26.09.

Herr Tausendacht

gibt Niederlage zu

Ja, ich gestehe, die von mir favorisierte Nichtwählerpartei ist von der Kanzlerin geschlagen worden. Doch es war denkbar knapp: Das amtliche Endergebnis sah die CDU-CSU mit 24,9 % aller möglichen Wählerstimmen haarscharf vor den Nichtwählern, die auf 24,4 % kamen. Doch in vier Jahren geht das Kräftemessen weiter, mit einer dann gänzlich verbrauchten Kanzlerin. 

 

Und das Argument, Wählen sei wie Zähneputzen, wenn man es nicht mache, würde es braun, kontere ich gelassen: Ja, Wählen ist wie Zähneputzen. Macht man es nur alle vier Jahre, kann man es gleich sein lassen. 

 

Also bis zum nächsten Mal. Es ist noch nicht aller Tage Abend, sie liegt noch vor uns, die Götterdämmerung.

 

 

 

23.09.

Herr Tausendacht

Wählt GROSS

Zahnärzte können sie wählen, oder Wurstfabrikanten. Aber meist sind die schon zum Original übergelaufen, zur FDP. Nur der kleine Mann, der entscheidet sich noch für die AFD, denn sie hat sich sein dumpfes Gefühl, etwas sei faul im Staate, zunutze gemacht. Und dafür wird sie nun als Nazipartei beschimpft. Dabei ist es doch gar nicht so extrem rechts, den Glaubensfaschismus einer abrahamitischen Religion abzulehnen. Ich habe das mit dem Katholizismus immer so gehalten. Aber das alleine reicht zum Wählen nicht. Ich kann mit einer Partei einfach nichts anfangen, die alle hässlichen Züge von CSU und FDP besitzt. 

 

Kommen wir zum besagten rechtsliberalen Original. Hier werden schwierige Themen grundsätzlich umgangen und ein stalinistischer Ein-Mann-Kult um Kandidat Lindner betrieben, der sich größte Mühe gibt, sapienssexuell zu verführen, denn die Homosexuellen, die sind diesmal bei der AFD. Nun, sapinessexuell bin ich schon lange und gegen die FDP sowieso. Fazit: unwählbar.

 

Dann gäbe es die ehemalige Volkspartei SPD mit ihrem ehemaligen Alkoholiker, der ehemals in Brüssel den Kleinen Mann beutelte und sich nun als dessen Anwalt gibt. Warum nur? Besagte kleine Leute, sie wählen ohnehin die AFD, während Lehrer und Beamte, die Restwähler dieser ehemals stolzen Partei, zunehmend von der CDU abgeworben werden.

 

Wenn schon links, dann richtig. Beinahe hätte die Linkspartei mit ihrem klaren Programm meine Stimme bekommen. Sarah und Oskar besäßen meine Sympathie, lägen bei dieser Partei nur nicht eine so große Leiche im Keller. Irgendwie fürchtet man immer, dass sie sich mit einem lauten "Ätsch", die Totenmaske von Gesicht reißt und fröhlich mit Honneckerhut und SED-Abzeichen zu zappeln beginnt.

 

Doch was Einparteiensysteme betrifft, da ist letztlich unsere Propagandablockpfeife Merkel nicht zu übertreffen. Sie hat aus den Blockparteien CDU, SPD, Grüne und FDP ein Machtsystem gezimmert, das ihr zeitlich uneingeschränkt parlamentarische Mehrheiten verschafft. Noch nie waren politische Konzepte derart leer wie unter ihrer vermeintlich so politisch korrekten Herrschaft. Wer gegen sie ist, ist sowieso Nazi und verdient Ächtung und Berufsverbot. Sowas wähle ich schon gar nicht.

 

Und die Grünen? Wer waren die noch mal? Deren Kernthemen vertritt Merkel mittlerweile besser als jeder Althippie. Sogar den Atomausstieg schrieb sie der CDU auf die Fahne, wer hätte das vor zwanzig Jahren gedacht? Die Grünen, sie sind höchstens noch für Päderasten wählbar und kommen damit zu meinem Erschrecken auch noch über die Fünfprozenthürde.

