Zur Welt kommen

 

Abgespalten, nicht losgelöst

 

Weder verabschiedet noch angekommen

 

Ein verkrampftes Bündel

 

Vom ersten Atemzug an autonom

 

Niemand verpflichtet

 

Außer dem Gott des Widerstands

 

ein beschwerlicher Stein

 

Weil sie dich Stein nannten

 

Und du bist es geworden

 

 

 

Wer bist du, wenn du nicht Stein bist?

 

Mit den Wurzeln im Himmel,

 

erbarmungslos wie der Strauß in der Wüste

 

Doch du antwortest nicht

 

Ich höre dich nach Wasser schreien,

 

das Nein aus den Zellen zu schwemmen

 

An dem unsere Welt zerbricht

 

 

 

Ich sitz‘ am Wasser und

 

beobachte den ständigen Wandel

 

deiner vielen Gesichter

 

im schillernden Spiegel

 

Alles was weich macht, hauch ich dir ein

 

auch die Stille

 

die keine Antworten gibt

 

und nun, da es still genug ist

 

frage ich dich:

 

 

 

Sag, irren sich denn deine Sinne,

 

wenn der Wind dich streichelt

 

und die Sonne ihr Wolkenzelt spannt

 

so hoch und weit,

 

dass jeder Ton wie eine gläserne Säule

 

bis in den Himmel steht

 

was hast du noch Angst?

 

Was ringst du nach Luft?

 

Ach, schon neigt sich der Sommer

 

Und deine Blüte öffnet sich nicht

 

 

 

 

 

Wie Daphne Elfenbein ihren Job losgeworden ist...

 

  Wir wissen ja nicht, wann sie begann und wie lange sie noch dauert. Die Krise. Aber bevor wir wieder in Saus und Braus auf den Straßen feiern dürfen, müssen wir uns noch ein bisschen ducken. Warum? Na weil eben Krise ist. Vorgestern war es Wirtschaftskrise, gestern war es Ölkrise. Heute ist es die Finanzkrise. In Amerika bleckt ein schwarzer Messias die weißen Zähne angesichts bankrotter Banken. Kinder laufen Amok. Wir sparen Strom und schieben Müllberge auf dem Planeten hin und her. Bahnreisen und Wohnungen werden auch immer teurer. Auf den grünen Mittelstreifen großer Verkehrsachsen wird das Stadtbild durch immer mehr dauercampende Mitbürger bereichert. Der letzte noch greifbare KZ-Aufseher wird seiner Strafe entgegengeführt und die Amerikaner essen die 11 Kreditkarten auf, die sie im Durchschnitt besitzen.

 

Work sucks but I need the bucks. Das blöken Millionen von Schafen ins selbe Horn. Früher oder später ereilt es alle braven in die Fußtapfen von Mama und Papa tretenden sich hoch dienenden Streber und ewigen Studenten. Irgendwann zwischen 35 und 45 hat sich der Traum vom Traum ausgeträumt. Traumberuf – Traumfrau – Traumurlaub – Traumhaus. Traum-Traum –Traum. Stirnfalten vertiefen sich angesichts von Versicherungen, Hypotheken und Bausparverträgen. Kinder sind eine ebenso lästige Verpflichtung wie Autos, Wohnwagen und Boote. DOCH WIR SIND SICHER! Froh, einen Job zu haben sind wir, auch wenn wir bloß täglich Scheiße von A nach B fahren und abends stinken. Die Rechnungen sind bezahlt und drei Urlaube im Jahr – na bitte.

 

Geld oder Leben. Das ist hier die Frage. Und wenn auch der Trip nach Thailand nicht die ersehnte Exotik ins Leben bringt, dann müssen Pillen, Schnaps und Durchhalteparolen die Herde bei Laune halten. Gebannt blöken sie auf die magische Zahl 65 auf dem Börsenticker des Lebens. oder war es 67? Dann… ja dann…

 

Frau Elfenbein runzelt die Stirn …… furzt in ihren Bürostuhl und würde jetzt lieber durch die Cafés im Wedding streifen. Aber weil Freitag ist, ist sie zur Arbeit gegangen und sitzt vor den Bildschirm, auf dem immer irgendwie der falsche Film läuft. Wie wäre es mit einer Zusatzversicherung für Zahnersatz? Trägt ihr ein freundliches Spam-Email an, und Frau Elfenbein denkt ernsthaft über diese Frage nach, während sie im Geiste die Einkünfte aus ihren 10 Bestsellern einstreicht, die sie verfasst haben will, noch bevor ihr sämtliche Zähne ausgegangen sind. Die Bürotür geht auf. Die Bürotür geht zu. Frau Elfenbein bleckt ihre ersten Implantate für ein paar Nadelstreifen und träumt weiter.

