotelgemeinde nicht vorenthalten will:

 

Wenn frau eine gewisse altersunabhängige Reife und Weisheit erreicht hat, ist sie einfach nicht mehr blöd genug für das, was da gemeinhin als „Liebe“ verkauft wird da draußen. Zum Beispiel:  

 

Typ 1: der Despot: Ein Wolf im Schafspelz auf der Couch, der sich nur für Fußball und Matratzensport interessiert, seine Partnerin gerne verwöhnt, aber für so minderbemittelt hält, dass er sie daran hindert, aus dem Haus zu gehen, natürlich um sie zu schützen und bei Nicht-Verabreichung von erpresserischem Sex gewalttätige Szenen macht.

 

Typ 2: der Distanzierte: Einer, der sich nur selten blicken lässt, unheimlich viel zu tun hat und stets übers Telefon seine Liebe beteuert, sonst aber durch Abwesenheit glänzt, denn er hat leider diese Familie am Hals, von der er sich ja am liebsten trennen würde, doch das würde ihn in den finanziellen Ruin treiben, du vestehst doch Liebes…. (hier ist der Drehtür-Sex jedoch atemberaubend).

 

Typ 3: der Bürokrat: Dieser Schwanzbeamte kommt häufig über eine Internet-Plattform ins Liebesleben einer Frau, hakt bei den ersten drei Dates seine Checkliste ab, will nach dem dritten Date Sex und findet dann irgendwie doch ein Haar in der Suppe: Weißt du Liebes, wir sind beide Nichtraucher, denken sozial und lieben Tiere, aber irgendwie liebe ich dich nicht.

 

Typ 4: Der Windige: Dieser Kandidat ist rasch verliebt, seine Augen leuchten und die Begeisterung steigt beim gemeinsamen Gang durch die Uffizien. Der Höhepunkt ist der Kuss unter dem Eiffelturm. Doch wieder zu Haus sagt er dann: Schatz, ich möchte frei sein. Lass uns eine Freundschaft draus machen.

 

Typ 5: Der Anhängliche: Den wirst du nicht mehr los, der geht mit dir Büstenhalter einkaufen und nimmt dir selbst das Kuchen Backen ab. Tag und Nacht ist er an deiner Seite, lieb, auch zu deinen Teddys, und ihr klebt zusammen 24 Stunden am Tag bis du das Fenster aufreißt für ein bisschen frische Luft und mal ein Wochenende mit einer Freundin wegfährst. Das verträgt er nicht. Er meldet sich nie wieder.

 

Liebe Hotelgemeinde, bitte die fehlenden Typen selbst ergänzen.

 

So, der Gemüsekuchen ist fertig. Der wird gleich mit zum Damenkränzchen genommen.  Das mit dem Frühling vergeht wieder.

 

Mit freundlichen Grüßen aus dem Vorzimmer von Dr. Gott

 

Daphne Elfenbein

 

 

 

Wenn im März die Glocken Läuten

Früh um zehn ist noch nicht so viel los, hofft Frau Elfenbein und macht sich auf zum Sonntagsspaziergang. Die Sonne scheint. Die Vöglein jubilieren. Still ruht der See, auf dem die Schwäne im glitzernden Licht ihre Vorstellung geben. Daphne Elfenbein ist saisongemäß fröhlich und schreitet kraftvoll dahin. Doch da! Ein Müllberg, ein alter Kinderwagen, ein zerbrochener Fernseher, eine zerschlissene Matratze stören den optischen Sonntagsfrieden auf das Empfindlichste. Sie runzelt die Stirn und ändert ihren Kurs. „Das geht gar nicht“. Aber die Mülltüte, die sie gewöhnlich auf Spaziergängen mit sich führt und die auch jetzt schon halb gefüllt an ihrem behandschuhten Ärmel baumelt, ist zu klein für diesen erbarmungswürdigen Unrat. Stracks steuert sie auf das Ärgernis zu und bemerkt erst jetzt den dunkelhaarigen Mann um die 50, er da beim Müllberg herumlungert und auf verdächtige Weise mit beiden Händen im eigenen Hosenladen wühlt. Hmmm, Vorsicht, erst mal entschleunigen, hier lauert Gefahr.

Plötzlich springt der Kerl an ein geparktes Auto, lässt die Hosen endgültig runter, stützt seine Hände auf die Motorhaube, streckt seinen haarigen Hintern raus und wackelt mit seinem Gehänge, dass die Glocken läuten.
Frau Elfenbein zückt ihre Handykamera, tritt näher und ruft: Stehenbleiben! Das kommt in die Zeitung! Ha! Das Bild ist im Kasten, samt altem Kinderwagen, zerschlissener Matratze und zerbrochenem Bildschirm. Einen Rest von Scham zusammenraffend hat der Protagonist ehelicher Konflikte und heimlicher Triebe sein Corpus Delicti wieder in den Müllbeutel gepackt. Aus Diskretionsgründen wird das Foto hier nicht gezeigt. Nebenbei sei verraten, dass Frau Elfenbein für das Nicht Veröffentlichen ab sofort gewisse Summen erhält. Na wenn das kein Deal ist …