 

Ich hingegen, ich wähle die größte aller Parteien. Die der Nichtwähler. Nur, wenn diese über fünfzig Prozent erhält, ist der Parteienklüngel bloßgestellt. Nur dann sind genug Menschen aufgewacht, die keine Lust mehr haben auf die Farce des Ankreuzens, welche nun auch nur noch alle fünf Jahre stattfinden soll. Warum nicht gleich nur noch alle sieben Jahre plus einer künstlichen Intelligenz mit Merkelgesicht als Kanzlerin? Nee, nee. Und daher wähle ich die größte aller Parteien.

 

 

 

16.09.

Herr Tausendacht

managt die Krise

Wenn der Dalai Lama sagt, Buddha stünde heute auf der Seite der Rohingya, so übersieht er geflissentlich, dass dieser wohl, unter den gegenwärtigen wirren Bedingungen, die Erleuchtung gar nicht erlangt hätte. Vielmehr belegte er womöglich als Spross einer wohlhabenden Familie einem Posten bei Amnesty Inter-national und der Dalai Lama, nun, vielleicht hütete er Ziegen.

 

Rund 1 Million Rohingya leben in der Burmesischen Küsten-provinz Rakhaing. Die muslimische Minderheit gilt offiziell als Staatenlos und besitzt keinerlei Rechte. Zwar war die Region schon immer multiethnisch, allerdings kam es ab dem 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart zu immer neuen Einwande-rungswellen aus dem heutigen Bangladesh, in deren Folge das Streben nach einem eigenen muslimischen Staat aufkam. Seit der Unabhängigkeit Burmas 1948 ging das Militär mit insgesamt 20 großangelegten Einsätzen dagegen vor. Hunderttausende Rohingya wurden vertrieben und heute lebt rund die Hälfte von ihnen, also ungefähr ebenfalls eine Million, in den umliegenden Nachbarländern.

 

Man kann dies, wenn auch gewiss nur zynisch, als eine Art regelmäßige Geburtenkontrolle ansehen, denn die Rohingya bekommen rund 50% mehr Kinder als die Buddhistische Bevölkerung. Es geht den Burmesen eindeutig darum, eine Situation wie im Kosovo zu verhindern, wo durch die demo-graphische Entwicklung ein urserbisches Territorium an muslimische Albaner fiel. Ähnliche Beweggründe stecken auch hinter der Entrechtung der Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten.

 

Als außenstehender Betrachter mag man empört aufschreien aufgrund des so unmenschlich erscheinenden Vorgehens. Doch an vielen Orten Europas werden wir wohl schon im nächsten Jahrzehnt ähnliche Situationen antreffen und uns genötigt sehen, selbst bessere Antworten auf ein Problem zu finden, vor dem Israelis, Serben und Burmesen schon seit historisch langer Zeit stehen, ohne es gewaltfrei und einvernehmlich gelöst zu haben.

 

Wir werden wahrscheinlich anerkennen müssen, dass es Konstellationen gibt, die nie ein friedliches Gleichgewicht erlangen, sondern dazu bestimmt sind, sich in einem Zustand der Krise zu perpetuieren. Das dafür erforderliche permanente Krisenmanagement, wage ich mit verhaltenem Optimismus zu behaupten, ist die Zukunft Europas sowie der ganzen Welt.

 

Denn sonst gnade uns Allah.

 

 

 

18.07.

Herr Tausendacht

postfaktisch

Joseph P. Overton definierte den Bereich des Diskurses, der bei den Meinungsmachern einer Gesellschaft als akzeptabel gilt, als Overton-Fenster. Wer noch vor wenigen Jahren aus diesem Rahmen fiel, fand sich in der intellektuellen Verbannung wieder, jeder Möglichkeit beraubt, am Diskurs teilzuhaben. Durch das Internet setzte sich jedoch der vertikalen Organisation dieses Fensters eine horizontale entgegen. "Inakzeptable" Ansichten organisierten und verbreiteten sich plötzlich effizient.