 

 Gähnend öffnet und schließt sie das Bürofenster und studiert bei Amazon die neuesten Publikationen zum Thema Finanzkrise. Sicher durch den Crash, Finanzcrash, die umfassende Krisenvorsorge. Ende der Party: Die Explosion im Finanzsektor und die Krise der Weltwirtschaft. Fleißige Manager, Börsianer und Immobilienspekulanten stehen bankrott auf dem Dach ihrer Wolkenkratzer und glotzen in die Tiefe. Ihre letzen Worte: "Mein Geld! Mein Geld! Warum hast du mich verlassen!" ertönen leise, bevor sie auf sauberem Beton zerschmettern. Die Kleinen Geister rennen bei stockenden Hartz IV – Zahlungen auch schon mal mit Hakenkreuzfahne durch die Straßen und rufen BEGIDA oder Heil Hitler. Ach wären sie doch damals dabei gewesen als der große Diktator ein Duckmäuservolk aus Armut und Arbeitslosigkeit heraus in die Mördergrube quasselte, sie würden freudig ihr Hirn bei der zuständigen Behörde hinterlegten und auf Kommando auf den Straßen jubeln. Doch heute funktioniert Diktatur anders. Von Plakaten erhalten wir Traumbotschaften ins weiche Hirn und machen immer ärgere Kompromisse auf der Jagd nach Traumerfüllung. "Für Geld mach ich fast alles", blöken die Schafe. Lasst uns derweil noch einen alten Nazi in Südamerika verhaften und die Augen zum Himmel heben.

 

Frau Elfenbein ist leider ihren Job immer noch nicht los, obwohl sie in der Spezialabteilung für Personalabwehr arbeitet. Sie telefoniert, putzt sich die Fingernägel, träumt Luftschlösser und macht ein freundliches Gesicht zum Bundesangestelltentarif. So eine Zusatzversicherung für Zahnersatz wäre nicht schlecht, überlegt sie. Was wäre ihr Marktwert ohne ihr Lächeln?

 

Wenn dieses Büro nur etwas zu bieten hätte. Eine Wachstumschance, interessante Menschen, eine Aufgabe. Da klingelt das Telefon. Eine engagierte junge Hochschulabsolventin will sich als Trainee bewerben. Ob es denn da Vakanzen gebe? Na bitte. Frau Elfenbein pustet einen Fussel vom Tisch, "Ja, schicken Sie nur Ihre Bewerbung, aber machen Sie sich keine Hoffnungen. Sie wissen ja, die Finanzkrise."  Dann schickt eine elektronische Grußkarte nach Kalifornien und liest ihr Horoskop für den nächsten Monat, gefolgt von einem online Test, wie hoch ihre Lebenserwartung sei. Ach ja, und bei Ebay gibt’s Reisegutscheine. Hmmm. Ihr Schnäppchen-Gespür könnte glatt als berufliche Qualifikation durchgehen.

 

Immer schon träumte Frau Elfenbein davon einfach nur so da sein wie die biblischen Vögel, die nicht arbeiten vom himmlischen Vater genährt. Doch ein Scheiß-Job und the German Angst haben sie noch fest in den Krallen. Und ihr Gewissen mahnt finster: "Du wirst doch auf Hartz IV landen. Was sollen die Leute denken? Was würde Mutti sagen? Schließlich sind wir in der Krise. Das Leben ist hart …

 

Bla Bla blubb, sagt Frau Elfenbein und reißt die Bürofenster auf. Draußen ist Frühling, Und sie ist im Dienst. Also weiter träumen: Vom Sprung ins kalte Wasser, von neuen bahnbrechenden Bekanntschaften, spannenden Projekten. Ausgetretene Pfade verschwinden unter Wucherpflanzen, weil keiner sie nutzt,  Netzwerke entstehen, plötzlich fließt Geld und du weißt nicht, wie...