 

Die Wächter des Overton Fensters reagierten reflexartig: Durch Verengung und Verschiebung des Rahmens, um die Widergänger zu isolieren. Es wuchs hierdurch jedoch allein der vom Fenster nicht mehr kontrollierte Bereich, in den zudem immer größere "wahre" Areale fielen. Ein die Seiten verbindender Diskurs schloss und schließt sich zugleich aus, da einerseits das Overton Fensters die alleinige Deutungshoheit beansprucht, andererseits auf dem unkontrollierten Feld der Horizontalen ein Mangel an Reife besteht. So stehen sich zwei Blöcke sprachlos gegenüber.

 

Verschärft wird diese global stattfindende Teilung im Falle Deutschlands durch die Große Koalition. Befreit vom linken und rechten Rand, verengen die Regierungsparteien das Fenster zur Schießscharte. Zwar dürfen Linkspartei und AFD ihre Stand-punkte noch in Talkshows kundtun, eine Beteiligung an der Macht, über regionale Experimente hinaus, wird ihnen jedoch nicht in Aussicht gestellt.

 

Rund zwanzig Prozent der Wähler liegen so außerhalb des bedingungslos offenen Fensters. Bei Nichtwählern liegt der Anteil wohl erheblich höher, wodurch ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung marginalisiert ist, Tendenz steigend. Dass gewisse Inhalte "unerhört" bzw. unaussprechlich werden, gebiert Begriffe wie "Lügenpresse", respektive "Fakenews". Die aus diesem einge-engten Feld entstehende postfaktische Politik wird zugleich immer weniger konsens- und mehrheitsfähig, während sie das ohnmächtige Schweigen irrtümlich als Zustimmung deutet.

 

 

 

06.07.

Herr Tausendacht

schaut herab

Ich nehme einen schon etwas angeschrumpelten Apfel aus der Fruchtschale und trete ans Fenster. Unter mir weitet sich, im gemütlichen Kleinstadtgossenschwung dahingezogen, die ehe-malige Marktstraße. Im Zuge der postmodernen Reformation trägt sie seit über zwei Jahrzehnten nun wieder grobes Kopfstein-pflaster. Diejenigen, die dies damals bejubelten, schieben heute ihre Rollatoren über den holprigen Grund. Es kracht, klappert und wankt, als zöge eine beladene Pferdekutsche auf Speichenrädern vorüber. Die Körper vibrieren, erzittern; die Straße harrt starr und ungerührt. Sie zählt ihre Zeit im Takt der Generationen. Für etwas wird es gut sein, nehme ich an und beiße in den Apfel.

 

 

29.06.

Herr Tausendacht

blickt in die Welt

Ich blicke mal wieder in die Welt = Bildschirm. Und sehe wenig. Etwas Fußball vielleicht. Aber auch dort gibt es nichts Neues, traurige Mexikaner kommen einem schon zu Genüge unter.

 

Der goldene Golem der Großartigkeit, wie ein halbwegs bekannter Blogger einen gewissen Bauunternehmer zu nennen pflegt, twittert sich derweil munter um Kopf und Krage. Ich mag das freilich immer noch. Es ist absurdes Theater, egal ob absichtlich aufgeführt oder aus reiner Holzköpfigkeit.

 

Das zartbesaitete Hinüberzittern der Kanzlerin zur Schwulenehe dagegen sieht im Vergleich dazu doch eher verkrochen aus. Und natürlich wird sie von den Gays dann auf deren Weg zur seligen Verspießerung schließlich auch noch gewählt werden, die ewige Vorsitzende der Einheitspartei CSDPUD.

 

Und mal ehrlich: Wer will denn schon Schwarz-Gelb?

 

 

 

 

29.05.

Herr Tausendacht

über gute Werbung

02.05.

Herr Tausendacht

füllt sich mit Leitkultur

Auf der Durchreise am Kölner Hauptbahnhof. Weit und breit gibt es kein Bier - kein Wunder, dass hier nur Muslime Frauen nachstellen. Doch endlich, am Frittenstand, reicht man Gerstensaft zur Currywurst. So fülle ich denn meinen Magen und die flaue Bahnhofsaura mit deutscher Leitkultur.

 

 

 

30.03.

Der Bürgermeister ist des Teufels

Vorabpremiere im Hotel Harakiri meines kleinen Textes, den ich morgen, anlässlich der Arnsberger Literaturtage, vor heimischem Publikum zum Besten geben werde.

 

 

DER BÜRGERMEISTER IST DES TEUFELS

Nach einem Text von Hartmut Hegeler

 

„Der Bürgermeister ist des Teufels und muss auf den Scheiterhaufen!“, verlangten hysterische Arnsberger Bürger, obwohl Henneke von Essen als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt galt. Vom Stadtrat ins Richteramt berufen, verwaltete er zugleich im Auftrag des Kurfürsten die städtischen Finanzen. Darüber hinaus besaß er die Mitgliedschaft im Arnsberger Magistrat und zählte zu den vier auf Lebenszeit gewählten Bürgermeistern.

 

Nach dem Stadtbrand im Jahre 1600, leitete Henneke von Essen den Wiederaufbau, wobei es ihm gelang, die Hilfe der umliegenden Städten zu mobilisieren. Aus seinem Privatvermögen spendete er zudem Geld für den Wiederaufbau des Kirchturms, heute als Glockenturm bekannt. Doch auch um die Armen kümmerte er sich und ließ eine Kleiderkammer für sie einrichten. Die Arnsberger Bürger, ob reich ob arm, sie alle liebten und achteten ihn. Alle? Fast alle.

 

Wenige Jahre später sollte der Dreißigjährige Krieg ausbrechen. Bereits zur Halbzeit stöhnten die Arnsberger unter den ausländischen Truppen und Pestepidemien. Kriegsmüdigkeit machte sich breit, den Sinn des Schlachtens wollte sie nicht mehr so recht begreifen; sollten sie doch kommen, die Protestanten und Kirchen schänden, wenn dann nur endlich Frieden herrschte. Doch wurzelte in den Menschen ein tiefer Aberglaube, gesät und kultiviert zu einer Zeit, als das Kreuz noch die Runen fürchtete. Bald raunte man im Beichtstuhl, von der Kanzel und am Tresen von einer okkulten Hexensekte, die die Schuld an allem Übel trage. Das Raunen wuchs zum Schrei und schon bedrängten verzweifelte Bürger den Rat der Stadt, die vermeintlich Schuldigen aufzuspüren und ihnen den Prozess zu machen.

 

Henneke von Essen jedoch widersetzte sich einer Hexenverfolgung aus Sorge, Hunderte könnten, wie in Würzburg, auf dem Scheiterhaufen enden. Ein wahres Volksfest. Doch fest und fester sann das Volk auf die Vernichtung des „Hexengeschmeiß“. Bald schon wurde in der Bürgerschaft offen diskutiert, wie man dessen Verbrennung denn finanziell stemmen könne. Denn obwohl den Angehörigen die Rechnung präsentiert wurde, blieb die Stadt bei den Armen auf den Kosten sitzen. Die Lösung des Dilemmas ersann man, mit Sinn fürs Praktische, in Form einer zusätzlichen Kollekte, die nicht zu Lasten dieser Armen gehen durfte.

 

Henneke von Essen jedoch sah notwendigere Ausgaben auf die Stadt zukommen als psychogezündel. Angesichts solch einer Vernunftleistung, sorgte sich der Klerus um die Früchte der von ihm so fürsorglich geschürten Ängste und entsandte den durch einen Doktortitel über jeden Zweifel erhabenen Hexenkommissar Heinrich von Schultheiß nach Arnsberg. Und bald schon ging das Gerücht, der Bürgermeister höchst-persönlich sei im Bunde mit dem Teufel.