 

Doch dieses Unternehmen will Frau Elfenbein einfach nicht rausschmeißen. Sie guckt auf die Uhr. Noch zwei Stunden bis Feierabend, hinter dem Fenster zieht wertvolle Lebenszeit vorbei. Das Telefon klingelt. "Elfenbein?" Hier ist die Personalabteilung… Ah! Frau Elfenbein hält den Atem an: Jetzt kommt die Kündigung. Doch stattdessen sagt die freundliche Frauenstimme folgendes: "Die Abteilung für Kundenfang sucht dringend jemand, wär das nichts für Sie? Bei Ihrer Warenkenntnis. Es wäre wirklich nett, wenn Sie da einspringen könnten." Frau Elfenbein hat ein gutes Herz. Immer war sie nett und sprang ein. Dabei biss sie oft die Zähne zusammen. Wenn Sie wüssten, wie viele Zähne ihr schon ausgefallen sind während sie nett war. Die übrig gebliebenen sollen gefälligst der Freiheit dienen. Jetzt ist Schluss! Wenig später steht sie vor der Tür der Personalleitung. Es ist fünf vor Dienstschluss. Die Tür schwingt auf  und ihre langjährige Sachbearbeiterin  revidiert ihre Meinung von der geschätzten Kollegin, als diese brüllt: "Ich bin überhaupt nicht nett!!"

 

Als Frau Elfenbein den Auflösungsvertrag plus eine 5-stellige Abfindung in der Tasche hat, geht sie ins nächste Reisebüro und bucht eine Kreuzfahrt auf dem Nil. Vom Rest kauft sie sich ein Aktienpaket von einem Unternehmen mit sinkenden Kursen. Dann färbt sie sich die Haare Lila, lässt sich einen Nasenring setzen und lädt ihre Freunde zum Feiern ein. Drum ist es ja eben so lustig im Elfenbeinturm...

 

(c) https://www.amazon.de/Neues-aus-dem-Elfenbeinturm-www-hotelharakiri-ebook/dp/B00IPN1PX0/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1501743795&sr=8-1&keywords=Neues+aus+dem+Elfenbeinturm

 

 

 

 

 

Daphne Elfenbein über den Frühling und die Liebe...

 

Es wird in diesen Tagen, wo blühende Bäume verführerisch duften und die Vögel in ihren Nestern vögeln auch unter den Menschen allerhand von Liebe gesäuselt und gefiedelt. Zarte Stimmen und sanfte Worte geistern durch die virtuelle Welt. Draußen auf der Straße unterhalten sich Hundebesitzer vor dem Kiosk über die steigenden Wasserpreise, Mieten, die bösen Nachbarn und so weiter.

 

Daphne Elfenbein backt Kuchen und tut keine Rasierklingen rein. Nein. Nüsse und Rosinen mengt sie in den Teig wie es sich gehört, nach so einem veganen Rezept aus dem Internet. Dies tut sie Einklang mit einer begeisterten Veganerinnengemeinde weltweit, die wissen, wo es lang geht mit den Werten.

 

Fragte sie doch neulich ein interessierter Mitmensch, wie sie es denn mit der Liebe halte. So was fragt man eigentlich reife Damen nicht. Aber na gut. Nach einiger Bedenkzeit über dieses – ähem - Thema kam sie zu folgendem Ergebnis, das sie der lieben Hotelgemeinde nicht vorenthalten will:

 

Wenn frau eine gewisse altersunabhängige Reife und Weisheit erreicht hat, ist sie einfach nicht mehr blöd genug für das, was da gemeinhin als „Liebe“ verkauft wird da draußen. Zum Beispiel:  

 

Typ 1: der Despot: Ein Wolf im Schafspelz auf der Couch, der sich nur für Fußball und Matratzensport interessiert, seine Partnerin gerne verwöhnt, aber für so minderbemittelt hält, dass er sie daran hindert, aus dem Haus zu gehen, natürlich um sie zu schützen und bei Nicht-Verabreichung von erpresserischem Sex gewalttätige Szenen macht.