 

In kurzer Zeit verdichtete sich diese Nachrede zur Überzeugung und diese wiederum zum Indiz, ausreichend, Henneke von Essen den Prozess zu machen. Mit Daumenschrauben und Spanischen Stiefeln versuchten des Doktors Folterknechte, aus dem Angeklagten ein Geständnis zu mengelen. Zwar brachen die Knochen, jedoch nicht des Bürgermeisters Wille. So zog in dem ungleichen Ringen letztendlich Dr. Hexen-kommissar den Kürzeren. Unfähig, der geplanten Hatz den rechten Einstand zu verschaffen, wurde sie bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts verschoben. Ohne Henneke von Essens Widerstand - die Annalen der Stadt, sie schimmerten heute blutgetränkter. Oder eher aschgrauer.

 

Ein Happy End verlangte nun die Entlassung des betagten Bürger-meisters aus dem Kerker, seine Rehabilitierung, sowie die Verbannung des Dr. Hexenschuss auf Lebenszeit. Doch weit gefehlt. Dr. Kommissar gelang es, unter allerlei sinistren Vorwänden, Henneke von Essen in Verwahrung zu behalten. Nach einjähriger Haft, am 14. August 1631, ganze 185 Jahre, bevor Arnsberg an das protestantische Preußen fiel, verstarb er dort an den Folgen von Kälte, Hunger und Folter.

 

Nichts in der Stadt erinnert an sein Schicksal.

 

 

 

 

02.11.

HERR TAUSENDACHT

Klärt auf

Gestern sah ich auf Arte Roland Kirks sehr schön gemachten Dokumentarfilm „Amerika hat die Wahl“ über die beiden Kandidaten Hillary und Trump. Natürlich kam Hillary mal wieder besser weg als ihr Konterpart. Und natürlich hat der Filmemacher zu diesem Zweck von ihm selbst aufgezeigte Spuren nicht weiterverfolgt. Dabei stellt sich bei Hillary einem Biografen doch zwangsläufig die Frage, wann genau sie durch und durch korrupt wurde. Und hier hätte Kirk mit seinem Material anstelle schüchterner Andeutungen weit tiefgreifendere Schlussfolgerungen ziehen können.

 

Hillary hatte ein kaltes, forderndes Elternhaus. Wie die meisten Opfer der breiten Palette kindlichen Missbrauchs, muss wohl auch sie Grausamkeit als Liebe gedeutet haben, um überleben zu können. Doch in ihren Augen stand damals noch etwas zartes und hoffnungsvolles.

 

Wann also zerbrach Hillary Rodham? War es nach dem Studium, als sie es allen, auch ihrem damaligen Freund Bill Clinton, zeigen wollte, allein nach Washington ging - und scheiterte? Oder war es, nachdem sie reumütig, und wohl auch aus pragmatischen Gründen, Bill ehelichte? Geschah es, nachdem sie durch ihre forsche, progressive Art, ihrem Ehemann die Wiederwahl in Arkansas kostete und von da an das dezente, geschminkte Auftreten einer Politikergattin annahm? War es ihr Scheitern bei dem Versuch, als frisch gebackene First Lady das Gesundheitssystem in den USA zu reformieren und ihr dabei so unglaublich viel Zorn, Verachtung und gar Spott entgegenschlugen? War es womöglich allein der Druck der ehelichen Fassade, welche die im Grunde libertäre und pragmatische Beziehung nach außen bot? Ein Druck, der wohl spätestens dann unerträglich wurde, als die durch diesen Mummenschanz heraufbeschworenen Skandale an die Öffentlichkeit drangen?

 

Wann rastete die frühkindliche Prägung ein, durch die Hillary prädestiniert war, den zynischen, herzlosen Pragmatismus des globalistischen Establishments mit den intellektuellen Idealen der liberalen Linken zu verwechseln? Eine Verwechslung, die ihre Karriere schon oft aufrechterhielt, in entscheidenden Momenten gar schützte und beschleunigte. Als sie, damals amtierende Außenministerin, vor laufenden Kameras Gaddafis Festnahme und Ermordung mit irrem Lachen quittierte, war ihre Verwandlung schon lange geschehen. Womöglich dreißig Jahre zuvor.