 

Typ 2: der Distanzierte: Einer, der sich nur selten blicken lässt, unheimlich viel zu tun hat und stets übers Telefon seine Liebe beteuert, sonst aber durch Abwesenheit glänzt, denn er hat leider diese Familie am Hals, von der er sich ja am liebsten trennen würde, doch das würde ihn in den finanziellen Ruin treiben, du vestehst doch Liebes…. (hier ist der Drehtür-Sex jedoch atemberaubend).

 

Typ 3: der Bürokrat: Dieser Schwanzbeamte kommt häufig über eine Internet-Plattform ins Liebesleben einer Frau, hakt bei den ersten drei Dates seine Checkliste ab, will nach dem dritten Date Sex und findet dann irgendwie doch ein Haar in der Suppe: Weißt du Liebes, wir sind beide Nichtraucher, denken sozial und lieben Tiere, aber irgendwie liebe ich dich nicht.

 

Typ 4: Der Windige: Dieser Kandidat ist rasch verliebt, seine Augen leuchten und die Begeisterung steigt beim gemeinsamen Gang durch die Uffizien. Der Höhepunkt ist der Kuss unter dem Eiffelturm. Doch wieder zu Haus sagt er dann: Schatz, ich möchte frei sein. Lass uns eine Freundschaft draus machen.

 

Typ 5: Der Anhängliche: Den wirst du nicht mehr los, der geht mit dir Büstenhalter einkaufen und nimmt dir selbst das Kuchen Backen ab. Tag und Nacht ist er an deiner Seite, lieb, auch zu deinen Teddys, und ihr klebt zusammen 24 Stunden am Tag bis du das Fenster aufreißt für ein bisschen frische Luft und mal ein Wochenende mit einer Freundin wegfährst. Das verträgt er nicht. Er meldet sich nie wieder.

 

Liebe Hotelgemeinde, bitte die fehlenden Typen selbst ergänzen.

 

So, der Gemüsekuchen ist fertig. Der wird gleich mit zum Damenkränzchen genommen.  Das mit dem Frühling vergeht wieder.

 

Mit freundlichen Grüßen aus dem Vorzimmer von Dr. Gott

 

Daphne Elfenbein

 

 

 

Wenn im März die Glocken Läuten

Früh um zehn ist noch nicht so viel los, hofft Frau Elfenbein und macht sich auf zum Sonntagsspaziergang. Die Sonne scheint. Die Vöglein jubilieren. Still ruht der See, auf dem die Schwäne im glitzernden Licht ihre Vorstellung geben. Daphne Elfenbein ist saisongemäß fröhlich und schreitet kraftvoll dahin. Doch da! Ein Müllberg, ein alter Kinderwagen, ein zerbrochener Fernseher, eine zerschlissene Matratze stören den optischen Sonntagsfrieden auf das Empfindlichste. Sie runzelt die Stirn und ändert ihren Kurs. „Das geht gar nicht“. Aber die Mülltüte, die sie gewöhnlich auf Spaziergängen mit sich führt und die auch jetzt schon halb gefüllt an ihrem behandschuhten Ärmel baumelt, ist zu klein für diesen erbarmungswürdigen Unrat. Stracks steuert sie auf das Ärgernis zu und bemerkt erst jetzt den dunkelhaarigen Mann um die 50, er da beim Müllberg herumlungert und auf verdächtige Weise mit beiden Händen im eigenen Hosenladen wühlt. Hmmm, Vorsicht, erst mal entschleunigen, hier lauert Gefahr.

Plötzlich springt der Kerl an ein geparktes Auto, lässt die Hosen endgültig runter, stützt seine Hände auf die Motorhaube, streckt seinen haarigen Hintern raus und wackelt mit seinem Gehänge, dass die Glocken läuten.
Frau Elfenbein zückt ihre Handykamera, tritt näher und ruft: Stehenbleiben! Das kommt in die Zeitung! Ha! Das Bild ist im Kasten, samt altem Kinderwagen, zerschlissener Matratze und zerbrochenem Bildschirm. Einen Rest von Scham zusammenraffend hat der Protagonist ehelicher Konflikte und heimlicher Triebe sein Corpus Delicti wieder in den Müllbeutel gepackt. Aus Diskretionsgründen wird das Foto hier nicht gezeigt. Nebenbei sei verraten, dass Frau Elfenbein für das Nicht Veröffentlichen ab sofort gewisse Summen erhält. Na wenn das kein Deal ist …