 

Hillary Rodham Clinton ist eine zerbrechliche Frau, seit ihrer Kindheit dazu getrieben, alles zu erreichen. In der düsteren Abfolge ihrer Niederlagen und Anbiederungen verliert sich dabei das Ende ihrer progressiven Ideale. Wahrscheinlich war es schon besiegelt, als sie ihre Brille durch Kontaktlinsen ersetzte, zum Frisör ging und das Ebenbild einer artigen Ehefrau wurde. Was heute über die Bildschirme und Wahlveranstaltungen geistert, ist jedenfalls die monströse Persiflage eines Mädchens mit schüchternem Blick und dem Herzen voller Ideale. So tragisch ihr Weg auch ist, so sehr ich wünschte, sie wäre, was sie zu sein vorgibt, so sehr hoffe ich, dass sie diese Wahl verliert - und am Wahlabend das von Michael Moore als größtes fuck you der US-Geschichte betitelte Ergebnis über alle Bildschirme flimmern wird.

 

 

 

 

15.10.

Herr Tausendacht

GEDENKT

einem der schlimmsten Kriegstreiber der letzten 100 Jahre

 

13.10.

Herr Tausendacht dichtet

Herr Tausendacht am Malecón

Die Uferstraße Malecón verläuft über viele Kilometer von der Hafeneinfahrt hin zum Rio Almendares. In den heißen Septembernächten zieht es die Habaneros an ihre Mauer, an welche ein um diese Jahreszeit trügerisch ruhiger Atlantik schwappt. Selbst unter der Woche drängen sich zahllose Menschen auf der längsten Bank (oder, je nach Vorliebe, Freilufttheke) der Welt, um etwas erfrischende Meeresbrise abzubekommen; dabei immer ein Grinsen, ein Mädchen oder eine Flasche Rum. Musiker tingeln auf und ab auf der Suche nach einem bezahlten Ständchen, ältere Frauen verkaufen geröstete Erdnüsse, Popcorn oder bunte Kunstblumen, jüngere ihren Körper. Havannas Nächte sind warm und feucht.

 

 

 

20.09.

Herr Tausendacht: Sorry, Volks-genossen

Er kann Geld verdienen, auf einer Schallplatte mit dabei sein, und trotzdem taucht er nicht auf!", echauffierte sich die Produzentin aus San Diego über einen angeheuerten Musiker. Betretenes Schweigen füllte das modern eingerichtete Tonstudio in Havanna, bis es durch mein "Nichts zu machen, das ist das spanische Erbe", gebrochen wurde. Die kalifornische Produzentin blickte ungläubig, woraufhin ich das Gewicht meiner Spanischen Residenz in das Argument warf: "Ich weiß wovon ich rede, schließlich lebe ich dort." Erleichtert brachen die Kubaner die konsternierte Stille mit herben Bemerkungen über den iberischen Arbeitsethos, angefangen mit der dortigen vierstündigen Mittagspause. Ganz klar, an allem Übel waren die ehemaligen Kolonialherren schuld. Ich mochte dem nichts entgegensetzen außer der Feststellung, den spanischen "modo de vida" durchaus zu schätzten - schon beim Gedanken an ihn erfüllte mich dieser stressfreie Zustand, den man des öfteren in iberisch geprägten Ländern empfindet - und mit ihm der Verdacht, das vermeintliche kulturelle Handycap der Fahrigkeit und Unpünktlichkeit könnte sich letztendlich als ein Stress, Gewalt und Negativität vermeidender Vorteil entpuppen.

 

Die Inklusion des Unperfekten half wohl bereits den Römern, ihr riesiges, multiethnisches Reich zusammenzuhalten und wurde von ihren spanischen Nachkommen bei der Errichtung des eigenen Imperiums übernommen, wobei die Toleranzgrenze anscheinend noch etwas schwammiger ausgelegt wurde - je größer die geografische Ausdehnung, je vielfältiger die eingeschlossenen Ethnien, umso loser muß wohl das Regelwerk sein, welches alles zusammenhält. Dass es sich dabei um keine Laissez-faire-Regeln handelte, sollte klar sein, denn auch das spanische Weltreich war totalitär und rassistisch, nur eben mit ausreichend unscharf gezogenen Linien, um die Mulattin entstehen zu lassen, afrikanische Kulte zu bewahren und zum Beispiel die gegenwärtige neoindianische Regierung Boliviens - wohlgemerkt indirekt - zu ermöglichen. Die Antithese dazu waren und sind die Angelsächsischen Imperien mit ihrer "nordischen" Exigenz der Perfektion. Doch auch hier fand, seit den Ursprüngen Britanniens, ein Prozess ethnischer und kultureller Inklusion statt: Römer, Angeln, Sachsen, Wikinger und die Französischen Herrscher erzeugten schon früh eine sich vom ethnischen Kontext ablösende Kultur.

 

Dieser Vorgang fand seine Vervollkommnung im britischen Weltreich und den Vereinigten Staaten als Triumph des Pragmatischen. Allerdings waren die Grenzen eng gesteckt: Der Genozid an der indianischen Urbevölkerung und die Versklavung der Schwarzen fanden gründlicher statt als beim iberoamerikanischen Gegenbild. Das Paradigma war und ist "nordisch". Starre Konzepte der Gegenwart, wie die politische Korrektheit, sind in diesem Zusammenhang somit auch, entgegen der gängigen Meinung, als eher konservativ einzuordnen. Die USA geraten heute an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit ihrer kulturellen Struktur, allenorts brodeln soziale, ethnische und genderzentrische Minderheitenkonflikte. Lateinamerika, vom Norden aus betrachtet chaotisch und verwirrend, könnte langfristig das bessere Erfolgsmodell sein. Denn seine Kultur ist praktisch unzerbrechlich, wogegen der Norden zunehmend Risse und Sprünge zeigt - und dies nicht allein auf dem amerikanischen Kontinent.

 

Der Brexit, sowie die Spannungen innerhalb der Europäischen Union, sind ein weiteres Beispiel. Wobei in Europa ein auf der Welt beinahe einzigartiges Phänomen die Bruchlinien verstärkt: Das deutsche. Zwar ist die deutsche Kultur der skandinavischen wie der angelsächsischen eng verwandt, entpuppt sich allerdings als noch unflexibler. Denn ihre annähernde Deckungsgleichheit von ethnischer und kultureller Ausbreitung ist beinahe einzigartig. Dies dürfte auch ein Grund für die beständigen Animositäten zwischen Angelsachsen und Deutschen sein: Die Wahrnehmung der jeweilig anderen Kultur ist der Blick in einen Spiegel, der zwangsläufig das Unvollkommene des dortigen Subjekts offenbart: Wo der Angelsachse sich vom "häßlichen Deutschen" zurückgewiesen fühlt, empfindet sich dieser vom Universalanspruch des Ersteren arrogant brüskiert.

 

Auf dem gesamten Planeten existiert diese Syncronizität von Volk und Kultur (mit Ausnahme kleinerer, für die Geschicke des Planeten weniger relevanter Länder - nun, man könnte z.B. noch Ungarn oder Iran Nennen ... ) allein in den Fällen Deutschlands und Japans: Der gesamte amerikanische Kontinent ist das Produkt europäischer Kulturexporte, ganz Afrika und der Mittlere Osten Ergebnis derer Willkür. Die großen Nationen Asiens waren immer multiethnisch, Gleiches gilt für das eurasische Rußland. Nun wird verständlich, wo die Idee der nationalsozialistischen Überhöhung des Völkischen entsprang - just zu einer Zeit, als diese Homogenität begann, ein Anachronismus zu sein - und was der Antrieb war für zwei geografisch derart weit voneinander entfernte Kulturen wie Deutschland und Japan, eine kriegerische Allianz zu bilden.

 

Fazit: Nur Unperfektion einfordernde Gesellschaften sind langfristig überlebensfähig. Wo diese flexibel reagieren können, drohen starre, auf ethnische Homogenität bedachte Kulturen zu zerbrechen. Es mag nach böser globalistischer Verschwörung klingen, aber Deutschland täte gut daran, sich weiterhin abzuschaffen. Alles andere wäre, in Anbetracht der weltweiten Realitäten, eine germanozentrische Aberration. Denn dieses Land wird nie wieder als ethnisch-kulturelle Einheit existieren. Sorry, Volksgenossen.

 

 

 

12.9.

Herr Tausendacht schlägt rund

 Jetzt ist die Clinton einfach umgekippt, so, als wolle sie die ganzen Gerüchte über ihre miserable Gesundheit auch noch unterschreiben. Eine Lungenentzündung mitten im Sommer! Damit dürfte sie für einen Großteil der Amerikaner unwählbar geworden sein; denn Fitness ist im Land der nicht mehr gänzlich unbegrenzten Möglichkeiten Pflicht, das Wahlprogramm jedoch nur Kür. Wahrscheinlich hätten die Demokraten besser Sanders auserkoren (mit Aerobic-Jane Fonda als Vizepräsidentin). Doch da wurde ja bereits von Clinton im Vorfeld unlauter geschoben, was ihre Wählerbasis zusätzlich schmälerte. Schuld daran waren, Clintonsche Logik, die Russen, die bösen Petzen, verstehen die doch einfach nicht im Politik genannten Schmierengeschäft den Mund zu halten. Was dem Trump seine Mexikaner, sind der Clinton ihre Russen - Lungenentzündung soll es jenseits des Urals ja auch häufiger geben als in Virginia. Doch nun zum künftigen Präsidenten Trump, welchen ich eigentlich nur mag, weil alle gegen ihn sind - besonders das weltweite medial-finanzielle Establishment. All die Anschuldigungen und Schmutzkampagnen gegen ihn verpesten letztendlich nur das allgemeine Klima und schaden sodann mehr dem anfälligeren der beiden Kandidaten (siehe Lungenentzündung). Der letzte Versuch der Eliten, Trump zu bremsen, ist der unabhängige Kandidat Gary Johnson, welcher nun ach so plötzlich allenorts in den Medien auftaucht. Doch der Mann fällt vor allem durch Kiffen und Nichtwissen auf und dürfte den männlichen Redneck-Protestwähler, Trumps Basis, ungefähr so begeistern wie ein schwuler Goldfisch. Trump wird also Präsident, doch die Häme bleibt einem beim Blick auf das heimische Angebot Merkel, Gabriel, Petry nur im Halse stecken. Da lobe ich mir mal wieder die Castros. Irgendwie.

21.08.

Herr Tausendacht taut auf

Die Arktik kam dieses Jahr mal wieder gehörig ins Schwitzten und drohte gelegentlich, sich gänzlich aufzulösen. Nun, in der Schlussphase des diesjährigen Tauwetters, wütet am Nordpol einer der stärksten dort je gemessenen Wirbelstürme, ein "Great Arctic Cyclone" oder kurz, ein GAC. Gebannt darf man ihm ins drohende Auge blicken. Einen Ort, an dem sich unser Planet schneller verändert als am Nordpol, gibt es gegenwärtig nicht. Ich habe den dortigen Ereignissen durch kleine Animationen Ausdruck verliehen und hoffe, sie bringen den geneigten Leser zum Nachdenken denn schon in wenigen Jahren kann die Arktis im Sommer gänzlich eisfrei sein. Und wer glaubt, man sei weit von dort entfernt und wohlbehütet, dem rate ich, sich ein kubanisches Sprichwort zu Herzen zu nehmen: El mundo es un chícharro. Die Welt ist eine Erbse.